Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 38-39 (20.9.1866)
- Date
- 1866-09-20
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2447245-2447277--04514-2459973- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
6L6 bereits Schritte zur Abhilfe geschehen sind. In der jüngsten Sitzung des „Board of DeputieS" zu London trug Sir MoseS Montesiore vor, daß ihm hierüber verschiedene Berichte und Depescken zugekommen seien. Sir Moses hat die Sache dem Ministerium des Auswärtigen zur Anzeige gebrächt und um Intervention nachgesucht. Die Regierung hat diese Sache ernstlich in die Hand genommen und ihren Agenten in Persien strikte Verhaltungsmaßregeln anempfohlen. Diese erwirkten dann, daß der Schah das Versprechen gab, mit seinem ganzen Einfluß dafür einzustehen, daß den Juden der nöthige Schutz werde. Auch wurde ein Brief des Präsidenten an die Vorsteher jener Gemeinden, der sie von den Schritten die zu ihren Gunsten unternommen, in Kenntniß setzen sollte, vorgelesen. (Nach dem I. CH.) Donaufürstenthümer. Jassy, 2. September. Bukarest und Bottuschan waren es zuerst, welche die Schauspiele einer Judenverfolgung boten; ersteres wahrscheinlich zu Ehren des Fürsten, der daselbst residirt. Da letzterer jedoch jetzt eine Rundreise durch die Moldau unternommen hat, so wollten die guten Bewohner Jasty's es ihm auch hier nicht an derartigen Schauspielen fehlen lasten. MS nämlich die Ankunft des Fürsten Karl amtlich .angesagt war, beschlosten die Juden unserer Stadt, ihn festlich zu empfangen und ihm eine Deputation Mtgegenzusenden. Wie gesagt, so gethan! In sämmtlichen Gasten, von denen man wußte, daß der Wagen des Fürsten durch dieselben seinen Weg nehmen werde, wurden von 50 zu 50 Schritten auf Säulen ruhende Bogen errichtet, welche, mit Blumen und Lämpchen vielfach geschmückt, transparent verschiedene biblische Sprüche in hebräischer Sprache und eben solchen Lettern trugen, die wieder von Segenssprüchen in moldauischer Sprache umschlungen waren. Die Eingänge aller öffentlichen Kaufläden, die Frontwände der Häuser wurden mit Kränzen und zahlreichen Lämpchen geschmückt, kurz auf Kosten der hiesigen Judengemeinde festlich hergerichtet. So war Alles zum Empfange des Fürsten bereit und noch einige Stunden hatten bis zu seiner Ankunft zu verstreichen. Etwa anderthalb Stunden vor seinem Einzuge in Jassy erschienen Abgesandte desjenigen Adels, den wir hier die Czokois nennen, mit polizeilichen Erlaubnißschreiben in Händen, um die hebräischen Transparente herabzunehmen und sie durch moldauische zu ersetzen. Dies erzürnte die Juden, die Alles auf ihre eigenen Kosten hergerichtet hatten, so, daß sie lieber Alles niederreißen wollten und auch wirklich niederristen und vernichteten, als dies zuzugeben. Alles was früher mit großer Mühe und Sorgfalt hergerichtet ward, wurde jetzt schonungslos zerbrochen, zerrissen, niedergeworfen und in den Gasten liegen gelostem Nun war der Skandal fertig! Das erbitterte Volk fiel wüthend über die Juden her, mißhandelte sie, drang in die Wohnungen derselben ein, vernichtete alles, waS ihm in die Hände kam, die Leute warfen mit Tischen und Bänken, wie mit Gummiballen herum, schlugen Scheiben ein, bombardrrten mit Steinen, kurz wirthschafteten, wie es kaum ärger geschehen konnte. Eine halbe Stunde nach dem Niederreißen der Bogen und anderen Verzierungen erfolgte die Ankunft des Fürsten, der nun, anstatt unter festlich beleuchteten Bogengängen hindurchzufahren, über dieselben, die nun zerbrochen in den Gasten herumlagen, seinen Weg nehmen mußte. Trotz dieser Fatalität wurde er mit Vivatrufen empfangen; während man hier „l^ iriasLö Lsrol^" hörte, erschallte aus anderen Gasten das Jammern und Lamentiren der Juden und das wüthende „1^ moi-sslc^ 2^6an? der erboßten Volksmenge. Der Lärm und die Rauferei dauerte zwei volle Stunden, bis endlich die Serganten die Ruhe, wenn auch mit großer Mühe, wieder herstellten. (F.-B.) Amerika. Ciiretnati. Wir erwähnten unlängst die im Staate Ohio aufgefundenen antiken indianischen Grabhügel, bei denen man Reste hebräischer Inscriptionen gefunden haben will. Wir ersuchten damals unseren geehrten Correspondenten Herrn 1>r. Jllowy um nähere Auskunft, der wir mit der ehesten Post entgegen sehen. Einstweilen entnehmen wir dem „Nederl. Spectator" vom 1. d. M. Folgendes; Es ist nichts Neues, daß man in den amerikanischen Indianern die Nachkömmlinge der verlorenen Stämme des israelitischen Volkes sucht. In neuester Zeit hat folgendes Ereigniß wieder die allgemeine Aufmerksamkeit aus diesen Punkt hingezogen. Man hat, namentlich in New-Sjork, Licking County und in Ohio indianische Grabhügel angetrosfen, in denen sich Steine vorgefunden, die hebräische Inscriptionen enthalten. Der kleinste dieser Steine hat die Gestalt eines Menschenkopfes, der sehr scharf vom Rumpf abgehauen ist, daß kein Rest des Halses sich an demselben befindet; in der Stirne dieses Steinkopses befinden sich fünf hebräische Buchstaben. .Der andere Stein trägt menschliche und thierische Abbildungen, zwischen welchen ebenfalls hebräische Charactere sehr geschickt angebracht sind. Der dritte Stein in herzförmiger Gestalt hat aus jeder Seite eine Inschrift; diese Inschriften lauten: «Der König der Erde;" „das Gesetz des Herrn;" das Wort des Herrn;" der Heilige der Heiligen." Auf einem vierten ist Moses mit den Gesetzestafeln in der Hand abgebildet." Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. — Dampf - Schnellpreffendruck von I. GöttSleben in Mainz. 8. 63? - 640 folgen scsi: nscd 8. 648