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Der Israelit · 1866-10-03 · Heft 40 (3.10.1866) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 40 (3.10.1866)
Date
1866-10-03
Page
– (sequence 8)
Language
German
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(56 — salben sie die das Gesicht und überhaupt den ganzen Körper, daß ihnen die Sonnenhitze nicht schadet. Bei ihrem Sitzen, sowohl in der Synagoge als zu Hause, beim Essen, Trinken und Studieren lehnen sie üch links auf kleine viereckige Kissen, die mit Wolle oder Zeugstückchen gepolstert sind und deren drei oder vier auf einander gelegt werden. * **) Gegen Abend, wenn die Männer von der Arbeit zurückkehren, begeben sie sich in die Synagoge und verrichten zeitig das Minchah- und Maaribgebet. Auch nach dem Maari bgebet lernen sie etwasHalachahundAgada. Der Gemeindevorsteher trägt gewöhnlich laut vor. Rach verrichtetem Gebet und Thorastudium begeben sie sich nach Hause und essen das Abendbrod. Sabbat, Thoralesen, Gebet und Feier. Der Sabbaitag wird hier sehr streng gehalten. Freitag Nachmittag kommen alle zeitig von ihrer Arbeit nach Hause, um die nöthigen Vorbereitungen für den Sabbat zu treffen. Sie scheeren sich jeden Freitag gegenseitig die Kopfhaare, was ein jeder von ihnen gitt kann. Nachdem dieses geschehen, gehen sie ins Bad. Ist auch dieses vollbracht alsdann begeben sie sich in die Synagoge, um Mincha-gedolah zu beten. Nach verrichtetem Gebete gehen sie nach Hause, essen ein wenig und kleiden sich in ihr Sabbatgewand, welches die Form des Werketagkleides hat. jedoch von vorherrschend weißem Zeuge gefertigt ist, denn jetzt befinden sich keine Nichtjuden mehr unter ihnen. Nur das unzertrennliche Oberkleid — simlah — vertritt die schwarze Farbe und dient als Zizithgewand, an dessen Stelle nie weiße Thalethim wie die unsrigen treten. Noch am Hellen Tage versammeln sie sich in der Synagoge, singen gemeinschaftlich in sehr schönen Melodien schir haschirim (das Hohelied) und lesen ebenfalls in exactem Accord im Sohar. Wenn es Zeit ist, „den Sabbath zu empfangen", werden dieselben Gebete verrichtet wie auch bei den Aschkenaim. Seit neuester Zeit haben sie auch die gedruckten sephardischen Gebetbücher erhalten und in demselben das Lied, genannt „Bar jochai" gefunden, welches sie sofort in ihren Ritus ausgenommen haben, da sie glauben, daß alles was gedruckt ist, nicht anders als wahr und heilig ist, gegen welches keine Einsprache gemacht „Die Südländer schminken ihre Augen und könnm daher dem Studium der Thora gut obliegen." R. S. **) Bei den Arabern heißen diese Matratzen matcha. Ich glaube mit diesem Worte eine schwierige Thalmudstelle in Jeba- «roth erklären zu können, dort heißt es nämlich: „Auf dieser meducha (Mörser) saß der Prophet Chaggai." Nach der gewöhnlichen Auffassung klingt das unverständlich. Nimmt man jedoch für metucha das arab. matcha, so gewinnt der Satz sehr an Deutlichkeit. R. S- Verantwortliche Redaktion: vr. Lehmann. — Verlag der Le I. Gottsle werden darf. (In diesem Wahn werden bei ihnen auch oft Bücher eingeschmuggelt, deren Inhalt sehr oft den Tendenzen der heil. Thorah widerspricht. So halten sie z. B. die Schriften des Nechemiah Chiah Chion jetzt noch für heilig, die man bei uns auf alle mögliche Weise vernichtet hat.) Weil sie sich so viel mit Sohar und Kabbalah beschäftigen, so glauben sie, dieses Lied sei ebenfalls von den Verfassern des Sohar, von Rabbi Simeon ben Jochai und seinen Schülern und legen ihm daher viel Wichtigkeit bei, deßhalb singen sie es auch am Anfang des Sabbats. Sie finden darin auch Hunderte von Andeutungen und Geheimnissen. Wegen des hohen Werthes, den sie auf dieses Lied legen, singen sie es auch mit großer Andacht und Feierlichkeit. Der Vorsteher der Gememde umhüllt sich mit seinem Thalith und singt mit großer Gehobenheit der Andacht je einen Vers, worauf die ganze Gemeinde die Worte „Bar jocha'i" im Chor singt. Beim Aufgang der Sterne beten sie Maarib und begeben sich dann nach Hause. Samstags Morgens, drei Stunden vor Tagesanbruch, ertönt die kräftige Stimme des Gemeindedieners (Schammes) durch alle Gassen und Gäßchen der Judenstadt und ruft diese frommen Männer zur Andacht in die Synagoge, um daselbst Sohar, Thikun Rachel zu lernen und Lobgesänge ertönen zu lassen. Ein Jeder bringt einen irdenen Krug mit Kaffee gefüllt, der seither wohlverwahrt im Wärmeheerd gewesen, um sich damit und auch Anderen gütlich zu thun. Unter Gesängen und Erzählungen bricht sich der Morgenstern am östlichen Himmel seine Lichtbahn. Sogleich beginnt man, das Morgengebet zu verrichten. Ehe noch das Tagesgestirn seine Herrschaft angetreten, ist dieses geschehen, und die Andächtigen sitzen bereits zu Hause und genießen ihr beliebtes Backwerk, das ebenfalls seit gestern in Wärmeapparaten aufbewahrt war. Vor diesem Imbiß wird zuerst das Kiddusch gesprochen. Nachdem dieses Frühstück eingenommen, begibt sich Alles wieder in die Synagoge, um die Thora vorlesen zu hören. Dieses dauert wenigstens zwei Stunden, denn ein Jeder, der zur Thora gerufen wird, liest hier selbst vor, und zwar geschieht dieses in sehr langsamer und melodischer Weise. Nachdem der Vorlesende den Vers beendigt, beginnt ein kleiner Knabe von neun Jahren, die chaldäische Uebersetzung und Erklärung aus einem Manuscript vorzutragen. Auf dieselbe Weise wird auch die Haphtarah vorgetragen und übersetzt. (Fortsetzung folgt.) Hierzu zwei Beilage«. Roux'schen Hofbuchhandlung. — Dampf-Schnellpreffendruck von ben in Mainz.

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