Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1866-09-20 · Heft 38-39 (20.9.1866) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 38-39 (20.9.1866)
Date
1866-09-20
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2447245-2447277--04502-2459961
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

624 das heißt, wenn sie sich der Erlösung würdig gemacht haben werden. Als Symbol für die Erlangung dieser Würdigkeit dienen uns die zwei Bachweidenzweige; in einer Zweiheit existirt jedes Geschöpf; diese Zweiheit ist die Gestalt und der Stoff. Kein Ding in der Welt, das nicht Stoff und Gestalt hätte, sei es das Größte oder das Kleinste — es gibt ebensowenig einen stofflosen wie einen gestaltlosen Körper; jedes Sandkörnchen, jedes Lufttheilchen, jedes Sonnenstäubchen hat so gut seinen Stoff und seine Gestalt wie der Chimborasso oder der Sonnenball; nur wechseln die Begriffe; bei dem Körper ist die Masse, aus der er besteht, der Stoff; die Form, welche diese Masse annimmt, die Gestalt. Die Gestalt verhilst dem Stoffe erst zu seinem rechten Werthe; der Golderzklumpen und der rohe Diamant sind so lange unscheinbar, bis beide die rechte Gestalt bekommen haben, bis ein kostbares kunstvolles Gesäß und der in vollem Glanze strahlende geschliffene Diamant unsere Bewunderung auf sich ziehen. Die Gestalt ist das geistige Princkp am Stoffe; daher wird auch bei den denkenden Wesen die Gestalt durch den Geist wesentlich beeinflußt. Denken und Fühlen, Wollen und Sehnen, Thatkrast und Entschlossenheit drücken dem Gesichte, der Haltung des Menschen einen unverkennbaren Stempel auf, ebenso wie Thorheit, Dummheit, Leichtsinn, Feigheit nicht verfehlen sich der Gestaltung des Körpers, namentlich des Gesichtes aufzuprägen. — Das Vollendetste nun ist ein edler Stoff in edler Gestalt; für Beides sorgt in Israel die Gotteslehre; Gott hat Sich zu seinem Volke die Nachkommen der edelsten Menschen erwählt, die auf Erden gelebt haben; die Reinheitsgesetze, die Speisegesetze, die Ehegesetze, die Sittlichkeitsgesetze, die Vorschriften über Schamhaftigkeit und Enthaltsamkeit erhalten den Stoff stets so, daß er befähigt bleibt für die edle Form; die göttliche'Gebote 1s 2V2W N-1122 ,s1M N212,2'21!2' 2'2'1 N1N2N N2NX ,2X1 2X 112'2 ,N11N "712^ und viele andere prägen das 2N1-X 2?2t das göttliche Siegel der gottgeweihten Form auf das Antlitz des frommen Israeliten. Wann Form und Stoff, N*111t1 IQIi^l gemeinsam die höchste Vollkommenheit erreichen würden, dann wird der Erlöser nicht mehr auf sich warten lassen: NH er ist da, wann sie da sind. — Möchten wir da sein, möchten wir uns der Erlösung würdig machen und, indem wir den Feststrauß des Hüttenfestes in die Hand nehmen, erstreben: wahrhafte Gotteserkenntniß, Sieg über die Sünde, WiederarHbau des Heiligthums und endlich vollkommene Erlösung, der keine Verbannung, keine Unterdrückung mehr folgt, die vielmehr Israel und die Menschheit beglückt bis ans Ende der Tage! — Miletin der „Älliance Israettte Universelle" v-m ersten Semester 1866. Wenn das Vaterland bedroht, wenn der Feind die Grenze überschreitet, wenn die Bewohner der äußersten Ostgrenze von dessen mobilen Kolonnen heimgesucht, dann ist Jeder ein schlechter Bürger, der dem bedrohten Vaterlande nicht zu Hilfe eilt; dann darf selbst der letzte Grenzer des äußer stens Westens nicht gleichgiltig bleiben, sondern er muß alle seine Kräfte dem Gesammtvaterlande zur Verfügung stellen, um dem Eindringen des Fremdlings Schranken zu setzen. Wer in solchen Momenten höhere Interessen kennt, als die, zu den Waffen zu eilen und mit dem Einsätze seiner ganzen Persönlichkeit, mit der Aufopferung von Gut und Blut für das Wohl der Gesammtheit einzustehen, der ist ein Pflichtvergessener. Wer aber in solchen Zeiten den Pflichteifer Anderer das thun lasten will, woran ihn dieselbe Pflicht bindet, der ist nicht minder tadelnswerth. — Wenn unsere Glaubensbrüder in den entlegensten Zonen dem Gotte unserer Väter treu ergeben sind, wenn ihr religiöses und materielles Leben in jeder Beziehung ein glückliches genannt zu werden verdient, empfinden wir dann nicht dieselbe Freude darüber, als wenn es unsere nächsten Nachbarn, unsere besten Freunde und Bekannte wären, trotzdem sie Tausende von Meilen von uns entfernt sind, trotzdem wir vielleicht von ihrer Existenz keine Ahnung hatten? Erfahren wir hingegen betrübende Nachrichten von den „Verlorenen in Assyrien" und den „Verstoßenen im Lande Mizraim", ist es um ihr Wissen und ihre Kultur schlecht bestellt, fehlt ihnen die Kenntniß der religiösen und weltlichen Wissenschaft, ist ihre bürgerliche Existenz, ihr rechtschaffener Besitz, das Höchste und Theuerste des Menschen auf Erden, die Aüsübug des freien Willens, ist ihre Religion in Gefahr, läßt uns dann nicht derselbe elektrische Funke inniger Zusammengehörigkeit die Hände über den Kopf zusammenschlagen, wenn wir ohnmächtig sind, ihnen helfen zu können? Wie Viele unter uns würden bei solchen Gelegenheiten nicht Alles auf's Spiel setzen, wenn sie wüßten, daß ein Unternehmen zu Gunsten der Bedrückten Erfolg haben könnte! — Ein solches Unternehmen, ein gemeinsames Schutz- und Trutzbündniß existirt nun und arbeitet fortwährend mit großem Eifer und mit noch größerem Erfolge. Die „Alliance Jsraelite" ist es, deren Aegide das Wörtchen -in trägt, unter welchem sich jüdische Männer kräftig die Hände reichen und sich gleichsam verbünden über den ganzen Erdenball, ihrm Bund auszudehnen und sich brüderlich die rettende Hand zu reichen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.