Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 42 (17.10.1866)
- Date
- 1866-10-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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688 orvrn v'Nvv Welchenur als Zeichen des Ausganges der Wöchnerin diente, wird jetzt der deutsche Segensspruch abgchatten. Daß hier glänzende, polirte, ßerubeschlagene Särge in usn seien, ist erdichtet. Es ist zwar einigemale vorgetommen, daß Gräber mit Kränzen nnd Blumen geschmückt wurden; ich erinnere mich jedoch, daß vor einiger Zeit bei einem solchen Falle die Blumen rc. in Folge einer sehr mißbilligenden Aeußerung des Rabbiners entfernt wurden, was einen nicht geringen Sturm von gewisser Seite hervorrief. Mau drohte dem Rabbiner mit Klagestellung wegen „Gräberschändung". Die Gemeindeverwaltung holte sich sogar Gutachten in dieser Angelegenheit von mehreren bayrischen Rabbinen ein, von denen die der Rabbinen Aub zu München und Loewi zu Fürth sich, soviel mir bekannt wurde, sehr lobend über diese schöne Sitte ausspcachen; nur Herr Rabbiner Kohn in Baiersdorf sprach seine Mißbilligung gegen diesen unjüdische» Brauch aus. Eine Singleiche ist in Bamberg noch nie vorgekommen; die treffende Mittheilung ist fingirt. Was nun endlich die Ermahnung an die Frommen anlangt, so werden Ihre Leser schon aus den hier angeführten Fragmenten ersehen haben, daß es bei Neuerungsversuchen sowrhl von Seiten des Rabbiners als der frommen Gemeindemitglieder an Opposition nicht fehlt. Eine eorrtrallietio in sä^eoto scheint mir aber vorzuliegen, wenn Ihr Korrespondent die hiesigen Frommen, die er selbst nur auf 7 — 8 veranschlagt, auffordert, nach dem Beispiel von Frankfurt, Mainz rc. sich gesondert zu constituiren, wozu ja mindestens 40 erforderlich wären (pin.wo)? -t'NL' ,-iipd p'^O*) Man erkennt sofort, daß der mehrerwähnte Korrespondent kein Pädagog ist, sonst könnte er von einem Rabbiner, der kaum 3 Jahre hier wirkt, nicht verlangen, daß der ganze Unterricht, der allerdings sehr im Argen lag und theilweise noch liegt, nach Wunsch regenerirt wäre. Um mit Tröstlichem zu schließen, will ich in aller Kürze noch erwähnen, was für lobenswerthe Einrichtungen und Verbesserungen der Rabbiner hier getroffen. Außer dem oben erwähnten iipw hat sich derselbe ein außerordentliches Verdienst durch Herstellung einer .-ivipv .-ill'rin erworben, was ihn nicht leichten Kampf kostet. Während in vielen Jahren an ->OL hier nicht drm vorgetragen wurde, fastet jetzt mehr als Die Predigten des Herrn Rabbiners tragen alle *) Anm. der Red.: Der Herr Corresp. meinte wahrscheinlich 7— 6 Familienhüupter; in diesem Falle würde es wahrscheinlich cm «jcht fehlen. das Gepräge echt jüdischer Denk- und Anschauungsweise, er läßt die Cermonialgefstze ms unerwähnt, um sich in bloßen Phrasen zn ergehen, spricht auch nicht von einer mesfianischen Zeit, wie eK unsre Reformer lieben, sondern facht die Hoffnung auf einen persönlichen Messias stets aufs Wärmste an. p'L- «21 svtt pLi pi. 'ri'vrr Aus Nkorddeirttzchlarrd. In Berlin kann jetzt die Reformpartei ähnlich jenem Eroberer ausrufen: noch ein solcher Sieg, und wir sind verloren. Es ist in Wahrheit bei der Anstellung einer so mittelmäßigen Kraft selbst bei ihrer destrnctiven Richtung dem Judenthume nicht so viel geschadet, zumal bei der Lage unserer Gemeindeverhältniffe in Preußen, wo doch jede einzelne Gemeinde ihre Autonomie hat und die Provinzialstädte in dieser Beziehung jetzt leicht die Residenzgemeinde beschämen können. Ernster liegt die Sache in einem Staate wie Frankreich, dessen Cultusverhältniffe wir von unseren Reifen her sehr genau kennen. In Frankreich wäre die Wahl eines destruktiven Großrabbinen vielleicht von der allergrößten Gefahr für die Interessen unserer Herligen Religion, denn bei der Centralisation, in der die Gemeinden Frankreichs zu einem Ganzen organisirt sind, würde der Fehler, der bei der Besetzung des Großrabbinats gemacht würde, auf alle Provinzen den nachtheiligsten Einfluß üben. Wie das Verhältniß der Candidaten für die Stelle des Großrobbrnates sich jetzt herausstellt, so würde in dem Falle, daß die Wahl auf jenen Mann fiele, dem seiner Kenntniß ebenso wie seinem edlen, gewissenhaften Charakter zu Liebe diese Stelle von der ganzen Welt gegönnt wird, das Judenthum in Frankreich einen Vertreter erhalten, der es nach Innen und nach Außen zu dem Ansehen zu bringen vermöchte, das unsere Glaubensgenossen dort von den Zeiten der 'vüii her bis auf die Gegenwart zu erhalten stets bemüht waren. Würde dieser Mann bei der Wahl übergangen, so würde nicht nur das heilige Princip verletzt, dessen entschiedener Vertreter er ist, nach dem unsere Religion nur in der unveränderlichen Erhaltung ihrer heiligen Institutionen in jugendlicher Frische bis in Ewigkeit blühen wird, sondern es wären auch künftighin die Rabbinen Frankreichs durch so ungenügende Kräfte vertreten, daß sie aufhören würden, in der Gegenwart und in der Zukunst in dem jüdischen Culturleben irgend welcher Beachtung gewürdigt zu werden. Scheu wir nur, in wie ungenügender Weise die junge» Rabbinen Frankreichs für ihren Beruf in der jüngsten Zeit vorbereitet wurden, wie sie das Zeugniß ihrer rabbimschen Reife erhielten, wenn sie kaum ein Stückchen Gemara übersetzen konnten, so werden wir erkennen, wie die Zukunft des Rabbiuismus in Frankreich aussehe» wird, wenn nicht die Vorsehung die Leitung dieser wichtigen Angelegenheit Ln die Hand eines Mannes