Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1866-10-17 · Heft 42 (17.10.1866) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 42 (17.10.1866)
Date
1866-10-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2447245-2447280--04567-2460029
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

686 aller gesellschaftlichen Tugenden, Bescheidenheit schmückte — denn bescheidener, als dieser Mann gab es schwerlich einen auf Erden, — der Krersrabbiner Salomon ben Jochanan Reinbach. Er starb 1619, nachdem er fast 30 Jahre segensreich gewirkt hatte*. Daß R. Salomo» Reinbach sehr bescheiden und friedliebend war, geht auch daraus hervor, daß bei einem während seiner Rabbinatsverwaltung 1686 entstandenen Konflict unter den Trauernden wegen des Rechtes Laäisek zu beten, er seine Stimme suspendirte und dm Rabbiner zu Hildesheim als Schiedsrichter vorschlug. Ihm ging in die Ewigkeit voran ein jüngerer Bruder, „der sehr scharfsinnige Denker und mit dem ganzen talmudischen Gebiete vertraute Gelehrte Josef, Sohn des Jochanan Reinbach, er hat die Thora in Israel verbreitet und unterrichtete viele Talmudbeflissene hier in Halberstadt." Gleichzeitig und beziehungsweise nach diesen wirkten in demselben Geiste R. David von der Familie Ginsmann oder Gansmann, bezeichnet als berühmter „Charis und Baki," später zum Rabbiner für Schlesien berufen (starb 1694), er war der Sohn des hiesigen ersten Vorstehers und Schtadlan Maier Ginsmann, ferner der Parnaß Juda Löb Marburg (starb 1682). Ferner der Rabbinatsverwalter und vielseitig Gelehrte Benedict ben Maier, starb 1700, und dessen Sohn R. Samuel, später Rabbiner zu Strelitz und Mitglied des jüdischen Gerichts zu Berlin, College des Verfassers von kan« ^stloscLua; ferner Rabbi Abraham ben Juda Berlin, fungirte hier als erster Rabbiner von 1692 bis 1715, da er einem Ruf als Rabbiner der deutsch - israelitischen Gemeinde zu Amsterdam folgte; der große Gelehrte, genannt „der Heilige," R. Abraham Akiba Levi, starb 1699; R. Simon WolfWilner,Schwiegervater des Verfassers vom Likss Oodev, st. 1683; R. Hirsch, Sohn des obenerwähnten R. Jeremia, starb 1713, und der Rabbinatsverweser R. Samuel, starb 1707. Sehr segensreich im politischen Interesse der Gemeinde wirkte „der berühmte, kluge, kenntnisreiche und beredte Landschtadlan Maier GinSmann, der, so oft die Gemeinde in Noth und Bedrängniß sich befand, sein Herz vor Fürsten und Königen ausschüttete, nicht ruhte, nicht rastete, bis er die Trauer der Gemeinde in Freude verwandelt hatte; sein Haus war geöffnet allen Hungrigen" u. s. w., starb 1674. Ebenso thätig für Gemeindewohl und als Mäcen der jüdischen Gelehrten und Literatur wird gerühmt der gelehrte Parneß R. Joel benJehuda, starbin Halle 1673 und ist hier begraben. Als Schtadlanim und großartig in ihrer Munificenz an jüdische Gelehrte und als Gründer verschiedener Vereine für Ausstattung armer Bräute und ähnliche wohlthätige Zwecke werden in dem Memorialbuche genannt R. Eliesar ben Josef Halevi von den Exulanten HammelburgS, R. M eie r, Sohn des gelehrten Samuel Bonveter; die Parnassim R.Naftali Herz, starb 1702; Jose le Frank starb 1703; der große Landschtadlan R. Elijah Eger, starb 1705; R. Jsaac, Sohn des früher erwähnten N. Joel, starb 1707;Parneß Benjamin ben David; der gelehrte Elieser Liebermann; der gelehrte Gemeindebeglaubigte R. Jsaac ben R. Dan Abraham, der sich ununterbrochen mit der Thora und mit Unterrichten beschäftigte. Wir haben hier noch eines Mannes zu gedenken der nicht nur durch seine Persönlichkeit, sondern weit mehr durch seine Descendenz (er ist der Vater des weiter erwähnten Ber mann), für unsere Geschichte von großer Wichtigkeit erscheint. Es ist Juda Lehmann Halevy, Sohn des vornehmen Elija von Essen. Das Memorialbuch sagt von ihm: „Dieser überaus fromme und demüthige Mann beschäftigte sich hier stets mit Thorastudium und Wohlthätigkeit; er war zu bescheiden, den ihm angebotenen Titel eines Chaber (Gelehrten) anzur.ehmm. Vor seinem Tode ging ein brennendes Licht vor ihm her von Gottes- Hause nach seinem .Hause, (was das sagen will, ist mir nicht bekannt). Beim Eintritt des Sabbat war er vollständig gesund, er machte Kiddusch über Wein; beim Ausgang des Sabbat ging auch seine Seele rein in die Ewigkeit, nachdem er das übliche Sündenbekenntniß gesprochen. Er starb wirklich den Tod des göttlichen Kusses (Bild des sanftesten Todes). (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Gorrefpondenze«. Deutschland. Mainz, den 10. Oct. Wir haben in voriger Nummer aus dem Wiener „Fremdenblatt" über die Taufe eines jüdischen, in der Schlacht bei Königgrätz verwundeten Feldwebels berichtet. Herr Rabbiner Ehrentheil in Horcic erzählt nun einem andern Wiener Blatte den Thatbestand, welcher sich danach als wesentlich anders herausstellt. Hienach hat sich der Feldwebel Simeon Friedmann aus Retteg in Siebenbürgen bereits vor einem Monate taufen lassen; am Rüsttage zum verflossenen Versöhnungstage schrieb er an einen israel. Kaufmann und bat diesen um ein Gebetbuch für den „heiligen Bersöhnungstag". Als Herr Rabb. E. davon erfuhr, ging er am Tage nach dem Versöhnungstage nach Schloß Cerekric, wo der Verwundete sich als Reconvalescent befindet; derselbe behauptete nun dem Rabbiner gegenüber, er sei ohne Bewußtsein getauft worden; Zeuge dessen schien auchdaS auf

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.