Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 41 (10.10.1866)
- Date
- 1866-10-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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KKS Literarischer Bericht. Hebräisch deutsche Vorlegeblütter (hochbehördlich approbirt) von Rudolf Fuchs, Lehrer an der Talmud- Thora in Wien; beurtheilt von vr. I. Hildesheimer. Die Iristematische Behandlung der hebräisch-deutschen Schrift gehört ganz besonders heute zu den Bedürfnissen einer jüdischen Schule; denn bei dem nur geringen Zeitmaße, welches in den meisten Schulen dem hebräischen Unterrichte zugewiesen werden kann, kann allein das gute System die Stiefmütterlichkett solcher Oekonomie der Zeit einigermaßen wieder gutmachen. Eben der sich immer mehr und mehr einmengeude Markt des Absatzes für jüdische Schulbücher aller Art und der Vorlegeblütter insbesondere ist nicht grade sehr ermuthigend für neue Arbeiten; und so wird die Auswahl unter denselben immer geringer, ja sogar der Vorrath aus Mangel an neuen Auflagen immer beschränkter. Wie nothwendig aber gerade auf diesem Gebiete ein literarischer Wettkampf ist, weiß jeder der sich auch nur einigermaßen mit dem derzeitigem Standpunkte der „jüdischen Schulen" bekannt gemacht, und Erfahrungen darüber gesammelt hat, mit welcher Fahrlässigkeit seit langen Jahren dieser Unterrichtsgegenstand behandelt wird, welcher weiß, daß viele Lehrer auf nichtjüdifchen Präperandien gebildet, nicht einmal Gelegenheit halten sich auf diesem Gebiete theoretisch und praktisch zu bilden. Daher die traurige Erscheinung, daß in dem allgemeinen Verfalle der jüdischen Literatur in den Volksschulen, dieser Zweig ganz besonders darniederliegt, und viele Schüler die Anstalt verlosten, ohne den jüdischen Namen niederfchreiben zu können. Aber auch im Falle, daß diesem Unterrichtszweige wirklich die geziemende Berücksichtigung zu Theil wird, würde Las jetzt für alle übrigen Unterrichtszweige an den Segrn eines Eyfiems gewöhnte Kind ermüden und an Thatkraft erlahmen, wenn es hier wie in früherer Weise unsystematisch und planlos abgemüht würde. Um so anerkennnngswerther find die trefflichen Arbeiten ans diesem Gebiete, welche in letzterer Zeit erschienen find Die vorliegende Arbeit nun hat mich mit besonderer Freude erfüllt, weil sie alle Vorzüge der mir bekannten früheren Leistungen in sich aufnimmt und zu denselben sehr annerkennungswerthe hinzufügt Vor Allem ist in vorliegender Arbeit dem ersten Erfordernisse eines Systems, sich auf das Minimum von Grundzeichen zn beschränken, Genüge geleistet. Sämmtliche Figuren und Buchstaben find auf drei Hauptrichtungen zmückgrführt und wurde in fortschreitender Synthese zum Wort und Satzschreiben mit genauerer Rücksicht ans den Lehrgehalt als es wohl bisher geschehen sein dürfte, ansgeführt. Im Einzelnen enthält Tabelle 1 die succefstve Entwickelung der Buchstaben mit den entsprechenden deutschen Consonanten, I interlmerarifch gesetzt, zeilenweise immer zu Neuem übergehend, wie dies im ganzen Hefte der Fall, und am Fuße der Tabelle immer Aufklärung gegeben. Tabelle 2. enthält Buchstaben und Doppelbuchstaben nach dem deutschen interlinearisch gesetzten Alphabete geordnet, wozu iu letzter Zelle das fortlaufende 2"n; Tabelle 3. enthält systematisch geordnete Wörter, Tabelle 4. deßgleichen solche, in denen die Vokale und deren Dehnung durch die Vokalbuchstaben systematisch angewendet werden. Tabelle 5. enthält die zusammengesetzten Buchstaben, wiederum interlinearisch die entsprechenden deutschen gesetzt, endlich Tabelle st. zusammengesetzte Perioden, Tabelle 7 bis 10 als „Zugabe" bezeichnet, enthält die praktischen Vorkommnisse, das Zahlensystem, kalendarische Ausdrücke, biblische Namen, tabellarische Uebersicht über die Fest- und Feiertage, briefliche Abbreviaturen rc. Die Ausstattung ist sehr schön und empfehlend, der Preis, besonders der bei der nöthig gewordenen 2ten Auflage auf 30 Kreuzer Oe. W. ermäßigte, wobei Schulen ein angemessener Rabatt bewilligt wird, sehr mäßig. ES wäre diesem auch vom Ministerium den oberen Elementarklassen israelitischer Schulen empfohlenen Vorlegeblättern recht ausgedehnte Vorbereitung zu wünschen. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Aus Karheffe«. Nicht ohne Interests für manchen Leser Ihrer geschätzten Zeitschrift, wie für die Epccial-Geschjchte unseres Goluß-Lebens dürste nachstehendes Dokument sein, vermöge dessen vor 402 Jahren einem aus Polen einwandernden Israeliten die Aufnahme in die Landgrafschaft erlheilt wurde. Dieie Ausnahme-Urkunde ist von dem damaligen Landgrafen Friedrich H. eigenhändig unterzeichnet, der sich damals wohl nicht träumen ließ, daß sein Urenkel, der jetzige Kurfürst von Hessen, aus seiner eigenen Residenz vertrieben würde. Dieser Fürst, sowie auch sein Sohn Wilhelm IX. (als Kurfürst Wilhelm!.) und sein Enkel Wilhelm II. haben sich durch Toleranz gegen die Juden vor vielen andern Fürsten ausgezeichnet, und hat auch bekanntlich der letzte Kurfürst ihnen im Jahre 4833 die vollständige Emancipativn ertheilt, — die freilich nie zur Wahrheit wurde. Genanntes Dokument wirst übrigenauch ein Licht auf die beklagenswerthen Voruriheile, von welchen damals da- Volk und dessen Staatsmänner noch erfüllt waren, und wenn jene leider auch jetzt roch nicht ganz überwunden sind, so können wrr uns doch mit Befriedigung des Fortschrittes steuen «nd der veränderten Zustände, welche seitdem eingetreten.