Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 37 (12.9.1866)
- Date
- 1866-09-12
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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615 arme Iehudim in den Vorhallen und Höfen, verzehrt von der Sonnengluth und cngzusammengepreßt, beten zu sehen. — Ja, diese Armen sind Regengüssen ausgesetzt und können sich nicht anders schützen als durch das Vordrängen zur Vorhalle, wo sie dann sicher vom Regen in die Traufe kommen. Ein solcher Anblick kann selbst bei dem Nichtisraeliten keinen günstigen Eindruck machen und ruft allenfalls mehr als OL/sl hervor. — Es wäre darum an der Zeit, daß auch hierfür etwas geschehe, und daß der arme gänzlich unbemittelte Bruder auch Ort und Gelegenheit erhalte, wo er um diese so ernste Zeit ohne große, für ihn unerschwingliche Opfer, sein Herz und Gemüth vor Gott dem Allvater in Andacht ergießen kann. ES ist unser innigster Wunsch, daß diese unsere wohlmeinenden Winke zur Abhilfe anregen mögen. W. S. Pax. England. Korrdon Zu unserem größten Vergnügen, sagt das „Iew. Chron.", können wir berichten, daß die Cholera in unserer Stadt im Abnehmen begriffen ist. In der jüngsten Woche kam den Aerzten des „Board of Guardians" nur ein Cholerafall vor, der jedoch glücklich vorüber ging; die Patientin, eine Frau im Alter von 34 Jahren, ist wieder hergeftellt. Auch die Diarrhoe hat abgenommen. Danken wir dem Weltenlenker dafür. — Persien. Teheran. Der „Lincoln Mercury" bringt folgende Depesche: — „Dre muhamedanischen Einwohner Masanderans in Persien metzelten einen großen Theil der jüdischen Bevölkerung jener Stadt während des MoharremfcsteS nieder und zwangen den Rest, zum Islam überzutreten." — Wenn diese Nachricht in der erwähnten Depesche nur vereinzelt stünde, wäre sie auch von den fanatischen Schiiten Persiens, unter deren Priester Thomas Moore seinen „Veileck kropllvt" gesunden, den er selbst beichten läßt: „^Vllerv nons dut xrissts srs privüsAeck to Iracke" „In ttrat irest raartcks ok vvlliod Ooäs arv vattäe," wohl zu glauben. Haben wir doch erst unlängst zu berichten gehabt, wie die dortige Behörde unrechtmäßigerweise die Vorsteher der jüdischen Gemeinde zu Hamadan mißhandelte und wie dieselben erst durch den Einfluß Sir MoseS Montefiore's ihre Freiheit erlangen konnten. Um jedoch die traurige Wahrheit und den Hergang dieser Schreckensscene naher zu beleuchten, führen wir hier eine Correspondenz des „Hamagid" aus Bagdad in wörtlicher Uebersetzung an: „Bagdad in Babylonien den 22. Thamus 5626." Geehrter Herr Redacteur des „Hamagid!" Vor ungefähr drei Wochen erhält der ehrenwerthe Herr Jizchack Lurejah Aschkenasi, der Präsident des Local-Comite's der „Allianc kSr. univ." ein Telegramm aus der Hauptstadt Teheran, in welchem gesagt ist, wie unsere Glaubensgenossen zu Masanderan in der größten Gefahr schweben und wie sie sich in ihrer Seelenangst nach Hilfe sehnen. Herr Aschkenasi hat sofort nach Paris telegraphirt und die Alliance von dem Vorfall in Kenntniß gesetzt, ebenso berichtete er denselben Herrn Kamondo in Konstantinopel Dieser Tage nun erhielten wir folgenden Bericht aus dieser unglücklichen Stadt, den ich den Lesern des „Hamagid" hier wies dergebe: Brüder aus dem Hause Israel! Höret! Am sechsten Tag deS dritten Monats nach dem Auszuge aus Egypten gab der Heilte, gelobt sei Er, Israel die Thora und an eben diesem Tage desselben Monats, dem ersten Wochentag nahm er sie wieder der Stadt Masanderan. Unter Vorschub einer erdichteten Verleumdung überfielen uns die muhamedanischen Perser, ein Volk, dessen Grausamkeit und Frechheit keine Grenz« haben. Was sollen wir sagen, was reden, womit unS rechtfertigen? Wehe, wehe uns, wehe unseren Seelen, daß wir mit unseren eigenen Augen gleichsam eine Tempelzerstörung ansehen mußten und es nicht verhindern konnten, wie vor unseren Äugen die heilige Thora entwürdigt worden, denn wir sind wie Waisenkinder, wie Schafe ohne Hirten. Folgendes war der Anlaß zu dem unglücklichen Ereigniß. Am Freitag, dem vierten Sivav, kam ein Muselmann mit seiner kranken Tochter in das Haus eines Juden. Er kaufte dem Juden einen Gegenstand ab und gab ihm 3 Kronen dafür. Nachmittags kamen die Käufer wieder zurück und verlangten ihr Geld wieder, indem sie Vorgaben, den Gegenstand nicht behalten zu wollen. Der Jude gab sofort das Geld zurück. Der Käufer jedoch suchte Händel, indem er sagte, dies sei nicht sein bezahltes Geld. Mittlerweile warf er dem Juden vor, er habe seine Tochter geschlagen und auch diese begann fürchterlich zu schreien und die Aussage ihres Vaters mit den beredtesten Mienen zu unterstützen, so daß ihm der arme Jude in seiner Angst sofort noch drei andere Kronen geben wollte. Der Ränkesüchtige nahm jedoch das Geld nicht, trotzdem drei bis vier nichtjüdische Nachbarn herbeikamen und aussagten, der Jude habe das Mädchen nicht geschlagen und er habe gar keine Ursache sich zu fürchten. Der Muhamedaner war indessen nebst seiner Tochter zu den Stadrichtern, die die Iudcn hassen, gegangen und hatte hier seine erdichtete Klage vorgebracht. Der Richter froh darüber, einmal eine Gelegenheit zu finden, um über die armen Juden herzufallen, ließ sofort die Judengemeinde vor sich kommen und beschuldigte sie.