Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 44 (31.10.1866)
- Date
- 1866-10-31
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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723 aus H. hat. Der hierortige ehrwürdige Herr Rabbiner sollte einem der Parteien den Eid abnehmen, und das löbl. Komitatsgericht wollte, daß der Eidesakt nur im Tempel vollzogen werde; doch der ehrwürdige Herr Rabbiner fügte sich aus gewichtigen Gründen diesem intoleranten Ausspruche nicht und gab seine Erklärung dahin ab, daß die Heiligkeit der Gerichisstube hinsichtlich des Schwures der Heiligkeit der Synagoge in nichts nachstehe. Man ist gespannt, ob dieser zeitgemäße Ausspruch bei der hohen Behörde Berücksichtigung finden werde; vorläufig wurde die Sache verschoben. Noch will ich einen sehr interessanten Fall nicht unerwähnt lassen, der sich jüngst ereignete. In Beköcze, einem nicht weit von hier entfernten Dörfchen, starb ein Bauer und hinterließ ein Legat einem Juden Namens S., und zwar aus dem Grunde, weil er — wie er dies dem Geistlichen in der Beichte auch sagte — diesem Juden schon vor 20 Jahren sein Haus in Brand gesteckt und zwar gleich damals gefänglich eingezogen, aber durch die damals übliche langsame Gerichtsprozedur „aus Mangel an Beweis" freigesprochen wurde; er könne aber nicht ruhig sterben, bis er nicht wenigstens einen Theil davon abgetragen. Oer Bauer starb mit ruhigenl Gewissen und hinterließ ein großes Vermögen seinen Kindern. Der Jude aber begnügte sich durchaus nicht mit einem kleinen Legat von kaum fl. 200 Oest. W. und machte, da nun sein Recht schwarz auf weiß anerkannt ist, den Erben einen Prozeß anhängig, den er aller Wahrscheinlichkeit nach gewinnen wird. Ich werde seiner Zeit das Resultat mittheilen. Ahron Weiß, Religionslehrer. Aus Draezenitz, 16. Oktober, wird gemeldet» In unserer Ortschaft wohnte ein Jsraelite, Namens Moische Sr ul Rauch, welcher eine kleine Greislerei betrieb und sich sonst mit Geldausleihen befaßte. Er lebte sehr einfach, war geizig und gönnte sich kaum das tägliche Brod, und obwohl anscheinend sehr arm, hatte er doch ein bedeutendes Vermögen, das Räuber bei ihm vermutheten und auch wirklich fanden. Freitag, den 12. d. M., Abends, als sich der Jsraelite mit seiner Frau und den Kindern kaum zur Ruhe begeben hatte, vernahmen sie aus einmal vor der gesperrten Stubenthür mit drohender Stimme auSrufen: „Mach auf Jude;" dieser nebst der Frau, überden nächtlichen Besuch sehr erschrocken, und nichts Gutes ahnend, durchbrachen ein Fenster und sprangen durch dasselbe in den Garten, nm von da über die Bretterplanken ins Freie zu gelangen. Dieser Versuch wurde jckoch von den Räubern vereitelt, indem die Frau mit mehreren gegen den Kopf und die Arme geführten Keulenhieben zu Boden gestreckt wurde, uttd betäubt Regen blieb; ein Arm war ihr gebrochen worden. Der Mann dagegen stolperte beim Wehm Äer einige Holzstücke und fiel zu Boden, wo ihn die Räuber ebenfalls mit Beilhieben auf den Kopf traktirten, an welchen Schlägen er auch am nächsten Tag seinen Geist aufgab. Als nun die Räuber Mann und Frau todt glaubten, erbrachen sie die Stubenthür, traten in das Zimmer, wo sie die Kinder trafen und fragten das älteste derselben, ein Mädchen von 15 Jahren, wo das Geld ist, auf dem der Vater zu schlafen pflegte: auf die Antwort, daß es sich im leer gebliebenen Bette des Vaters befinde, durchsuchten sie dasselbe und fanden ein Paket, enthaltend 170 Zehnerbanknoten, welche an der Rückseite mit dem Namen des Israeliten in hebräischer Sprache gekennzeichnet sind, und 20 Fünferbanknoten. Nach weiterem Herumsuchen entdeckten sie eine Brieftasche mit circa 3000 fl. ö. W., ferner einen Topf Kupfergeld und einen solchen mit Silbergeld, dann Wechsel im Werthe von 1200 fl., goldene und silberne Schmucksachen, Perlen, Kleidungsstücke rc., welches sie Alles mit sich nahmen. Während dies vorging, kam die betäubte Frau wieder zu sich und schleppte sich zum nächsten Nachbar, um ihn zu Hilfe zu rufen, ohne jedoch Gehör gefunden zu haben; erst ein zweiter Nachbar folgte ihr nach Hause, ohne die Räuber zu treffen. Mehrere der That Verdächtige wurden bereits eingezogen, und es dürfte die Entdeckung der Raubmörder bei den besprochenen Umständen bald gelingen. Frankreich. Paris. Endlich ist die Wahl des Aro-uck radbln von Frankreich nach langen und heftigen Vorpostengefechten und Scharmützeln auf den 20. November a. o. festgesetzt. Hoffen wir, daß die Vertreter des französischen Judenthums das Rechte treffen. Auch die „Alliance Jsraelite Universelle" hält ihre jährliche General-Versammlung in der zweiten Hälfte des November ab. Pari-, den 18. October. Gestern wurde hier ein Familienfest gefeiert, das auch in weiteren Kreisen Interesse erregen wird; es fand nämlich die Vermählung des Frl. Betty Cohn, Tochter des berühmten Herrn Albert Cohn, mit Herrn Ernst Handle, Advocat am Kaiserlichen Gerichtshof zu Paris, Statt. Es ist wohl nicht nothwendig, zu erzählen, daß die Synagoge auf das Prachtvollste geschmückt war und daß fast alle jüdische und auch viele nichtjüdische Notabilitäten von Paris sich dazu eingefunden hatten; aber das will ich besonders hervorheben, daß der glückliche Vater der Braut die Armen in drei verschiedenen Häusern auf's Reichlichste bewirthen und den verschämten Armen die Speisen in's Haus schicken ließ, und daß er außerdem diesem Freudentage durch zahllose Wohlthätigkeitsacte ein dauerndes Andenken stiftete. Möge die Freude ständig in -em Hanse iwS adle» Mannes «alten und sein Leben und seine Familie stets gottgesegnet sein.