Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 43 (24.10.1866)
- Date
- 1866-10-24
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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71S Zeit und Umstände mir nicht erlaubten, meiner Pflicht nachzukommen. UebrigenS habe ich Ihnen von hier so manches Interessante aus der preußischen JnvasionSzeit mitzuthellen. Viele Herren Preußen warm hier sehr «ngenirt und thaten sich gütlich nach Herzenslust; besonders anmaßend waren Manche, wenn sie bei vermögenden jüdischen Familien einquartirt waren; da kannten ihre Anforderungen keine Gränzen; „für sie müsse das Unmögliche möglich gemacht werden!" war der beliebte Refrain dieser Herren. Dagegen gab es viele preußische Soldaten, die, bei armen Leuten einquartirt, denselben die Last der Verköstigung abnahmen und sich auf eigene Unkosten verpflegten, ja oft mit ihren Quartiergebern das Brod theitten. In communaler Beziehung ist hier keine bedeutende Veränderung vorgekommen. Um die Mittellosen hat sich der gegenwärtige CultuSvorstand viele Verdienste erworben; es ist dies in der Gegenwart um so rühmenSwerther, als die Noth durch die Kriegsdrangsale auf dem Lande allgemein ist und die Stadt von fremden Hilfsbedürftigen überschwemmt wird. — Die Neusynagoge, an welcher bisher der in weitern Kreisen bekannten vr. Hübsch als Prediger fungirte, hat zur Aufnahme einetüchtigen Predigers zu wenig Fond, und wird der Vorstand sich begnügen müssen, eine mittelmäßige Kraft zu engagiren. Herr vr. Hübsch soll, wie die Fama berichtet, eine bedeutende Wandlung gemacht haben. Derselbe ist von einer orthodoxen Gemeinde in New-Aork als Prediger ausgenommen worden und hat dort das Rabbinat angetreten, soll aber nach kurzer Zeit, wie die Nachrichten von dort lauten, zu einer Reformgemeinde übergegangen sein. Was in New-York eine Reformgemeinde heißt, werden Sie wohl besser wissen als ich. Man sagt, dieselbe habe die Sabbatfeier auf den Sonntag verlegt. Doch wird dieses Gerücht hier nicht allgemein geglaubt. Diese Woche ist hier einer der alten Heroen unserer talmudisch gebildeten Gelehrten zu Grabe getragen worden. Herr Simon Au sch, ein Mann von immensem talmudischen Scharssinn und Wissen, ausgezeichneter hebräischer Sprachkenner zugleich, ist im Alter von 71 Jahren verschieden. Da das Leichenbegänguiß am Rosch Chodesch stattfand, so hielt der verehrte Oberrabbiner, Herr Rapoport, eine nur kurze Leichenrede. Der Verschiedene war ein langjähriger Freund des Oberrabbiners, bei aller Gelehrsamkeit ein sehr bescheidener Mann, und vereinigte nebst dem Rabbinischm auch eine bedeutende Summe profanen Wissens in sich. Die jüngste Nummer der „Neuzeit" scheint es sich zur Aufgabe zu machen, die gute Meinung, die sonst auch in konservativen Kreisen über den verewigten Prediger Mannheimer herrschte, gründlich zu zerstören; ihrer Meinung nach habe Mannheimer schon vor 40 Jahren die Ungültigkeit der talmudifcherr Vorschriften und der Codices erklären wollen, und nur der zu jener Zeit amtirende Wiener CultuSvorstand habe dies damals noch nicht zeitgemäß gefunden. Da Mannheimer in seinen Predigte» recht konservativ erscheint, so müßte er »ach den Behauptungen der „Neuzeit" ein recht arger Heuchler gewesen sein, der nur, um dem Vorstand z» Wille» zu sein, hübsch konservativ sprechen mußte. Die „Neuzeit" dringt auf Reformen nach Berliner Art; sie setzt alle Hebel an, um interessant zu erscheinen; es scheint, daß die Abonnemmts - Gelder bei ihr schlecht eingehen und sie um jeden Preis Zugkraft haben möchte. UebrigenS ist die Einflußlofigkeit dieses Blattes in Wien notorisch bekannt; man abonnirt aus Rücksicht, aus Schwäche; von Interesse für das Blatt ist keine Rede. Pol». Die in dem höheren See-Ofsizier-CorpL stattgefundenen Veränderungen und Dienstbestimmungen berühren auch zwei unserer Glaubensgenossen. ES find dieses die Fregatten-Capitaine Markus Florio und Viktor Herzfeld, die dem Hafen-Admiralat zu Pola zugewiesen worden. F. G. Italien. Padua. Als der König Viktor Emanuel unlängst nach Padua kam, wohnte er fortwährend bei einem unserer Glaubensgenossen, dem Baron TreveS. Der König hat seinen Wirth zum Senator des Reiches gemacht. Ohnedies ist Baron TreveS in ganz Jtallen durch seine Beredtsamkeit, Gastfreundlichkeit und seinen Patriotismus bekannt. — Padua. Obschon wir schon einige Berichte über das tolerante Wesen des Königs von Italien ausgenommen haben, können wir dennoch nicht umhin, Folgendes dem „Educatore Jsraelita" zu entnehme». Man hat wahrgenommen, daß, als Viktor Emanuel unlängst Padua besuchte, er sein Quartier in dem Hause eines Juden, des Baron Treves, nahm, während Prinz Amadeus indem Hauses eines andern Glaubensgenossen, des Signor Jakur, wohnte und das Hauptquartier seinen Sitz in der Wohnung eines dritte» Juden, in der Villa Medolfo, aufgeschlagen hatte. Der Monarch, der eine Deputation der Israeliten, Herr Rabbinen Oscimo an der Spitze, sehr freundlich emfing, äußerte bei dieser Gelegenheit: „Sie sehen, meine Herren, daß ich ein großer Freund der Jude» bin — ich lebe ja unter ihnen". Holland. Aus dem Haag. Herrn M. de Graaf, im Verein mit dem Vorstands für Armenverpflegnng und demjenigen des Bikkur-CholimvereinS ist es gelungen, für