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Der Israelit · 1866-10-03 · Heft 40 (3.10.1866) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 40 (3.10.1866)
Date
1866-10-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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651 unter den bestehenden Verhältnissen der Geistliche, M. I. Barclay, die Beiden unmöglich dem Tische des Herrn sich nähern lassen konnte, so hatte er ihnen in einer Unterredung solches vorgestellt und verboten, das Sacrament zu genießen. Doch will ich nichts mehr Liber diesen peinlichen Gegenstand sagen und nur die Frage aufwerfen: Wenn es so mit dem Geachtetsten der Bekehrten steht, wie muß es mit den Uebrigen aussehen, und rechtfertigt der Erfolg die Anstellung eines Bischofs und die großen Ausgaben einer Mission dort? Entschieden nein, vom relig ösen Standpunkte aus angesehen! Vom politischen ist das eine andere Frage, womit ich jedoch nichts zu thun habe; ausgenommen, daß es mir selbst unpolitisch scheint, erstens den Bischof auf solche Weise, wie es jetzt geschieht, anzusteüen, und überhaupt durch das Hinzufügen eines neuen christlichen Oberhauptes die Zerrissenheit der christlichen Religion in einem noch grelleren Lichte darzustellen. Und was überhaupt ein englischer Bischof in einem Orte zu thun haben soll, wo nur ein einziger Engländer wohnhaft, muß jedem Unparteiischen höchst unbegreiflich Vorkommen. Es ist wohl ein recht schöner Gedanke und erquickendes Gefühl, zu wissen, daß aus dem Berge Zion auch wir unsere Küche begründet haben, und daß die protestantische Kirche ihren Repräsentanten dort besitze; aber sobald dieser Gedanke in der praktischen Ausführung fehl schlägt und nur Unannehmlichkeiten nach sich zieht, sollte man sich den Genuß desselben versagen. Von dem persönlichen Wirken der Herren kann man nur Ein Urtheil fassen; doch hat dieses mit dem System nichts zu thun, und ich werde blos Thatfachen vorlegen. Der Revd. Samuel Gobat, früherer lutherischer Missionär, ist vom König von Preußen*) zum Bischof ernannt worden und mußte daher, um die Stelle annehmen zu können, von der lutherischen zur anglikanischen Kirche übergehen. Dieses that er; doch nun konnte er nicht länger das geistliche Oberhaupt der deutsch-lutherischen Gemeinden bleiben, sondern nur deren Haupt in weltlichen Angelegenheiten sein. Deßhalb wurde ein ehemaliger Schleswig-Holsteiner, Pastor Valentiner, als Seelsorger für die Deutschen zu Jerusalem, sowie als Pfarrer und Consulats- Kaplan daselbst angestellt. Da die Kirche jedoch eine englische, darf in derselben des Morgens kein Gottesdienst für die Deutschen abgehalten werden, und kann das daher nur des Nachmittags geschehen. Aus diesen Umstanden entspringen eine Menge Widersprüche mid Streitfragen, worüber es nicht nöthig, sich weiter auszulassen. Es wird jeder gleich *) Der Bischof bezieht seinen Gehalt halb von Preußen, halb von England. die Mißstimmung begreifen können, welche unumgänglich unter solchen Verhältnissen erwächst und dem Werke Hinderlich ist, welches zu befördern einem jeden Christen tief am Herzen liegen muß. Der Grundsatz eines Mannes, der im Stillen, aber Vieles geschaffen hat, ist folgender: „Die beste Art und Weise, einem barbarischen Volke den Werth der christlichen Religion recht deutlich zu zeigen, ist, dasselbe von dm Vorteilen unserer Civilisation zu überzeugen, indem man es an denselben theilnehmen läßt und ihm im praktischen Leben mit untadelhaftem Beispiele vorangeht." Aus diesem Prinäpe hat Herr Spittler die bekannte Anstalt in Ehrischona begründet und von Jerusalem nach Gondar zwölf Stationen eingerichtet, und zwar, so weit ich habe sehen können, mit gutem Erfolge. Es gereicht zum grüßten Lobe der Spittler'- schen Mission zu Jerusalem, daß sie sich von allen Streitigkeiten fern zu halten und durch die christliche Betreibung ihres Geschäftes dis Achtung Aller, Juden, Griechen, Türken und Araber, zu gewinnen gewußt hat. Folgendes Gespräch, welches von der Wahrheit dieser Aussage zeugen wird, habe ich selbst gehört: Es war am Sonntag nach dem Gottesdienst, als einige de.- deutschen Brüder (vom Vrüderhaus) im Freien vierstimmige geistliche Lieder sangen. Die Orientalen lieben die Musik außerordentlich, und stets versammeln sie sich um die Singenden. Während einer Bause bemerkte ein Araber zum andern: (laßt uns gehen) was wollen wir bei diesem Oiaour (Ketzer)-Volke, diesen (Räubern) tbun?" „Hekuk Llleväi," erwiederte der Andere, „es sind nicht Räuber, denn sie halten Wort; und wenn alle Christen so mit Thaten sprächen, wie diese es thun, V morgen würde ich (Christ) werden." Mit Thaten sprechen, das ist das Gebeimniß. Denn wie soll man den Nnbekehrten den abstrakten Glauben beibrnigen, bevor man sie zu einer wahren Kenntniß ihrer sündhaften Natur (?) gebracht hat. Und geschieht dieses nicht am Besten, indem man sie durch die praktische Civilisation zu einem neuen Menschen erzieht, welcher dann dm früheren Barbaren mit Schrecken betrachtet und leicht zur Kenntniß seines wahren Zustandes geleitet werden kann. Mit dem bloßen Predigen und Disputiren wird selten ein Jude, ein Orientale nie, bekehrt werden. Denn erstens gehört ein außerordentlich gebildeter und in sophistischem Streite bewanderter Mensch dazu, um nur mit dem geringsten Orientalen sich messen zu können, und zweitens ist die arabische Sprache so voll feiner Wendungen und Nuancen, daß sich sel-

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