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Der Israelit · 1866-10-17 · Heft 42 (17.10.1866) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 42 (17.10.1866)
Date
1866-10-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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695 jüdische Gemeinden ermöglichen konnten, ist wohl nicht erst zu dieser Zeit entstanden, mnß vielmehr den gewöhnlichen gemeindlichen Entwickelungsproceß schon viele Jahre vorher dnrchgemacht haben, und eS ist demnach wahrscheinlich, daß die Halberfiädter Juden vom Anfänge des 15. Jahrhunderts 1479 (siehe weiter unten) nicht exilirt worden sind, während dies in Quedlinburg, Halle, Eöln u. A., namentlich 1423 allerdings der Fall war. Wahrscheinlich lebte hier um diese Zeit der schon im Buche Jochasin (Krakau S. 164) unter den jüdischen Gelehrten Deutschlands erwähnte R. David Halberstadt; R. Elchanan, von dem es im Memorialbuche heißt: „er habe hier immerwährend die talmudische Hochschule mit Eifer und Anstrengung geleitet, sehr viele Schüler gebildet und überhaupt das Thorastudium in Israel gefördert; ferner der bewährte fromme Gelehrte R Avigdor ben Mosche von Wanfrieden, der sich hier während seines ganzen Lebens ununterbrochen mit der Thora beschäftigte; R. Moses ben Eljakim und R. Simchah ben Jakob Nachmann, welche beide sich lediglich mit dem Studium der Thora befaßten und darin sehr gründlich bewandert waren, und von welchen der letztgenannte Rabbi „im Alter von mehr als 70 Jahren zur Ehre Gottes dem Märtyrertod heldenmüthig sich hingab." Etwas Genaueres über die Wirksamkeit dieser Männer, deren Namen auch in Schriften von Zeitgenoffen Vorkommen, ist uns nicht überliefert. Sehr verhängnißvoll war für die jüdische Gemeinde Halberstadt's die Regierungszeit des Bischofs Ernst Ü. von 1479 — 1513. Das düstere Bild von dem innern Zustand der Gemeinde -- stets Angst vor Gewallthat und Plünderung — verfinsterte sich nun mehr und mehr. Gleich bei dem Antritte der Regierung belegte er die Juden mit neuen Steuern und versagte den Kindern der bereits in den Schutz aufgenommenen Eltern den bisher mindestens für ein Kind üblich gewesenen Erb-Schutz, so der Vater gestorben war. Damit nicht genug, entschloß er sich endlich, die Juden überhaupt aus seinem Lande zu verbannen. Unter der Herrschaft der Bischöfe Friedrich Sigismundunb Joachim Friedrich (1550— 1583) wurde allmählich wieder in H. eine isr. Gemeinde begründet, die dann unter HeinrichJulius viel zu leiden hatte, bis RabbiJakob ben Israel Naphtali durch seine Fürsprache für seine Glaubensgenossen viel Gutes erwirkte. Der letztere auch J ockelHalberstadt genannt, ließ eine Synagoge bauen, welche der Pöbel während des 36jährigen Krieges (am 9. Ab 1621) zerstörte; sein Sohn, Rabbi Jermrjah, ließ wiederum eine Synagoge bauen, die jedoch ebenfalls nach seinem Tode zerstört wurde; diesmal war es jedoch nicht der Pöbel, sondern der fanatische Magistrat der Stadt, welcher unter dem Schutze von 50 Bravdenburgischen Musketieren am 13. März 1669 die Synagoge bewölken ließ; das israelitische Gemeindearchiv bewahrt noch heute den Hammer, mit welchem der Wahnsinn damaliger Zeit das Zerstörungswut vollziehen ließ. Die bestürzte jüdische Gemeinde, wie vom Blitze getroffen, führte sogleich bittere Klage bei dem Kurfürsten. Darüber sehr entrüstet, tadelte er die Handlung der Stände mit den härtesten Worten, erklärte sie als einen Eingriff in seine Landeshoheitsrechte und als einen Mißbrauch seiner Soldaten, und befahl, daß die daran Schuld gewesenen Personen ihm sogleich namhaft gemacht werden, auch mit Vorbehalt weiterer Ahndung den von den Juden auf 1000 Thaler angegebenen Schaden aus ihrem eigenen Vermögen ohne Zuthun der Unterthanen ersetzen sollen. In einer späteren Verordnung, vom 10. Juni 1669, erließ der große Kurfürst auf die. aus leicht zu erratenden Gründen von den Juden selbst unterstützte Bitte des Stadtraths die angedrohte Strafe, ermäßigte die Entschädigungssumme auf 500 Thaler und genehmigte durch einen weitern Kabinetsbefehl den Wiederaufbau einer Schule, nicht aber einer eigentlichen Synagoge. Erft 1712 ließ, wie wir weiter sehen werden, der so berühmt gewordene jüdische Schtadlan Bermann, gewöhnlich der polnische Resident Berend Lehmann genannt, eine neue Synagoge bauen. Bis dahin bediente man sich geräumiger Locale von Privaten zur Abhaltung des Gottesdienstes; eine öffentliche Synagoge existirte nicht. Destomehr aber verwendete die'Judenschaft auf ein neues Schul- und Lehrgebäude und benutzte dieses wahrscheinlich auch zum Gottesdienste. In diesem Lehrhause wurden nicht nur die Kleinen unterrichtet, es versammelte sich hier auch Akt und Jung zu Bibel- und Talmudfiudium, das in in so seliger Sttmmung und mit so unauslöschlichem Enthusiasmus betrieben wurde, daß sie der manigfaltigen Leiden und Quälereien, Bedrückungen und Entwürdigungen von Außen vergaßen, oder doch mit der edelsten Resignation und dem unerschütterlichen Bewußtsein sie ertrugen, daß das geistige Leben und Streben i« der Thora und die Beobachtung ihrer Vorschriften zur höchsten und bleibenden göttlichen Bestimmung des Israeliten führe, und im Hinblicke auf diele göttliche Bestimmung, die ihr ganzes Leben, ihr Thun und Lasten erfültte, erhielten sie sich, selbst unter dem größten Druck und der tiefsten Verachtung von Außen, die Selbstachtung. Es wirkten um diese Zeit in vorzüglicher Weise der nach der Inschrift des Grabsteines auch als Mathematiker berühmt gewesene Gelehrte und Parnaß Abraham den Jacob (starb 1680). Ferner „der durch tief ergreifende Borträge und durch Freigebigkeit zu wohlthätige« Zweckn Berühmte, den die Krone

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