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Der Israelit · 1866-10-17 · Heft 42 (17.10.1866) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 42 (17.10.1866)
Date
1866-10-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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68S legt, der durch sein großes Vorbild, durch sein ernster Streben dem Judenthume in Frankreich bessere Lehrer zuführen wird, als es jetzt eine Prüfungscommission ermöglichen kann, deren Mitglieder kaum im Stande find, ein Stückchen Gemara gut zu „leinen". Wir können in Deutschland bei der Wahl eines Rabbiners Fehler machen, doch wirtragen damit noch nicht das Judenthum zu Grabe. Doch wehe Frankreich, wenn es in diesem Augenblicke unglücklich mahlt; es setzt seine Existenz auf's Spiel. Heil ihm, wenn die Fügung des Allgütigen den Manu an seine Spitze stellt, der unter göttlichem Beistände allein im Stande ist, es zu retten. Holland. Rotterdam. Die neue Synagoge ist in den ersten Tagen des Monats September durch unseren ehrwürdigen Oberrabbinen, Herrn vr. Jsaacsohn, eingeweiht worden. Nach der sehr gelungenen Einweihungsrede und dem mit dieser Feier im Verbindung stehenden Ceremoniel wurde das Abendgebet verrichtet. Zum Bau dieser Synagoge, sowie zur Unterhaltung derselben wurden von hiesigen Gemeindemilgliedern große Geschenk verwilligt. (N. I. W) Feuilleton Die Versuchung. (Schluß.) Kaum war ich wieder frei, so eilte ich zum Gouverneur und bat ihn um die Erlaubnis, den Gefangenen besuchen zu dürfen. Nachdem ich dem Gouverneur meine Beobachtungen mitgetheilt hatte, gewährte er sofort die Bitte. Ich trat in die düstere Zelle , die schweren Ketten des Gefangenen klirrten. „Ihr seid ein Hebräer, Kurscennik?" redete ich ihn an. „„Wohl, gnädiger Herr,"" jammerte der Mann, „ „wohl bin ich ei» Hebräer, aber ich heiße nicht Kurscennik, ich bin kern Räuber, sondern ein friedlicher Kaufmann aus."" er nannte meine Vaterstadt. Ich fing an zu zittern. „Und wie ist Euer Name?" fragte ich, meine Bewegung mühsam zurückhaltend. Er nannte Len Namen meines Vaters. Ja, es war mein Vater, es war sein sanftes Auge, das so oft liebevoll auf «Lr geruht hatte, es war feine volltönende, männliche Stimme, die so oft herzinniglich zu mir gesprochen hatte. Ich konnte vor innerer Bewegung kaum sprechen. Gewaltsam drängte ich die Thränen zurück und fragte scheinbar ruhig «ach dem Zusammenhänge. Da Hörle ich denn eine höchst sonderbare Geschichte: Mein Vater hatte eine Geschäftsreise nach Moskau unternommen; auf der Rückreise wurde sein Wagen von Gensdarmen ungehalten; er wurde aus demselben herausgerissen, wurde gezwungen, mit einem wildaussehenden Manne die Kleider zu tauschen, nachdem man ihm die Seitenlocken abgeschnitten und den Bart gestutzt hatte; dann wurde er in Ketten gelegt und nach Moskau zurückgebracht. Hier erst erfuhr er, daß er ein Räuberhauptmann sein und Kurscennik heißen sollte. Ein SLeinwurf hatte ihm den Schmerzensschrei entlockt, der mich auf ihn aufmerksam machte. Der Zusammenhang war leicht erklärlich; Kurscennrk war wirklich eingesangen und von Gensdarmen escortirt worden; diese aber waren von reichen Freunden und Geschäftsgenoffen des Räuberhauptmanns bestochen, ihn freizulassen; um Zeit für ihn zu gewinnen, hatte man sich eines Unschuldigen bemächtigt und ihn als Kurscennik eingeliefert, während der wirkliche Räuber in der Tracht eines polnischen Juden seine Bande wieder aussuchte. — Ich begab mich sofort znm Gouverneur, erzählte ihm Alles und verschwieg ihm nur mein Verhältniß zu dem Gefangenen. Der Gouverneur gab augenblicklich Befehl zur Verhaftung der Gensdarmen. Diese hatten aber schon das Weite gesucht und sich wahrscheinlich zur Bande Kurscenniks begeben. Meinem Vater wurden nun die Fesseln abgenvmmen; auch wurde ihm ein anständiges Zimmer angewiesen; seine Freilassung jedoch konnte erst verfügt werden, nachdem durch aus seinem Wohnorte herbeigerufene Zeugen die Identität seiner Person constatirt worden war. In dieser Zeit besuchte ich ihn täglich; ich erzählte ihm, sein Sohn sei mein Freund; er diene als Hauptmann unter mir und weile noch am Kaukasus. Er sprach mit der größten Liebe von seinem verlorenen Kinde. „Aber," sagte ich, „wissen Sie nicht, oaß man ihn getauft hat, daß er als Christ lebt?" „„Ach,"" entgegnete er, „„mein Sohn ist unfchuldia, er ist ein s'2 .-722^ pU'ri, er ist mir als kleines Kind geraubt worden — aber ich habe die feste Hoffnung, er wird zu mir, er wird zum Glauben seiner Väter zurückkehren."" In» nächsten Augenblicke lag ich in den Armen meines Vaters, dessen Entzücken grenzenlos war. Da ich mir Urlaub erwirkt hatte, konnte ich meinen Vater nach dessen Freilassung in die Heimath begleiten; ich sah meine Mutter, meine Geschwister wieder; es gewährte mir unendliches Vergnügen, den gesunken« Wohlstand meiner Eltern durch meine Ersparnisse wieder zu heben. Es waren glückliche Tage,

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