Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 41 (10.10.1866)
- Date
- 1866-10-10
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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679 Zustand das Aergste befürchten ließ, wurde an demselben, auf Veranlassung einer barmherzigen Schwester, vom dortigen Schloßkaplan die Nothtaufe vorgenom men und endlich die Sterbesakramente verabreicht. Es ist — wie das genannte Blatt schreibt — nun ungewiß, ob die Tauf.' an dem sterbenden Soldaten mit dessen Willen vorgenommen wurde, da er balo nach dem kirchlichen Akte in ein Delirium verfiel, aus dsm er leider nicht mehr zur Besinnung erwachte. Dieser Zweifel ist um so berechtigter, als aus einem Schreiben, welches derselbe als Rekonvaleszent aus Anlaß des jüdischen Versöhnungstages an einen im Orte ansässigen Juden richtete, heroorgeht, daß er um ein Gebetbuch bat, bannt er den für die Juden wichtigsten Festtag wenigstens im Bette feiern könne. (W.Frdbl.) Aus Galizien (vom rechten Sanufer), 20. September, wird dem „Wdr." geschrieben: Seit dem Raubmordanfall auf den Pfarrer in Kraszaczyn, dessen mehrere Juden verdächtigt, will man hier zuweilen eine bedenkliche Stimmung gegen die Juden überhaupt wahrgenommen haben. Diese selbst letten in großer Angst, die einen so hohen Grad erreichte, daß man in und um Przemysl am jüdischen Versöhnungstage eine großartige Juden-Niedermetzelung erwartete. Die Kultusvorstände suchten daher bei den Behörden Hilfe. Thatsächliche Beweise für irgend eine Haltbarkeit dreier Gerüchte gab es nicht, aber man wollte doch in mehreren Städtchen immer ernstere Drohungen gegen die Juden vernehmen, so daß Deputationen an die Behörden abgesandt wurden, die um Schutz für Leben und Eigenthum baten. In Kraszaczyn selbst kam es indeß wirklich zum Handgemenge und viele christliche Städtler waren im Begriffe, Exzesse zu begehen, wurden aber von den Sicherheitsorganen zeitig genug von dem verbrecherischen Vorhaben abgehalten, und vier bis fünf Städtler dem Gerichte ausgeliefert. Unmittelbar vor dem Bersöhnungstage stieg aber die Vesorgniß eines ernstlichen Krawalls sosehr, daß wirklich an Verhütungsmaßregeln gedacht werden mußte. So wurde, da Drohungen wegen Anzündung des jüdischen Stadttheils lautbar wurden, streng befohlen, in allen Häusern eine gewisse Menge Wassers, und alle Löschapparate in Bereitschaft zu halten, um nicht vom Unglücke überrascht zu sein. Ferner wurde anbefohlen, daß die jüdische Gemeinde während des Versöhnungstages beim Verrichten des Gebetes sich in mehrere Abtheilungen, in sogenannten kleinen Bethäusern vertheilen möchte, wahrscheinlich zur leichteren Verteidigung, und die Zeremonielles Gebetes ayr Vorab.nde des VersöhrtungSlages (Kör - Nidre) abzükürzey. Die Weiber durften nicht mit Schmuck, und mußten ohne Sttrnbinde und Halsperlen in der Synagoge erscheinen, und nach kurzem Gebet sich schnell aus der Synagoge entfernen. Am Abend wurde in Przemysl die Hauptsache-um zwanzig Man mit einM Offizier verstärkt. Die Synagoge selbst erhielt einige Mann aus der Linie, und acht bis zehn Mann Polizei zur Bewachung, und außerdem wurde die Juvenftadt bis Mitternacht von einer starken Patrouille Jäger immerfort durchzogen. Nun ist der Bersöhnungstag vorüber, und Alles lief in der größten Ordnung, ohne die geringste Störung ab. Nur der rastlosen Lhätigkeit und der Energie des Pczemysler Kreisoorstandes ist es zu verdanken, daß im PrzemySler Kreise nicht Angriffe auf das Eigenthum der Juden vorkamen. Das am Versöhnungstage eingeführte Zer- > streuungssystem beim Beten wirkte auch als Samtäts-! Maßregel m der jetzigen Cholerazeit ungemein wohlthätig, da sowohl in Vrzemyls, als auch in der ganzen Umgebung bis jetzt noch gar kein Cholerafall vorgekommen ist. Aus B oskowitz in Mähren wird unS berichtet: Dienstag den 26. d. starb hier eine 114jährige Frau Namens Betti Holländer. Die Verstorbene hinterläßt nur zwei Söhne, von denen einer oerheirathet ist, jedoch keine Nachkommen hat, während der zweite 56jährige Sohn ledig ist. Italien. Florenz. Graf Manebrea, ist in Men während der Verhandlung über den Friedensabschluß zwischen Italien uns Oesterreich durch Signor Artom begleite*. Er begleitet den Graf nicht in geschäftlicher Eigenschaft, sondern als vertrauter Nathgeber, da der Graf darum nachfuchte, von diesem fähigen Diplomaten begleit t zu werden. Ebenso spielte Herr Artom eine Rolle in den jüngsten delikaten Auseinandersetzungen zwischen! Italien und Frankreich, und man berathet ihn immer, j wenn irgend eine diplomatische Schwierigkeit zu über-! winden ist. Sein officielles Amt ist gegenwärtig das eines Legationsrathes bei der italienischen Gesandtschaft zu Paris. (I. Chr.) Rußland und Polen. Unter der Gesammtzahl der im Jahre 1865 vorgenommenen Zählung befinden sich 759,763 Juden, davon find 40,656 nicht-ständige Einwohner. Im Jahre 1863 ergab die Zählung 653,505 ständige jüdische Einwohenr. — Eme interessante Thatsache stellte die Zählung hinsichtlich der Konscriptionspflichttgen der Stadt Warschau fest. Während auf 116411 Köpfe der chr. Be völkerui« nur 4368 KonscriptiorOrfflichtige ermittelt werden konnten, betrüg die Zähl dieser unter der 65246 Seelen zählenden israel. Bevölkerung 4315 Mann. — Ein Beweis Welch' großen Theil seiner chr. Jünglinge Warschau in die Reihen der Insurgenten gestellt. (Jll. Ztg.)