Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 38-39 (20.9.1866)
- Date
- 1866-09-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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In der That, wir müssen es sagen, wenn wir auch schon einigemal uns nicht scheuten, das der „Alliance" vorzuhalten, was uns von unserm Standpunkte aus nicht als billig schien, so können wir nicht umhin, diesem großen und mächtigen Vereine alle Anerkennung auszusprechen. Groß ist der Wirkungskreis dieser „Alliance", mit seltener Umsicht wird sie geleitet und unzählig sind die Wohlthaten, die sie dem Judenthume schon erwiesen hat und noch erweist. Wo ein Hilfsschrei auch aus irgend einem Lande der Erde von Glaubensgenossen zum Himmel aufsteigt, da steht die „Alliance" immer in erster Reihe, ihren Einfluß geltend zu machen und zwar noch nie ohne Erfolg. — Dieses haben aber auch unsere Glaubensgenossen in fast allen Welttheilen eingesehen und darum ist die Betheiligung an diesem Vereine eine ungeheure. Mit glied der „Alliance" ist Jeder, der den Jahresbeitrag von 6 Francs entrichtet. In solchen Gegenden, wo die „Alliance" viele Mitglieder zählt, errichtet sie ein Local-Comits, das dem Haupt-Comitb zu Paris untergeordnet ist. Nur in Deutschland ist die Betheiligung eine verhältnißmäßig sehr geringe. Jedoch dürfen wir dabei nicht außer Acht lassen, daß die „Alliance" noch kein Decennium besteht. Wir geben hier nur auszugsweise einen Abriß aus dem Protokoll über die halbjährige Thätigkeit der „Alliance" im Jahre 1866, damit sich unsere Leser einen Begriff von der ungeheuren Thätigkeit dieses Vereins machen können. Die jedesmaligen Geschenke, die dem Vereine von einer Sitzung bis zur anderen geworden sind, übergehen wir. Sitzung am 15. Januar 1866. Vorsitzender Herr Adolph Crsmieux. Neu eingetretene Mitglieder: 9 Personen aus Arad, 1 aus Blamont, 1 aus Bordeaux, 1 aus Carpentras, 1 aus Dellys, 9 aus Galatz, 6 aus Havre, 1 aus Jerusalem, 1 aus Lausanne, 16 aus Luneville, 1 aus Macon, 11 aus Metz, 1 aus Mailand, 12 aus Mostaganem, 1 aus Mühlhausen, 4 aus Neapel, 2 aus Neuchatel, 1 aus Orleans, 9 aus Paris, 2 aus Pfalzburg, 4 aus Remiremont, 1 aus Roviga, 1 aus Russey, 1 aus Saint-Genis d'Hiersac, 1 aus Saargemünd, 1 aus T6mir - Chan - Schura und 1 aus Hverdon. Local-Comitäs sind indessen zu Carpentras, Colmar, Luneville und Neapel errichtet worden Das Bureau berichtet über einen Besuch, derber morockanischen Gesandtschaft, die nach Paris gekommen sei, abgestattet worden. Nachdem man die Gesandtschaft ersucht hatte, dem Sultan dafür im Namen der „Alliance" Dank zu sagen, daß er den Israeliten versprochen habe, sie ebenso wie die Muselmänner zu behandeln und die Gouverneure der Provinzen angewiesen habe, dm Firma», dm er Sir Moses Montefiore gegeben, zur Ausführung zu bringen, wird den Gesandten die Aufgabe der „Alliance" auseinandergesetzt, und die marockanische Regierung ersucht, die von der „Alliance" gegründeten Schulen zu unterstützen. Die Gesandten erwiederten hierauf, daß es der Koran gebiete, Allen ohne Unterschied des Kultus gleiches Recht angedeihen zu lassen und daß der Sultan die Absicht habe, für die Rechte der Israeliten einzustehen. Auch versprachen sie, dem Sultan die Wünsche der „Alliance" zukommen zu lassen. Herr Green, der englische Vice-Consul zu Tetuan, berichtet über den glücklichen Zustand der dortigen jüdischen Schule und verspricht, derselben seine volle Aufmerksamkeit zuzuwenden. Herr Joseph Krieger aus Jerusalem ersucht die „Alliance", dem Pascha zu danken für das Gute, das er den Israeliten während der Choleraepidemie erwiesen; seinem Wunsche wird willfahren. Das Comits zu Constantinopel zeigt an, daß es im Begriffe sei, eine neue Schule zu errichten. Herr M. H. Pinneles aus Galatz zeigt verschiedene Thatsachen, die die Intoleranz des dortigen Stadtraths beweisen, an. Das Central Comits entscheidet, daß es Notiz davon nehmen werde, um später die Regierung der Moldau-Wallachei für Alles haftbar zu machen, was den Juden dieses Landes widerfährt. Verschiedene Vorlagen zur Unterstützung literarischer Thätigkeit werden dem Comitä für Literatur überwiesen." Das Comits zu Schabatz in Serbien ersucht um die Unterstützung mehrerer Israeliten dieser Stadt behufs ihrer Auswanderung nach Palästina, um sich daselbst dem Ackerbau hinzugeben. Die „Alliance" entscheidet jedoch, daß sie erst dann die Einwanderung in das heilige Land unterstützen werde, wenn für die dortigen israel. Einwohner bessere Umstände geschaffen sein werden. Ein ähnliches Gesuch kommt aus Galizien zum Zwecke der Auswanderung nach Amerika. Die „Alliance" zieht hierüber bei dem ComitL zu San-Frauzisco Erkundignngen ein. Ein Mitglied erstattet Bericht über seine Verwendung bei dem Baron von Leffeps, dem Vertreter des tunesischen Bey zu Paris. Der Bey versprach, die Israeliten seines Reiches gegen die Intoleranz und Willkür einiger seiner Beamten zu schützen, wenn ihm die „Alliance" nur ihre Wünsche durch die Vermittelung des Herrn Leffeps zukommen lassen wolle. Herr Leffeps verspricht, seine energischste Mitwirkung für das Wohl unserer Glaubensgenossen zu bethätigen. Das Unter-Comitä für Schulen entwickelt ebenfalls eine sehr ausgedehnte Thätigkeit. Wir erwähnen unter vielen anderen nur beispielsweise: Herr Bernhard Levy, Direktor der Knabenschule zu Tanger erhält eine Gratisication von 500 FrcS. für die gute Leitung, die er der Schule angedeihen