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Der Israelit · 1866-10-03 · Heft 40 (3.10.1866) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 40 (3.10.1866)
Date
1866-10-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
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654 Und nun an Euch, Ihr Frommen Bambergs, ein ernstes Wort: Was habt Ihr gethan um das Unheil, welches Ihr Hereinbrechen fchct, abzuwenden? was thut Ihr noch, um ihm zu steuern? — Nichts — Nichts! Wohin seid Ihr gekommen mit Eurer fatalen - Politik, wohin mit Euerem und wieder hat etwa der Vorstand auf Euch Rücksicht genommen, auf Eure Vorschläge gehört, Euer Verlangen befriedigt? Wer wünscht nicht mit Donnerwort Euch zurückzurufen von dem Abgrunde, an welchem Ihr thallös weilet, wer nicht mit Worteskraft Euch zu wecken, Euch aufzurütteln aus der Untätigkeit, in welche Ihr versunken? Aber was wird mein Rufen helfen „Ihr Heldenfeuer klemmt sich an Ballen lcoaütischer Waare, ihre Seelen flattern ängstlich um ihre ostindifche Flotte" „und zu mir kann Niemand sprechen: Lernen Sie unsere Patrizier bester schätzen", denn leider, leider ist ihr Geist mehr bei ihren Geschäften, als bei dem Wohle der Gemeinde, liebäugeln fie lieber mit dem Vorstande, als daß sie sich zu Thaten ermannen. Es könnte ja auch so großen Schoden bringen, sich mit einem gewaltigen, gefürchteten Vorstande abzuwerfen; bester man geht in Eintracht mit ihm, auf daß die Geschäfte blühen und es uns wohlergehe in Bamberg. Kehret zurück, kehret zurück! nicht das ist der Weg der zum Ziele führt , nicht in 21^ mit ihnen können wir unser heiligstes Eigenthum wahren. Keinen Frieden, keine Eintracht, keine Nachgiebigkeit, wo es die Verteidigung unserer heiligsten angeerbten Güter gilt! wir haben es ja in Frankfurt a. M., Mainz, Offenbach und Darmstadt gesehen, was vereinte, wenn auch schwache Kräfte vermögen. Wartet nicht bis es zu spät sein wird, noch ist es Zeit zurückzukehren; wenn es einmal zu spät ist, rufet Ihr, ermannet Ihr Euch vergebens!! Wer mir doch die überzeugende Kraft der Rede und Schrift geben möchte Euch zu überzeugen, daß der bisher befolgte nicht der rechte Weg ist. Es braucht ja keiner Prophetenkraft, um das Ende vorauszusehen. Ihr werdet Euch nach und nach Eure heiligsten Güter entreißen lasten, dann werdet Ihr erwachen, Euch mit den letzten noch gebliebenen Kräften auftichten — aber nichts ausrichten. Macht aber nichts, dafür werden die Geschäfte blühen, der Vorstand Euch in Nahrung setzen und ihr mit demselben in Eintracht leben „nnr-w in-,' .-ibvi 2n"! Und Sie Herr Rabbiner, als Sie erst am ver-! stoffenen b2 - Abend fragten, ob wir wohl unsere j Schuldigkeit den K udern gegenüber thun, ob wir sie als echte Jehudim, in den Lehren Gottes erziehen,! ist Ihnen da nicht eingefallen, daß Sie wohl ein wenig mehr für die Schule thun könnten, die das göttliche und bayerische Gesetz unter ihre Obhut stellt? „Unsere Schule soll unser höchstes Gut bilden; sie zu pflegen, soll unsere höchste Aufgabe sein," diese Worte glaube ich einmal aus Ihrem Munde gehört zu haben. Ist diese Aufgabe erfüllt, wenn unsere Kinder in der Schule kaum Hebräisch lesen, geschweige denn, die heilige Schrift verstehen lernen? Sie sind vom Gesetze in religiöser Beziehung über den Vorstand gestellt, Sie könnten Vieles verbessern, wenn Sie energischer zu Werk gingen, Vieles wieder gut machen, wenn Sie nur Ihre eigenen Worte beherzigten. Wir sind ja gern bereit, Ihren vielen guten Eigenschaften die vollste Anerkennung zu zollen; wir sind gern bereit, Ihnen zu folgen, wenn Sie mit Thatkraft uns voranschreiten auf dem Wege, der zur Erhaltung unserer heiligen Religion führt! Was für die Gemeinde gilt, gilt gewiß auch für ihren Seelsorger, denn Alle sind gleich vor Gott! — (ft Ü"I „pW", '5I2N rMP-rv '2N „Wahrheit spricht mein Mund, und ein Gräuel ist Falschheit meinen Lippen." 8^2 Österreichischer Kaiserstaat. Lemberg. Der letzte Versöhnungstag war für die'Israeliten des Städtchens Dukla in Galizien, wie die „Gaz. Rar." schreibt, ein Tag des Schreckens und der Furcht. Laut einer Nabbinerprophezeiung sollte am Versöhnungstag des Jahres 5627 das jüngste GerickL abgehalten werden; alle Juden würden Vernichter und ihre Häuser von den Christen in Besitz genommen werden. Jndeß der Tag verging in Ruhe wie ein anderer und die zu Hüfe und Vorsorge gerufenen Militärpatrouillen hatten nichts zu thun, als den gespendeten Branntwein zu vertilgen. (Wir können das Sonderbare dieses Vorfalls uns nur erklären, wenn wir uns in dem Nabbimn mit prophetischer Begabtheit einen begeisterten Chastidimrebben vergegenwärtigen. — Red. d. Jsr.) Rußland und Polen. Warschau. Dos an die Juden in Polen erlassene Verbot, Dorfschänken zu halten, hat unter den Israeliten eine große Bestürzung hervorgerufen, indem bisher "/12 aller Schankwirthschaften in den Händen der Juden waren. Feuilleton. Jus -LM Reisewrrke -es Rabbi Jakob Saphir. (Fortsetzung) Die Art und Weise des Gebetes. Ihr Gebet verrichten die Juden in Aernen sowohl an Werkals auch an Sabbat- und Feiertagen aus

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