Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 41 (10.10.1866)
- Date
- 1866-10-10
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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678 Zeitungsnachrichten nnd Correfpondenzen. Preußen. Breslau Es war nur ein einziger preußischer Arzt, der während des Krieges in österreichische Kriegsgefangenschaft gerieth, und der Fall ist in mancher Beziehung recht interessant. Der Gefangene war der preußische Landwehrarzt vr. Viktor Friedländer aus Breslau, der im Gefecht bei Oswiecin am 28. Juni gefangen genommen wurde. Er hatte seine Verwundeten vom Verbandplätze in ein in der Nähe des Kampfplatzes liegendes Dorf geleitet, ließ dieselben dort in eines der von der Bevölkerung verlassenen Häuser einquartieren und war eben damit beschäftigt, die Verwundeten zu pflegen, als die zurückkehrenden galizischen Bauern ihn sesthielten. Ein österreichisches Detachement transportirte den gefangenen Arzt nach Krakau. Dort wurde derselbe in der Modelle festgehalten, bis er am 4. Juli nach Wien transportirt wurde und zwar auf dem Wege über Kasch au, Eperies und Pesth. In Wien traf vr. Friedländer am 10. Juli ein, von einem Korporal eskortirt. Nach zweitägigem Aufenthalt erhielt er Marschordre nach Linz. Dort wurde er am 16. Juli der Spionage verdächtig erklärt, in Gewahrsam genommen und nachdem er als schuldlos entlassen worden, dirigirte ihn die Militärbehörde nach der Festung Karlsladt in Kroatien. Dort blieb er bis Ende August. Dann ward er wiener nach Olmütz gebracht, wo er in den Kasematten Quartier erhielt, daselbst leicht erkrankte, bis er endlich mit den anderen Kriegsgefangenen im September in Oderberg in Freiheit gesetzt wurde. Die nackte Erzählung dieser Passionsgeschichte genügt. Es bedarf dazu keiner Glossen. An 300 Meilen weit hat man diesen Arzt transportirt, und selbst als Oesterreich schon der Genfer Konvention beigetreten war, ihn noch festgehalten. (Fremdenblalt.) (Es ist dies derselbe vr. Friedländer, von dessen Gefangennahme der „Israelit" seiner Zeit^erichtete und dessen Austausch durch den thörichten Stolz eines österreichischen Offiziers Verhindert wurde. Red. d. Jsr.) Österreichischer Kaiserstaal. Wie». Se. Majestät haben den Bankdirektor Josef Michael Löwenthal als Ritter des Ordens der eisernen Krone 3. Klasse den Ordensstatuten gemäß in den Ritterstand des österreichischen Kaiserstaates mit dem Prädikate von Lin au allergnädigst zu erheben und allergnädigst zu gestalten geruht. Herr vr. Salomon Kluger, bisher Privatdocent an der k. k. Universität, ist zum Avjuncten an der experimentalen Klinik dahier befördert worden. Wie». Im polnischisraelitischen Tempel in der Leopoldstadt, kleine Ankergaffe Nr. 2, wurde Freitag Nachts ein Lusterst frecher Diebstahl verübt. Es wurde nämlich eine Opferbüchse, in welcher sich bei 20 fl m Silber- und Kupfermünzen befanden, gewaltsam erbrochen und der Inhalt gestohlen; von den Betmänteln wurden die werthvollen Goldborten heruntergeschnitten und nur die vielen im Tempel befindlichen Opferstöcke, welche größere Summen enthielten, widerstanden, wie Spuren zeigen, der angewendeten Gewalt des Diebes, da dieselben glücklicherweise gut verschlossen waren. Die sogleich eingeleitete Untersuchung ergab, daß ein Gauner sich am Abend zuvor nach dem abgehaltenen Abendgebete, um welche Zeit es jetzt schon ganz finster ist, sich unter einer Bank versteckt haben mußte, und, nachdem die Andächtigen stentfernt hatten, den Diebstahl aasführte. Der Gauner wurde von Niemandem bemerkt. Aus Böhme« Das Dorf Bubna bei Prag war unlängst der Schauplatz eines beklagenswerthen Exzesses. Der Pächter des dortigen Maierhofes, Herr Markus Adler, hatte von einem preußischen Marketender 180 Pfund Speck im Staatsbahnhofe gekauft und denselben, um jedes Aussehen zu vermeiden, zur Mittagszeit über Bubenc in seinen Maierhof führen lassen. Die Nachricht von dem abgeschlossenen Geschäfte war unter die dortige Acbeiterbeoölkerung gedrungen, ohne daß derselben dis Zeit der Ankunft der Ladung bekannt geworden wäre. Des Abends versammelten sich zahlreiche Taglöhner, darunter mehrere mit Hand- und Tragkörben versehen, auf der Bubencer Straße, um die Ankunft der Fracht zu erwarten. Erst um 10 Uhr begann sich das Volk zu verlauf n. Vorgestern um die Mittagszeit erschienen mehrere hundert Arbeiter vom Belvedere vor dem Maierhofe; die Verwegensten drangen in das Innere ein, erbrachen gewaltsam die , Küche und einen Keller, und begaben sich hierauf in die Wohnung des Pächters, um die Herausgabe der Schlüssel zu den übrigen Lokalitäten zu erzwingen, was auch geschah. Die 66 Jahre alte Schwiegermutter wurde von den Exzedenten im Hofe hin und her gezerrt, die junge Gattin des Pächters erhielt in ihrem Zimmer von einem der Eindringlinge einen solchen Schlag, daß sie ohnmächtig niedersank. Der Speck wurde in einem zweiten Keller wirklich vorgefunden und von dem Pöbel sammt einer Lebenden Gans unter wildem Gejohle fortgeschleppt. Mittlerweile war zufällig eine Abtheilung preußischer Kürassiere im Dorfe erschienen, um sich hier zu bequartieren. Bei ihrer Ankunft stob die Menge auseinander. AyutMräH. Unter den in der Schlacht bei Königgrätz Schwerverwundeten befand sich, wie der „Politik" berichtet wird, auch ein jüdischer Feldwebel vom 51. Infanterie-Regiment«, der im Schlosse Eerekwic untergebracht wurde. Nachdem deffeu hoffnungsloser