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Der Israelit · 1866-10-31 · Heft 44 (31.10.1866) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 44 (31.10.1866)
Date
1866-10-31
Page
– (sequence 4)
Language
German
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720 schrecken zu sammeln, weckten; denn die Erscheinung dieser Heuschrecken ist destomehr gefürchtet, weil man glairbt, oieselben hätten noch eine epidemische Krankheit im Gefolge, deren schmerzliche Folgen man unlängst so bitter fühlen mußte. Hier zu Jaffa hatte ich oft die Absicht kundgegeben, entweder hier bei meinem sehr beklagten Freunde auszuharren oder meine Reise auf später zu verschieben und mit ihm nach Europa zurückzakehren; jedoch versicherten mich alle meine Freunde, daß es sehr unklug sein werde, zu dieser Zeit mck Herrn Hodgkm abzurersen und daß das beste und rathsamste Verfahren sei, ihn im Hause des Herrn Kyat, des britischen Consularagenten, zu belassen, woselbst ec die gütigste und aufmerksamste Pflege jenes Herrn und seiner Familie geniene, wie das schon seit unserer Ankunft zu Jaffa der Fall war. Einem so nachdrücklich empfohlenen Rathe konnte ich nur Folge leisten; in Folge dessen verließ ich sonntag den 25. März Jaffa, um nach Jerusalem zu wandern, nachdem ich zuvor meinem Freunde die ärztliche Hilfe des Herrn Or. Sozzi, des Arztes im Lazaretto, uns die meines eigenen englischen Dieners zur Verfügung gestellt hatte. Bei dem Abschiedsbesuche bei meinem Freunde war ich der Hoffnung, ihn bald bei mir zu sehen und ließ daher den Tachtärevan, den der Gouverneur Jerusalems zu meinem eigenen Gebrauche überschickt hatte, zurück, um meinem Freunoe die Reise nach Jerusalem zu erleichtern. Diese Hoffnung sollte jedoch nicht erfüllt werden. Unglücklicherweise war der Gesundheitszustand meines betrauerten Freundes schon vor unserer Abreise von England nicht so, wie es seine Freunde gewünscht hatten, und in der That verließ er die Heimath, um mich zu begleiten, in der Hoffnung, daß die Reise und die Veränderung des Klnna's ihm zuträglich sein würden. Ich finde jedoch noch vielen Trost darin, daß ich d:e Ueberzeugung habe, daß nichts versäumt wurde, sein kostbares Leben zu erhalten. Es hat dem Allmächtigen gefallen, ihn uns wegzunehmen, und daß er seine liebende Gattin und lieben Verwandten nicht Wiedersehen sollte; er hauchte seinen letzten Athemzug in einem Lande aus, das chm durch heilige Reminiscenzen theuer war. Einem Manne, so ehrlich, so fromm, soliebenswürdig im Verkehr mit Anderen, so geachtet in seiner öffentlichen Karriere, und so bestrebt mit ganzem Herzen, dem Wohle der Menschheit zu dienen, konnte der Tod nichts Schreckliches sein; seine Seele ist hiuaufgestiegen, um vor dem Throne der Göttlichen Majestät zu erscheinen und dort jene himmlische Belohnung zu empfangen, die.den Guten und Redlichen aller Nationen bestimmt ist. (Fortsetzung folgt.) Aas Seminar in Rheiniand-Westphalen. Zweiter Artikel. Wenn die von Herrn Löb vorgelegten und bereits' amtlich bestätigten Statuten eine seltene Ueberhebung und Abenteuerlichkeit des Verfassers an den Tag legen — das Alpha und Omega bildet darin stets der mit unumschränkter Machtvollkommenheit bekleidete Präsident des Curatoriums, der mit dem Sitze des Ritterguts Caldenhofen in männlicher und weiblicher (?) Linie deszsndirt, und worin der letzte Paragraph, wie bei den Carnevals-Programmen, alle vorhergehenden durch die Bemerkung, daß Herr Lob das ganze Statut wieder umändern kann, in Frage stellt, und überhaupt das seit 40 Jahren bestehende Provinzial-Institut zu einer Familienstiftung herabwürdiget — und die Kriegs- und Lärmtrommel im Lager der jüdischen Gemeinden ertönen lassen, so wüßten wir zuvörderst ein einfaches Mittel, um den gestörten Frieden wieder zu befestigen. Wie, wenn die Marks - Haindorf'sche Stiftung für Förderung von Handwerken und Künsten foctbestände und ihre 1000 Thlr. jährliche Zinsen diesem Zwecke allein widmete und es hingegen den Provinzen anheimstellte, das Seminar zu reocganisiren und wie den Phönix verjüngt aus seiner Asche emporsteigen lassen? Oder Herr Löb begnügte sich mit einem Ehrentitel, den man ihm gewiß — wie auch der Anstalt ihren neuen Namen in dankbarer Anerkennung ihrer munisizenlen Gründer Marks-Haindorf — zugestehen würde, und überließe die Neugestaltung des Seminars denen, welche seine Tragweite für die Zukunft in vollstem Maße zu würdigen verstehen? Einen anderen Ausweg kennen wir nicht. Sodann müßte Westphalen allerdings die Translocirung des Instituts nach Rheinland zugestehen, und anerkennungswerth ist der Passus in dem von der Münster'schen Gemeinde ausgegangenen Circular, welcher lautet: daß „wiewohl unsere Stadt sich in jeder Weise zum Sitz einer solchen Anstalt eignet, da die Lebensweise billig ist und die Zöglinge als Hospitanten an der Königlichen Akademie (?) und durch Benutzung der damit verbundenen öffentlichen Bibliothek (?) sich eine höhere Ausbildung verschaffen können, so liegt uns doch die Absicht fern, dieselbe hierzu im Voraus zu bestimmen; jedem andern, auf das Gesammtwohl gerichteten Vorschläge «erden wir bereitwilligst unsere Mitwirkung angedeihen lassen". Nun ist es aber gerade für Rheinland eine Prineipienfrage geworden, dem überall zu Tage tretende« Mangel an tüchtigen jüdischen Lehrern in seiner Provinz abzuhelfen, und zwar in einer Weise, wie eS das Gesammt-Jnteresse des Judenthums energisch fordert. Namentlich muß, ohne der achtungSwertheu Befähigung vieler aus dem Münster'schen Institut hervorgegange^

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