Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 37 (12.9.1866)
- Date
- 1866-09-12
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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616 Ne Tochter des Muhamedaners geschlagen zu haben. Vergebens stellte man ihm die Lügenhaftigkeit dieser Angaben vor, vergebens erzählte man ihm den ganzen Hergang der Sache. Der Richter sagte: Sicher habt chr das Mädchen geschlagen, jedoch sollt ihr heute nicht ^straft werden. Zu dem Muhamedaner sagte er, er solle seine Tochter zu den Aerzten bringen und ihre Wunden untersuchen lassen, damit die Juden die Strafe gehörig dafür zahlen. Wie groß war jedoch der Schreck der Juden, als es des andern Morgens hieß, die Tdchter sei gestorben. Sofort kamen auf Befehl des Richters wenigstens zweitausend Bewaffnete und -länderten und beraubten die Juden. Um sich vor dem Tode zu retten, entrichteten die Juden große Geldsummen. Trotzdem konnten sie sich der schrecklichen Muselmänner nicht erwehren, deren Anzahl sich bereits auf drei Tausend vermehrt hat, und die täglich ihre Drohungen erneuern. Am Samstag noch sagten sie den Juden, entweder nehmt ihr den Islam an oder ihr seid Alle des Todes. Wiederum wurde ein großes Lbfegeld dargeboten, während die ganze Gemeinde fastete und betete, denn sie wollte nicht das Gesetz Mosts und ZSraelS aufgeben. Sonntag Morgens jedoch , an dem Tage der Gesetzgebung brachen über 3000 bewaffnete Wütheriche in die Häuser der Juden ein, zerstörten Alles und mordeten und plünderten ohne Erbarmen. Als unsere Glaubensgenossen sahen, daß sie Alle des Todes feien, ließen sie sich zwingen, den Islam anzunehmen. Als dies die Fanatiker hörten, freuten sie sich sehr, und ein Jeder führte so viel Juden als er nur Eonrtte zu dem Kadi, um sie in die Religion ausnehmen zu lasten. Darüber nun weinen wir und deßhalb überströmt unser Auge in Thränen, wehe uns und wehe unserer Seele! Was wird unser Ende sein? Wie Schlachtvieh sind wir in der Gewalt grausamer Barbaren. Vor unseren Augen wurde die heilige Thora entweiht und gleichsam der Gottestempel zerstört. Wir wenden uns nun in unserer Angst an den „heiligen Verein" und an jeden der diese Schreckenskunde liest, für uns, die 3,000 jüdischen Bewohner Masanderans, die sämmtlich an einem Tage ihre angestammte Religion öffentlich aufgeben mußten, für uns um Barmherzigkeit zu stehen. Und nun ihr Häupter in Israel, wenn ihr die Macht habt, uns und unseren Glauben zu retten, so thut es um Gottes willen, der alle eure Herzenswünsche erfüllen wird, so daß ihr die Wiederkehr in unser Land erleben werdet. Wir aber und unsere Frauen und Kinder werden die Zipfel der Gewänder vor unseren Vätern Abraham, Jizchak und Jacob küssen, daß ihr euer Möglichstes thun werdet, um Gottes Namen willen, der unter den Völkern entweiht worden. O, wollet uns aus den Händen dieser Tyrannen befreien! Es wird euch nicht unbekannt sein, was sie vor 150 Jahren in Habtis (?) gethan haben, wie sie dort Tausende unserer Brüder ermordet haben, und wie einst in Morocko die Gemeinde hingeschlachtet und zum Religionswechsel gezwungen wurde und wie 25 Jahre früher dasselbe Schicksal die Juden zu Chorasan und in fünf anderen Städten erfahren. Wir hofften aus Frieden, ohne ihn erlangen zu können, auf Linderung und sehen nur größeres Unglück. Wir vertrauen auf Gott und auf das Verdienst des „heiligen Vereins," daß uns aus der Hand des Senior Jizchak Crsmieux und Senior Moses Montefiore und des Rabbinen Nathan Adler, des Priesters, Rettung werde. Möge Gott ihre Tage und die Tage ihrer Kinder und Enkel in Sicherheit und Friede dahin gehen lass«. Dies sind die Worte der Bedrängten und Bedrückten, der Männer Masanderans. Folgen die Unterschriften der Gemeindevorsteher. Sicher werden unsere Brüder in Frankreich und England und vor Allen die thatenreiche „Alliance" ihren gewichtigen Einfluß geltend machen, um den Armen zu helfen. Nachschrift. Aus Laupheim geht uns beim Schluffe des Blattes eine Berichtigung der in voriger Nummer enthaltenen, aus Mergentheim datirten Correspondenz zu. Es freut uns mittheilen zu können, daß die in der Redaktionsbemerkung ausgesprochene Hoffnung sich bestätigt hat. Auf Anrathen des Herrn Rabbiner Wälder wollten die Jubilars die Feier im stillen Familienkreis begehen, was jedoch durch einen eigens von Amerika herüber gekommenen Sohn geändert wurde. Ein Umzug fand nicht statt; nur einige Freunde begleiteten den Jubelgreis in die Synagoge. Daß Schibeah Berachoth gesprochen worden, ist völlig aus der Luft gegriffen; ebenso was über Siblonoth berichtet wurde. Wir ersuchen ergebenst unfern Herrn Correspondenten, uns künftighin nur solche Dinge mittheilen zu wollen, von deren Wahrheit er sich vorher überzeugt hat. . I. , »WM u. .M-M—M— M L L I « L «. Aür einen jungen Mann, Israelit, der mit Comptoir- O Arbeiten vertraut, aber auch zum Reisen verwendet werden kann, ist in einem Modewaarengeschäst ou xros eine Stelle offen. Gute Zeugnisse sind erforderlich. Auskunft ertheilt auf Franco-Anfragen vub Nr. 597 die Exped. d. Bl.