Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 40 (3.10.1866)
- Date
- 1866-10-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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652 ten Einer eine hinreichende Kerrntniß derselben erwerben kann. Können unsere verschmitzten Diplomaten sich nicht gegen die Pforte halten, wie sollten es denn Männer thun können, welche erst im Lande die Sprache erlernen muffen und zudem im Durchschnitt mit keinem besonderen Talente begabt sind. Nach dem Grundsätze des Herrn Spittler arbeibeiten, ist meiner Ansicht nach die einzige Methode, oieses Werk im Orient mit Erfolg zu befördern. Die Missionäre nach dem alten System richten Nichts aus; im Gegentheil, sie säen nur den Streit und die Erbitterung. Denn gewinnen sie Einen, wie zum Beispiel den Herrn Weismann, und verschaffen ihm sodann eine Stellung im Spitale, so sagen gleich seine Verwandten, man habe ihn dadurch bestochen; und wie ich bestimmt weiß, gibt es keinen einzigen Juden in Liberias, der nicht davon überzeugt wäre, daß man ihn geradezu auf diese Weise zum Christenthum gewonnen habe; denn sie selbst kennen den Charakter dieses Mannes und wissen recht gut, daß er es nur darum gethan hat. Hierdurch mit seinem Vater befeindet, der in Liberias wohnt, hat dieser nun nichts Anderes zu thun, als den Haß gegen die Mission weiter zu verbreiten und dieselbe auf alle mögliche Weise zu verleumden. Kommt eine Mission an, in der expressen Absicht, die Leute zu bekehren, so ist gleich der Widerstand da; geschieht es aber in der Manier des Herrn Spittler, so daß eine andere Beschäftigung getrieben wird, welche allmählich zum Ziele führt, so wird der Argwohn der Einwohner gleich beigelegt." Unsere Leser werden es uns nunmehr nicht verargen, wenn wir in dem englischen Sprachlehrer, der die Juden des Orients so genau kennt und besonders die Lebensgeschichte der von der Mission eroberten Proselyten studiert zu haben scheint, einen verkappten Seelenhändler witterten. Was nun seine Vorschläge, das Missionsgeschaft durch die „praktische Civilis ation" zu betreiben, angeht, so können wir Herrn A. durchaus nicht absprechen, daß er Geschästskenntniß besitzt. Wohl dürfte ein rechtlicher Lebenswandel, Ehrlichkeit im Umgänge mit Anderen jenen uncultioirten Völkern des Barbarismus gegenüber imponiren und sie auf das Verwerfliche ihrer seitherigen Religion aufmerksam machen. Uns Israeliten jedoch ist es nichts Neues, daß Rauben, Stehlen, Betrügen und Lügen verboten ist; das haben wir schon Jahrtausende vor dem Entstehen des Christenthums gewußt und beachtet. Das wird doch gewiß keinen Juden zum Abfall von seiner Religion veranlassen, wenn Andersgläubige dieselben Gesetze im Umgänge mit ihren Nebenmenschen erfüllen, die seiner Religion entstammen und die in andere Religionen ausgenommen worden sind. Und wenn endlich Herr A. meint, daß „ein Orientale nie durch Predigen und Disputiren bekehrt werden könne", so müssen wir ihm bemerken, daß er diesen Lehrsatz auch ans alle Inden ausdehnen könne, die das Wesen ihrer Religion richtig aufznfaffen gelernt haben. Me Diejenigen, dis in unserer Religion, der Thora, geforscht, erkennen den Werth derselben einer jeden anderen Religion gegenüber, alle Diejenigen, in deren Jugend schon das Ausüben der göttlichen Gebote gelehrt und empfohlen wurde, werden nie aus Bequemlichkeit oder Eigennutz einen Rüigionswechsel eingehen. Möchten nur alle unsere Glaubensgenoffen dieses beherzigen, ihre Kinder schon in der frühesten Jugend in diesem Geiste erziehen; alsdann dürften sie ruhig der Zukunft ihrer Kinder entgegensehen und alsdunn dürfen die Missionäre noch ihre Millionen Handlungskosten verdoppeln, sie werden Js.ael dennoch nichts anhaben können. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Bamberg. 20. September. Um das Anstandsgefühl, um das Gefühl für das Schöne und Harmonische, ist es eine sehr schöne Sache, aber wie in allen Dingen ist auch hier Uebertreibung schädlich. Ein. Beweis dazu liefert unser Vorstand, der wie es sich stets deutlicher herausstellt, aus reinem Anstandsgefühl nach und nach das alte Judenthum zum Fenster hinaus werfen und sein Machwerk an dessen Stelle setzen möchte. Ich hätte Ihnen schon lange von den ästhetischen Neuerungen unseres hochverehrten Vorstandes geschrieben, wenn ich im Stande gewesen, zugleich eines seiner so interessanten, für die Menschheit so wichtigen Aktenstücke, beizulegen; da ich nun jetzt so glücklich bin, eins dieser kostbaren Dokumente zu erlangen (welches anbei folgt und das ich sie zu veröffentlichen bitte) möchte ich an die Uebersendung desselben, einige Worte über unseren vortrefflichen Vorstand und die ebenso vortreffliche Gemeinde knüpfen. Das erwähnte Aktenstück lautet: Die Deputirten der israelitischen Kultus- Gemeinde, an den Kaufmann, Herrn N. N. Wohlgedoren dahier. Es wurde diesseits die Wahrnehmung gemacht, daß Sie an verwichenem Neujahrsfeste in der Synagoge mit einem Sargenes bekleidet waren. Dieses verstößt ganz gegen die bestehende Synagogen- Ordnung und wird Ihnen hiermit mit dem Bedenken