Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 42 (17.10.1866)
- Date
- 1866-10-17
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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695 Gathvar (Ungarn), Ende September. Zu meinem Leidwesen habe ich Ihnen heute von einem gegen die Juden gerichteteten Exceß zu erzählen» welcher in Ungarn der erste, hoffentlich auch der letzte sein wird. In dem Orte Stani slo kamen zwei beurlaubte Soldaten in das Wirthshaus des Israeliten K., ließen sich zu essen und zu trinken geben und verweigerten die Bezahlung. Der Wirth drang auch nicht auf diese, sagte ihnen aber, als sie noch mehr zu trinken verlangten, daß sie sich mit den ohnehin schon reichlich genossenen Getränken begnügen möchten. Die Soldaten geriethen in Folge dieser Weigerung in die größte Wuth und bedrohten den Wirth mit ihren Bajonetten. Jammernd eilten Frau und Kinder auf die Gaffe und riefen um Hilfe; alsbald sammelte sich eine große Menschenmenge, jedoch nicht, um dem Bedrängten zu helfen, sondern um mit den betrunkenen Soldaten gemeinsame Sache zu machen. «Nieder mit den Juden!" „Tödtet die Juden!" „Vertreibt sie!" „Erschießt sie!" tönte es von allen Seiten. Als man jedoch schießen wollte, fehlte es an Kapseln; man schickte ein Mädchen fort, um diese einzukaufen. Durch eine sichtbarlich göttliche Fügung gerieth das Mädchen in den Laden des vom Schauplatz des Krawalls ziemlich entfernt wohnenden isr. Kaufmanns V. „Wozu brauchst du Kapseln?" fragte dieser das Mädchen. Ganz naiv antwortete dasselbe: „Wir wollen die Juden todtschießen, und da fehlt es uns an Kapseln". — Man kann sich leicht vorstellen, mit welchen Gefühlen Herr P. dieses naive Bekenntniß anhörte; er eilte sofort zum Ortsrichter, dem es dann auch alsbald gelang, den Pöbel einzuschüchtern und die Ruhe wieder herzustellen. A. S. Holland. Amsterdam. S. M. Der König der Niederlande hat unserem Glaubensgenossen Herr I. I. Lion aus Haag das Annehmen und Tragen des Stanislausordens, der demselben vom Kaiser von Rußland verliehen wurde, erlaubt. (N. I. W.) Frankreich. Paris. Unser Glaubensgenosse, Herr Dubaurier, Professor der armenischen Sprache und Mitglied d?s Instituts, wurde von der Regierung nach Armenien geschickt, um daselbst linguistische und historische Studien über das Land und feine Bewohner zu machen. (Abendland) Paris. Die Direktion der kaiserlichen Bibliothek hat unlängst dm Eatolog dieser Bibliothek veröffentlicht Aus demselben erfährt man erst recht, wie reichhaltig diese ungeheure Büchersammlung ist. Unter vielen anderen enthält dieselbe eine Bibel, die aus zwei Bände» besteht. Diese Bände find in Quart ans Velin geschrieben und ein wahres Meisterstück der Kalligraphie und Verzierungskunst. Dieses Manuscript stammt aus dem dritten Jahrhundert, ist in Europa geschrieben, später nach Arabien gebracht und erst neuerdings von dort aus der kaiserlichen Bibliothek einverleidt worden. *) Der Text, der in zwei Colonnen neben einander geschrieben ist, ist von Randglossen umgeben, welche die kleine und große Mafforah enthalten Es sind diese Noten von großer Bedeutung für die Correctheit der '122. Was aber diese interessante Reliquie noch mehr auszeichnet, ist, daß nach den zwei ersten Titelblättern, die auf Purpur geschrieen sind und die Hauptgegenstände des äußeren Cultus bei den Israeliten enthalten, noch zwölf Blätter vorhanden sind, die mit Arabesken und sonstigen Verzierungen, mit der größten Eleganz ausgeführt, bedeckt sind. Beim ersten Anblick hält man dieses für eine Zeichnung, betrachtet man dieselbe jedoch etwas genauer, so wird man inne, daß dieses eine mikroskopische Schrift ist, welche den Capricen der Zeichnung folgt und die 150 Psalmen Davids enthält. Avignon. Herr Amädee Valabregue, Sohn des Präsidenten des Consistoriums zu Marseille, Mitglied des Comitss der Wohlthätigkeitsanstalt der Stadt und der Gefängniß-Commission, ist einstimmig zum ersten Richter am Handelstribunal zu Avignon erwählt worden. (Familie de Jacob). England. London. Alderman Gabriel wurde am Samstag zum Nachfolger des Lord Major Phillips erwählt. Herr Charles Reed, wortführendes Mitglied imOourl ok OommoQ Oouueit, hielt der Versammlung eine Ansprache. Er sagte, die Bürger Londons seien generös in ihrem Zutrauen und gerecht in ihren Belohnungen. Wenn sie einen Mann aus ihrer Mitte zur ersten Magistratsperson der Stadt London erwählen, so betrachten sie dieses als keine unwichtige Sache. Sie bewachten seine Cariere und wählten als Resultat dieser Beobachtung den Mann, um ihre Anerkennung zu bezeugen, wenn sie ihn dieses Zutrauens würdig gehalten. In alten Zeiten war es die Sitte der Egypter, wenn ein öffentlicher Beamte seinen Dienst niederlegte, daß man zwei Redner aufstellte, von denen der eine die Verdienste des scheidenden Beamten hervorzuheben hatte, während dem anderen die Aufgabe gestellt war, die Schattenseiten seines Charakters bloszustellen. Herr Reed sagte, er sei bereit, wenn diese Sitte auch in London herrsche, alle Behauptungen des Anklägers zu *) Wenn wir nicht irren, ist dasselbe von dem berühmten Rabbi Jakob Saphir aus Arabien gebracht worden. Red. d. Isr.