Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1866-10-03 · Heft 40 (3.10.1866) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 40 (3.10.1866)
Date
1866-10-03
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2446951-2447245-2447278--04536-2459996
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

VII. Jahrgang._ Beilage zu Nr. 4V des Israelit. Zar Geschichte öer isr. Gemeinde in Hamburg. (Fortsetzung.) Die Schule nimmt überall keine bezahlenden Schüler auf; es gibt in derselben sechs Klassensectionen und es wird das System befolgt, welchem zufolge ein Schüler verschiedenen Klassen zugleich, nach den verschiedenen Lehrgegenständen, angehören kann. Dies ist Folge des hebräischen und rabbinischen Unterrichts, dem etwa die halbe Schulzeit gewidmet wird und in welchem ein Schüler häufig?ort- oder Rückschritte macht, die mit seinen übrigen Leistungen in gar keinem Verhältniß stehen. Tie Zahl der Lehrer ist aus d<rn angedeutcten Grunde größer als bei anderen Schulanstalten. Auch liegt es in diesen Verhältnissen, daß die Schule beständig eine Anzahl ausgedienter Lehrer zu pensioniren hat. Seit 1822 gilt es als herkömmlicher Grundsatz, daß der erste — und großenteils auch der zweite — Lehrer für Realien und deutsche Sprache kein Jude sein dürfe (?). Zu dieser Schule gehörig ist eine „Vckleidungs- Anstalt armer Schüler der Talmud-Thora-Schule", welche durch Snbscribenten und einige Legate sich erhält und etwa 60Kindern nöthigeKleider undScirchwerk spendet. Tie Verwaltung der Anstalt besteht aus drei Personen, welche sich selbst ergänzen. Wie beim Arrnenweien erwähnt, erballen viele Kinder in dieser wie in den. folgenden Schulen täglich Brod und Suppe. Die „Israelitische Freischule", seit 1832 auf dem Zeughausmarkt, ist gcst.ft t im Jahre 1817*) aus einem Legat von Lstrl. 2000 von einem in London verstorbenen Hamburger Namens Baruch Abraham Goldschmidt. Sie besteht durch die Zinsen dieses Fonds, welche durch spätere Schenkungen und Vermächtnisse bedeutend angewachscn sind, sodann durch jährliche Subscriptionen und sonstige Geschenke, durch Schulgelder und endlich durch eine Subsidie der Gemeinde, vor 1844 von 4200, seitdem in 2000**) und seit 1854 von 3000 Mark ***). Dies Institut ist in seiner Verwaltung ganz selbstständig und steht mit dem Ge¬ *) Cie lag damals in eincm kleinen gcmiethetcn Hause, Schlachterstraße, Nordseite, Heckschers Pforte. Das gegenwärtige Schulgebäude (Kaufpreis Banko-Mark 32,600) steht auf ihren Namen im Stadt-Erbe-Buch. **) Die Portugiesische Gemeinde trägt ebenfalls verhältnißmößig bei, wogegen ihre Kinder ausgenommen werden. ***) Die letzte Erhöhung um 1000 Mark fand Statt, um den Oberlehrer Herrn vr. R6e hier zu behalten, welcher damals mit noch besseren Bedingungen ins Ausland berufen war. meind cvolstando lediglich in der. Verhältniß, daß zwei Mitglieder des letzteren als Commissarien die vorkommenden Angelegenheiten vermitteln, den jährlichen Prüfungen beiwohnen und eine Abschrift der Bilanz in Empfang nehmen- Außerdem sind alle der Schule gehörigen Hauspöste so wie das Schulgebäude selbst mit der Clausel belegt, daß ohne ConsenS des Gemeindevorstandes kerne Umschreibung u. s. w. Statt finden könne. *) Der Kosten wegen wurden damals öffentliche Prüfungen nur selten vorgenommcn (und dabei vom jüdischen Religionsunterricht ganz abgesehen) obgleich dies nach den Steinten alljährlich statlfinden sollte. Die Schülerzahl betrug 18' 4 über 350 von sieben bis fünfzehn Jahren. Die ursprüngliche Tendenz der Anstalt, die Bildung zum Handwerksstande vorzüglich zu berücksichtigen, hatte wegen der den Juden entgegenstkhenden Schwierigkeiten nicht streng eir gehalten werden können urd so wurre das Institutallmälig auf die Stufe einer bürgerlich vorbereitenden Handlungsschule gebracht und es wird englrsche und französische Sprache, wie nicht minder etwas Gesang und Turnen getrieben. Die Singstunde bereitet zugleich die Choristen für den neuen Tempel vor, mit welchem die Schule fidoch in keiner administrativen oder sonstigen Dudknz-Verbindung siebt. Der jüdische Religions-Unterricht geht in deutscher Sprache bis zur Bibelkenntniß, Katechismus!: hre und Aussätze über religiö'e Themata, und in hebräischer Sprache — nach sogenannter portugiesischer Aussprache — bis zum Uebersetzen einzelner Bibelstücke und Gebete und zu einigen Sprachregeln. Als eine eigknlhümliche nachmals häufig nachgeabmte Einrichtung ist zu erwähnen die „Schrllingskasse", zu welcher jeder Schüler wöchentlich 2 Schill, bettrügt und dafür nicht nur alle Schreibmaterial^n, sondern auch die erforderlichen gedruckten Schulb-üA: erhält, und wobei die Schulkasse sogar noch profi'irt. Die Schule nimmt auch lez hlende Schüler, worunter viele Ckmstenknaben, auf; doch darf dies statutengemäß nicht über ein Drittheil der gesam: Len Schülermhl steigen, und auch so nnit nur dann, wenn die Zulassung von Nichtzahlenden nicht darunter leidet. Von den Schulgeldern erhielt früher;^er Oberlehrer ein Fünftel. Ferien hat diese Schule nach jüdischer Schulsitte gar nicht, mit Ausnahme der Sonntag-Nachmittage, einiger christlicher Feiertage (!) und der sämmtlichen jüdischen Sabbats und Festtage, der Purim und der Zerstörungsseier. *) Bis 1844 galt diese Bestimmung blos für das Stammkapital-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.