Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 44 (31.10.1866)
- Date
- 1866-10-31
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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721 nen und seit einer Reihe von Jahren amtirenden Lehrern nahe treten zu wollen, die Thatsache in's Auge gefaßt werden, daß nicht Wenige aus derselben Schule theils eine zu geringe Kenntniß der hebräischen Religions-Urkunden besitzen, theils den religiösen Lehren und Satzungen in bedenklichem Maße entfremdet sind. Um aber Juden zu erziehen, um das geoffenbarte Gotteswort, das heilige Erbe unserer Väter unverkürzt dem lebendigen Bewußtsein kommender Geschlechter zu überantworten, um mit Einem Worte auf die Geistes¬ und Gemüthsrichtung der jüdischen Jugend rein und lauter einzuwirken, sind ebenso gesinnungstüchtige wie kenntnißreiche Lehrer — die noch dazu in den kleineren Gemeinden die einzigen Cultusbeamten find — unbedingt von Nöthen. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Rakel, 7. Octbr. „Die Ostdeutsche Zeitung" berichtet: Von Seiten der hiesigen jüdischen Gemeinde wird dem im November zusammentretenden Hause der Abgeordneten eine Petition eingereicht werden, die wohl auch in weiteren Kreisen ein größeres Interesse für sich in Anspruch nehmen dürfte. Bekanntlich üben, besonders in unsrer Provinz, die evangelischen Geistlichen die Jnspection über die öff ntlichen jüd. Elementarschulen. Die jüdische Gemeinde suchte bereits vor Jahren ihrem damaligen Rabbiner Or. Friedmann eine directe gesetzliche Einwirkung auf die Schule zu verschaffen und wählte ihn als technisches Mitglied in den jüdischen Schulvorstand, so daß ein gewisser Dualismus in der Jnspection ihrer Schule herbeigeführt wurde. Im Jahre 1860 schickte der damalige Pastor Ritschhe dem jüdischen Schulvorstande folgende Zuschrift zu: „dem jüdischen Schulvorstands zeige ich hiemit an, daß ich aus eignen freien Entschlüssen die königl. Regierung gebeten habe, mich von der Schulinspection über die jüdische Schule zu Rakel entbinden zu wollen, weil es meinem Christlichen Bewußtsein widerspricht, eine Schule zu pflegen, welche Chr. rc. verleugnet." Der jüdische Schulvorstand schloß sich nun bereitwilligst diesem Gesuche des Pastors R. an, der die Ungeeignetheit des evangelischen Geistlichen zum Jnspector über die jüdische Schule selber dargethan, und bat die königliche Regierung, die Jnspection dem Rabbiner vr. Friedmann zu übertragen. Die Mnigliche Regierung setzte darauf den vr. Friedmann als Jnspector über die hiesige jüdische Schule an, «nd verwaltete derselbe bis zu seinem Abgangs von hier das Amt mehrere Jahre hindurch. Die Schale gedieh unter seiner Leitung, und die königliche Regierung sprach sich anerkennend darüber aus. Auf eineDenunciation kam vom Ministerium der geistlichen rc. Angelegenheiten folgendes Rescript: „Auf die Vorstellung von 22. d. I. eröffne ich Ihnen, daß kein Grund vorhanden ist, den Rabbiner vr. Friedmann von der Jnspection der dortigen jüdischen Elementarschule auszuschließen. Wenn dem Rabbiner vr. Friedmann auch nur die Eigenschaft eines Cultusbeamten der Synagogen-Gemeinde beiwohnt, so ist derselbe doch zum technischen Mitglied des jüdischen Schulvorstandes und zur Localaufsicht über den Unterricht und die Disciplin in der öffentlichen jüdischen Elementarschule daselbst, so wie über die Dienstführung der bei derselben angeftellten Lehrer wohl geeignet, da derselbe ein wissen-! schaftlich gebildeter Mann ist, der wegen seines sittli-! lichen Charakters in allgemeiner Achtung steht. Zu-! dem führt der Bürgermeister der Stadt den Vorsitz! im jüdischen Schulvorstande und der Kreis-Schul-Jnspector die Oberaufsicht über die Schule, auch ist seither in keiner Weise über das Verhalten des Rabbiners Friedmann in seiner Stellung als Local-Jnspector der jüdischen Schule Beschwerde geführt worden, wohl aber hat derselbe sich in dieser Stellung bisher sehr thätig erwiesen. Berlin, den 22. September 1862. Der Minister 2c. In Vertretung gez. Lehnert" Nach dem Abgänge des Or. Friedmann von hier übertrug die Königliche Negierung die Jnspection über die hiesige jüdische Schule dem Bürgermeister Ziese interimistisch. Im vorigen Jahre erging nun an den Vorstand der jüdischen Gemeinde von der königlichen Regierung die Anfrage, ob bereits ein neuer Rabbiner im Amte, eoent. ob er geeignet zur Uebernahme der! Jnspection über die jüdische Schule wäre, wodurch wiederum im Princip anerkannt worden, daß gesetzlich der Anstellung eines Rabbinners als Schulinspector über die jüdische Schule nichts im Wege stände. Der Vorstand erwiderte darauf, daß die jüdische Gemeinde im Begriff sei, einen academisch gebildeten Rabbiner, der zur Uebernahme der Jnspection qualificirt sein werde, zu wählen. Es wurde darauf dem Pastor Rogge die Jnspection über die hiesige jüdische Schule provisorisch übertragen. Als die jüdische Gemeinde, ihren jetzigen Rabbiner vr. Cohn gewählt, der das Gymnasium und an einer preußischen Universität sein Studium rits absolvirt und Zeugnisse über seine wissenschaftliche und pädagogische Befähigung besitzt, bat der Vorstand die Königliche Regierung, bezugnehmend auf ihr betreffendes Rescript, die Jnspection über die hiesige jüdische Elementarschule dem Rabbiner vr. Cohn zu übertragen. Die Kgl. Regierung wies jedoch dieses Gesuch zurück. Er wandte sich darauf an das Oberprästdium der Provinz, aber ebenfalls yhne Erfolg. Er brachte darauf die Sache vor da» Ministerium der geistlichen re. Angelegenheiten