Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 38-39 (20.9.1866)
- Date
- 1866-09-20
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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heit, di« M Alter nach Jahrtausenden zählt, dieselbe Art der Entscheidung noch obwaltet, wie sie in den ersten Monden der Schöpfung vorkam? Kain tvdtete den Abel. Mit welchem Schauer füllt diese Erzählung die Kindesbrust! — Und jetzt Jubel und Beleuchtung, wenn die Nachricht eingelaufen, daß Tausende von Menschen das Leichenfeld decken. Blutige Siege sind moralische Niederlagen. Sie zeugen nicht von Cultur und Intelligenz, sondern von einer bedauernswerthen Geschicklichkeit. . Was hat uns Israeliten der Krieg und der Sieg gebracht? Der Krieg brachte Unheil, Beschwerden, Verluste an Hab und Gut, theilweise an Kindern. Der Sieg brachte uns — und hiebei kann ich nur an die preußischen Israeliten denken — vorläufig noch weniger als Nichts. Der Satz scheint paradox, er ist aber eine bittere Wahrheit. -Von CoNzessionen und Beförderungen haben wir noch Nichts gehört, aber auch nicht ein Mal von einer ehrenden Anerkennung. Der Staatsanzeiger spricht sich über das gute Verhalten der Protestanten und Katholiken aus; Juden erwähnt er nicht. Vom rechten Gefühl geleitet, schrieb Dr. Warschauer im rechten Zeitmoment des Sonett „An Deutschlands Fürsten." Zum Kampfe, hieß cs, habt ihr uns gerufen, vergeht uns auch nicht zum Genuß der Siegesfrucht aufzurufen." Die Worte des Staatsanzeigers mußten ein schmerzliches Gefühl in jeder wahrheitliebenden Brust wach rufen. So mancher jüdische Soldat verblutete auf den Gefilden Böhmens für seinen König und sein Vaterland. Es werden uns erstaunliche Beispiele jüdischer Bravour von den christlichen Soldaten erzählt. AuS dem Munde christlicher Offiziere hört man, daß die jüdischen Aerzte mit der größten Selbstaufopferung ihrem Berufe obliegen. Die jüdische Gemeinde der Stadt Posen hat zwei Unglücksfälle zu beklagen. Der eine betrifft den Stabsarzt Dr. Mucker, einen ebenso genialen als liebenswürdigen Mann. Er war hier vor mehreren Jahren Militärarzt und wußte sich recht beliebt zu machen, so daß man ihn für einen Einwohner Posens hält. Als er nach der Schlacht bei Nachod einem Verwundeten den Verband anlegte, wurde ihm von einem Oesterreicher die Kugel durch die Hüfte gejagt. Sein Zustand war lange Zeit höchst bedenklich. Der Fuß mußte ihm amputirt werden. Gegenwärtig ist er außer Lebensgefahr und genießt die Pflege seiner Schwester zu Cottbus. Dr. Zucker ist unverheirathet und hat das Mer von 35 Jahren noch nicht überstiegen. Des zweiten Unglücksfalles Opfer ist der Stabsarzt Dr. S. Oppler. Vorgestern lief hier die traurige amtliche Bescheinigung an, daß er am 1 August bei Brünn von der Cholera weggerafft wurde. Er Hütte allen Kämpfen Leigewohnt. Nach der Schlacht Lei Königgrätz schrieb er das letzte Mal. Eltern und Verwandte wußten lange Zeit nicht um ihn. Es wurden, genaue Recherchen um den Verschollenen angostellt; das traurig« unzweifelhafte Resultat jener Nachsuchung liegt nun vor. Sein Bruder ist Oberstabsarzt in dev Armee; er war von den Oesterreichevn gefangen genommen worden, wurde aber von seinem Regimente befreit. Dr. Oppler ist in Glogau geboren. Seme Ettern zählen zu den angesehensten Familien dieser Stadt. Sein Vater ist eine bedeutende Capacitüt auf talmudischem Gebiete und in allen Zweigen des Wissens gründlich gebildet. O. hat in Berlin feine Studien beendet und sich dann hier niedergelassen. Er war ebenso geistreich wie edel. In seiner religiösen Richtung stand er kernfest auf dem Standpunkt des orthodoxen Judenthums, und machte unter seinen College» eine merkwürdige Ausnahme. Das Beileid um den kaum 30 Jahr alten Stabsarzt ist hier sehr groß. Dr. Warschauer, der mit ihm sehr befreundet war, widmete ihm folgenden Nachruf: Die wir gehofft, Dich jubelnd zu empfangen Mit unsrem tapferen, siegumstrahlten Heere, Ach, tief in uns des Schmerzes Stacheln drangen Ob des Verlustes überwucht'ger Schwere. Als deines Königs Ruf an Dich ergangen Da zogst Du aus mit Deines Geistes Wehre, Es glühte in der Brust dir das Verlangen Sie kühn zu schwingen aus dem Feld der Ehre. Den Brüdern weihst Du treu Dein Herz, Dein Wissen- Da wird der Faden Deiner Lebensreife Urplötzlich von dem Pfeil der Pest zerrissen.- Wohin Dich führten des Geschicks Geleise Schlaf sanft!cs sei Dein Ruhekissen Dein Angedenken in dem Freundeskreise. H. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wie«. Der Regimenlsarzt Dr. Seligmann^ der dem Hauptquartier des Erzherzogs Albrecht zur Dienstleistung zugetheilt war, erhielt den Titel und Charakter eines Stabsarztes. Diese Auszeichnung erfolgte auf direkten Antrag Sr. k. Hoheit des Erzherzogs Albrecht, der noch überdies dem ihm liebgewordenen Dr. Seligmann, welcher während des italienischen Feldzuges und auch noch hier in Wien, stets an feiner Seite sein mußte, ein prachtvolles Geschenk zur Erinnerung an das Jahr 1866 persönlich übergab. Frankreich. Paris. Der „Moniteur" verzeichnet fok-enide Dekorationen, die unseren franz. Glaubensgenossen zu Theil geworden: