Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 43 (24.10.1866)
- Date
- 1866-10-24
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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707 der Uebel. Aber zu jedem Geschäft, das die Juden ausüben wollen, müssen sie ein besonderes Privilegium, für schweres Geld natürlich, erst haben, in Rostow und Wismar dürfen sie gar nicht wohnen, mit einem Worte, der gelbe Lappen des Mittelalters fehlt dem Mecklenburger Juden auch heute noch nicht, wenn er auch gerade nicht aus dem regierungsmäßig vorgeschriebenen Stück Zeug besteht. Hier wird der Leib des Juden noch verzollt, wenn dies auch nicht wie ehedem am Stadtthore geschieht. Dem Landes-Rabbiner, der die Weihepredigt hielt, war die Gelegenheit gegeben, den hohen Herrschaften das Israel in seiner Knechtesgestalt vor die Augen zu bringen, und wahrlich, er hat die Gelegenheit nicht unbenutzt vorübergehen lassen. Allerdings mußte die Vergangenheit den Spiegel dazu hergeben; aber es gehörte eben kein allzuscharfes Auge dazu, um in diesem Spiegel die Gegenwart zu erkennen, ich meine natürlich die mecklenburgische Gegenwart. Und doch soll sich diese Predigt des Beifalls auch der hohen Herrschaften, wie ich höre, zu erfreuen gehabt haben. Wenigstens sind die Aeußemngen, die von dieser Seite über die Predigt gefallen, für den Redner sehr schmeichelhaft gewesen. Ich glaube indeß nicht, daß dadurch eine Verbesserung der Zustände erzielt werden wird. Dieselben gehören zu den Ggenthümlichkeiten Mecklenburgs, und diese wollen ja die Gesetzgeber unseres Landes, die feudalen Gutsbesitzer und zunftgetreuen Bürgermeister für immer mumiisiren. Zum Schlüsse lassen Sie mich noch den Besuch des Gotteshauses von Seiten des Großherzogs Ihnen melden, wie ihn die hiesige Zeitung mittheilt: „Schwerin, den 4. October. Gestern geruhten Seine Königl. Hoheit der Großherzog in Begleitung des Erbgroßherzogs K. H. die hiesige restaurirte Synagoge zu besuchen. Vom Vorstande am Eingänge empfangen und feierlichst begrüßt, wurden Allerhöchstdieselben in der Synagoge selbst von dem Landes- Rabbiner angeredet, dem es huldreichst gestattet war, die beim Anblick des Landesherrn angeordnete Eulogie in hebräischer und deutscher Sprache vorzutragen. S. K. Hder Großherzog nahm mit sichtbarem Interesse die Synagoge in ihren einzelnsten Theilen in Augenschein, erkundigten sich nach dem Werth und der Bedeutung z. B. der ewigen Lampe, des heil. Tisches u. s. w. und verließen das Haus nicht, ohne Allerhöchstihren Beifall den Künstlern gezollt zu haben, die ein schönes Denkmal synagogaler Architektur aufgeführt haben." Oesterreichischer Kaiserftrmt. Wie«. Herr Oberkantor Sulz er wurde die Auszeichnung zu Theil, von Sette der großen JSraelitengemeinde in Philadelphia nachträglich zu seiner Jubiläumsfeier eine auf Seide gedruckte AnerkennungSadreffe in kostbaren Rahmen zu erhalten, welche ihm von einer direkt abgeordneten Deputation aus Philadelphia übergeben wurde, und von den Gemeinden in New-Aork und deren Vertreter, Prediger und Kantoren, ebenfalls eine derartige Adresse in Begleitung einer kunstvoll verfertigten großen goldenen Medaille, ans der Vorderseite eu rslisk ein Bibelspruch in hebräischer Sprache, Lyra und Lorbeerkranz, auf der Rückseite das amerikanische Wappen «u rslisk und Dedikation, am rothen Bande mit goldener Schleife zu trage«. Italien.- Padua. Der König Victor Emanuel wohnte während seiner Anwesenheit in unserer Stadt sammt seinem Sohne bei Herrn Baron Treves, einem Israeliten. (Siehe die Beilage.) In einer Audienz, welche er unserem Rabbinen, HerrnO si mo, ertheilte, versicherte der König buldvollst, daß er keinen Unterschied der Religionen kenne, wenn es sich um das Wohl seiner Unterthanen handle. Im Laufe des Gesprächs fragte der König den Rabbinen nach der Bedeutung der „Kapseln," die er an den Thüren bemerkt habe. Als nun der Rabbiner das Wesen und den Begriff der Mesusah erklärt hatte, sagte der König: „Ah, da bin ich froh, daß ich so wohl beschützt bin."— Feuilleton. Haphtara Jomch. Morgen ist Jom Kippur. Keuchend zieht ein Mann von etwa dreißig Jahren die Landstraße daher; es ist trotz Ende September noch sehr warm, und der Wanderer muß seinen Schritt beeilen, denn es ist Erew Jom Kippur. Plötzlich bleibt er stehen; sein Weg führt ihn an einem Friedhof, an einem jüdischen Friedhof vorüber. Er bleibt stehen und seufzt, so recht aus tiefster Brust. „O, wer da bei euch läge, die ihr in Friede» ruhet! Wer wie ihr enthoben wäre der Erda Mühe, Last und Kummer!" So spricht er klagend. Drückt dich so schwer das Leben, du armer Wanderer, daß du dir den Tod herbeiwünschest? Betrachten wir den Unglücklichen genauer. Seine Kleidung ist ärmlich, sem Gang gebückt, ein zerrissener Tornister beschwert seinen Rücken; man könnte ihn für einen wandernden Handwerksburschen halten — und in der That, diese Meinung würde die Wahrheit ziemlich genau treffen. Raphael, fo Heißt ker Wanderer, hat noch wenig Freude und Glück genössen im Leben.