Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 42 (17.10.1866)
- Date
- 1866-10-17
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2447245-2447280--04575-2460037- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
694 ihr wenig ruhmvolles Handwerk gelegt würde. Oesterreich braucht jetzt mehr als je die opferfreudige Hingebung aller seiner Bürger; Einigkeit, Friede und Freundschaft der Confessionen und Nationalitäten würden das gemeinsame Vaterland wieder emporheben.Möchte doch unsere Regierung endlich erkennen, daß Diejenigen, welche diesen Frieden zu stören beabsichtigen, die schlimmsten Feinde des Vaterlandes sind und mehr an dessen Verfall Schuld tragen als die preußischen Zündnadelgewehre. — Wie« Die „Presse" erzählt von einem sonderbaren Vorfall, der sich dieser Tage am Währinger israelitischen Friedhof ereignete. Zwei gleiche, nach jüdischem Brauche aus einfachen unpolirten Brettern verfertigte Särge standen neben einander in der Leichenkammer um in die für sie bestimmten Gräber gesenkt zu werden. Der eine barg die irdischen Ueberreste einer reichen Dame, der andere verschloß die körperliche Hülle eines armen Geschäftsagenten. „Im Tode sind wit alle gleich" ist schon längst nicht mehr wahr, selbst bei jüdischen Leichenbegängnissen, die in frühern 'Zeiten Prunk und Schaugepränge weniger kannten — so ist es auch nicht auffallend, daß für die Dame Chorgesang und Leichenrede vorbereitet wurde, dem arme Manne hingegen nichts von all dem bestimmt war. Das Begräbniß fand statt. Der Chor hatte bereits gesungen. Der Prediger wollte eben seine Trauerrede beginnen, da stürzt ein Mann athemlos herbei mit der Meldung, daß die Särge in der Leichenkammer verwechselt wurden. Man kann sich leicht die Verwirrung denken; was weiter geschah, darüber schweigt die Geschichte. Wie», den 10. Oktober, vr. London, gewesener Sekundärarzt im Rudolfs-Spitale, wurde zum Chefarzte des Rothschild'schen Spitals in Jerusalem ernannt. Eifeastsdt, 28. Tischri. Sie haben Sich die Aufgabe gestellt, die Interessen des orthodoxen Judenthumes zu vertreten, und haben auch diese Ihre Aufgabe stets treulicherfüllt. Da nun die Ritter der „Neuzeit" kein Mittel unversucht lassen, um unter den Vertretern des orthodoxen Judenthums Zwietracht zu stiften, so bitte ich Sie, geehrter Herr Redacteur. diesen Zeilen, welche das Treiben der „Neuzett" im wahren Lichte darstellen sollen, ein Plätzchen in der nächsten Nummer Ihres weitverbreiteten Blattes einzuräumen. Die „Neuzeit" hat einen ihrer Ableger auch hierher verpflanzt.. Von diesem erschien in Nr. 39 derselben ein Bericht, welcher sich scheinbar die Aufgabe stellt, Herrn vr. Israel Hildesheimer zu loben und dessen Kolnidre Derascha zu besprechen, in Wirklichkeit aber nur beabsichtigt, über die Orthodoxen der Preßburger Schule in gedeckter Stellung recht «eidlich zu schimpfen, und dadurch, daß er einen der Vertreter des orthodoxen Judenthums auf Kosten seiner Gesinnungsgenossen lobt, Zwietracht zu säen, was aus folgender wörtlich im Berichte vorkommender -teile klar ersichtlich ist. Nach vielen Lobeserhebungen auf Herrn vr. H. sagt der Berichterstatter Folgendes: „Herr vr. H. rst orthodox, orthodox in der edelsten Bedeutung des Wortes: denn dadurch unterscheidet sich Herr vr. H. auf's Vorteilhafteste von den Orthodoxen der Preßburger Schule, die es nur so lange sind und bleiben, so lange ihre Orthodoxie nicht mit ihrem lieben Ich in Konflikt geräth, die ängstlich, klug, fein diplomatisch jedes Wort, das sie sprechen, jede Handlung, die sie ausüben, auf die Wagschale legen, ob ihnen nicht daraus ein Nachtheil entstehen könnte; nicht so Herr vr. H. Er ist ein Mann der Wahrheit u. s. w." Wahrlich, nur charakterlose Menschen können glauben, daß ein Biedermann, wie Herr vr. H. es ist, in Erniedrigung seiner Glaubensgenossen seine eigene Größe sehen könnte! Welche Vermessenheit! eine Schule, aus welcher ein großer Theil der jetzt in Ungarn lebenden Rabbinen, aus welcher Größen, wie oer Kobersdorfer Rabbiner und viele andere, hervorgingen, als Egoisten, Frömmler und Heuchler darstellen zu wollen. Wer das Glück hat, Herrn vr. H. genauer zu kennen, weiß auch, welch edlen biederen Charakter, welche Menschenfreundlichkeit und wahre Frömmigkeit, welche Bescheidenheit derselbe besitzt, der weiß aber auch, daß Herr vr. H. seine besten und treuesten Freunde, seine wackersten Gesinnungsgenossen unter den Orthodoxen dieser so sehr geschmähten Preßburger Schule besitzt, und daß er jede seinen Freunden zugefügte Beleidigung als sich selbst zugefügt betrachtet und mit Verachtung zurückweist. Würde Herr vr. H. Kenntniß von diesem oben angeführten Berichte haben, er hätte längst ein solches Lob mit Verachtung von sich gewiesen. Nur die Besorgniß, daß Einer oder der Andere von den Orthodoxen der Preßburger Schule durch Zufall diese Rr. 39 der „Neuzeit" in die Hand bekommen und falsch beurtheilen könnte, veranlaßte mich, diese Lobeserhebungen als das darzustellen, was sie wirklich sind. Und so hoffe ich, daß es den Rittern der „Neuzeit", trotzdem sie mit den Beschlüssen des Mihaloyer Rabbinerkonzil's zu coquettiren scheinen und gleichzeitig in den Reihen der wahren Orthodoxen dadurch Bresche legen wollen, daß sie einen der Führer derselben auf Kosten feiner Gesinnungsgenossen loben, dennoch Nicht gelingen wird, ihre verwerflichen Ziele zu erreichen; denn jeder Redlichdenkende wird diese Lobhudeleien als das betrachten, was sie wirkich sind: NIP'L^ NNNP2.