Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 43 (24.10.1866)
- Date
- 1866-10-24
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2447245-2447281--04591-2460054- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Mohel 1× ep/1006163
OCR text
VH. Jahrgang. Beilage zu Nr. Leitender Artikel. Lar Geschichte -er isr. Gemeinde in Hamburg. (Fortsetzung.) Außerdem gibt es in Hamburg noch mehr als 100 Legate; sämmtliche Privat - Stiftungen in der isr. Gemeinde daselbst repräsentiren ein Capital von circa 1^2 Millionen Mark Banko. An diese Anstalten und Stiftungen reiht sich eine namhafte Zahl von Vereinen und Genossenschaften, die wir nach ihrem entweder religiösen oder mildthätigen oder gegenseitigen Unterstützungszweck ordnen, obgleich diese Classification nicht ausreicht, da die meisten derselben ihre Wirksamkeit in mehreren dieser Richtungen zugleich entwickeln. Von den religiösen Vereinen sind Tempel, Clausen und Beerdigungs-Brüderschaften bereits erwähnt. Es folgen nun: Der Mohelim-Verein. Er wurde 1836 unter den Auspicien des geistlichen Beamten gestiftet, indem sämmtliche fungirende Beschneider dieser Gemeinde sich vereinigten und mehrere Regeln für die Ausübung ihrer Kunst, so wie für die Aufnahme neuer Mohelim festsetzten. Der Verein ist inzwischen, wenn nicht als aufgelöst, doch (1847) als der Auflösung nahe zu betrachten, da die wichtigsten Statuten, z. B. die Vorschrift, daß bei jeder Beschneidung ei» zweiter Mohel mit anwesend sein muß, wenig mehr beobachtet werden. Ohnehin machen die meisten hiesigen Mohelim aus ihren früherhin gratis geleisteten Diensten ein zu honorirendes Gewerbe. Der Verein zum Trost der Trauernden (Menachem Abelim). Er besteht über ein Jahrhundert und läßt nach dem Todesfall eines seiner Mitglieder die üblichen Gebete und Psalmen lesen und in den ersten sieben Trauertagen das allgemeine Gebet durch zehn Mitglieder in dem Sterbehause verrichten. Auch erhalten die Mitglieder in der Trauerwoche drei Mark an Geldunterstützung. Die Verwaltung besteht aus drei Vorstehern und zwei Deputieren. Der Gevatter-Verein besteht seit 1820 zu dem Zweck, armen Familienvätern die Kosten der Befchneidungsfeier zu bestreiten, indem er er ihnen, sie mögen Mitglieder des Vereins sein oder nicht, einen Beschneider, und einen Gevatter verschafft und sie auch mit einer kleinen Geldsumme unterstützt. 43 des Israelit. Verwaltung: Drei Vorsteher, welche einander alle sechs Monate ablösen. Schaß-chebra (Gesellschaft zum Studium des Talmud). Dieselbe besteht seit undenklicher Zeit, ist aber bis auf wenige Mitglieder ausgestorben. Die Versammlungen waren ursprünglich allabendlich. Der Verein Talmud-Thora und Gemiluth Chassadim (Thora-Studium und Wohlthätigkeit), auch Talmud-Thora-Lernverein von 1707 genannt, hat einen hübschen Betsaal, in dem alltäglich Gottesdienst gehalten wird. Auch hält er einen Rabbi, der täglich eine Stunde die Bibel erklärt, bei Trauerfällen die Gebete anordnet u. s. w. Von den eigentlich wohlthätigen Vereinen sind die für dm Unterricht, die Schüler-Bekleidung u. s. w. an ihrem Orte schon erwähnt. Es find hier nun die folgenden zu nmnm: Gesellschaft zur Vertheilung von Feuerung an die Israelitischen Armen. Dieselbe ist gestiftet 1788 und besitzt nicht unbeträchtliche Capitalien, da er nicht leicht in einem liberalen Testamente übergangen wird. In seinem Titel ist sein Wirkungskreis ausgesprochen. Die Armen erhalten die Feuerung — Torf oder Steinkohlen — theils in wöchentlichen ins HauS geschickten Lieferungen, theils — bei verschämten Familien, — in größeren Quantitäten zu Wagen vor's Haus gebracht. Die Verwaltung besteht aus neun Personen. Der Schillings-Verein, gestiftet 1825 zum Zweck der Unterstützung bejahrter Wittwen und Jungfrauen, theils durch kleine lebenslängliche Pensionen, theils durch einmalige Gaben. Die Einnahmen bestehen außer den Gaben der Contribuenten in den Zinsen eines mäßigen Capitals. Die Verwaltung besteht aus sechs Damen und drei Herren.« Die Gesellschaft (Mischenet Sekenim) zur Unterstützung armer Greise, gestiftet 1796. Mit den Zinsen seines aus Legatm entstandenen Capitals, so wie mit den Beiträgen der Contribuenten versorgt der Verein einige rechtliche arme Greise auf Lebenszeit mit wöchentlichen Gaben. Die Verwaltung besteht aus drei Directoren und vier Oeputirten. Der Unterstützungs-Verein von 1629 vertheilt jährlich eine beträchtliche Anzahl von Winterröcken an arme jüdische Männer und Frauen, die von dm einzelnen Contribuenten dazu empfohlen werden. Die Verwaltung besteht aus drei Directoren,