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Der Israelit · 1866-09-12 · Heft 37 (12.9.1866) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 37 (12.9.1866)
Date
1866-09-12
Page
– (sequence 11)
Language
German
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613 len sie vor Allem die Polizei in Prag irr.e, indem sie sich als Verlustträger ves LooseS Nr. 63,849 gerirten, eine Verlustanzeige erschlichen und selbst das Wiener Landesgericht mit einem Amortisirungsgesuche behelligten. Ja die Amortisirung wurde in Folge des kühnen Auftretens der angeblichen Verlusttrager am 18. Juli 1865 nach Ablauf der einjährigen Ediktalfrist ausgesprochen. Schon sah sich Luditzky und Podlibsky im Besitze des Amortisationsscheines, mit welchem in der Regä die Auszahlung so viel als gesichert ist. In der Thal erschienen sie auch bei der Salrn'schen Hauptkaffe, allein der Centraldirektor Ludwig Walther, welcher von dem Prager Wechselhause Lämel über das verdächtige Benehmen des Luditzky uud Podlibsky einen Wink erhalten hatte, verweigerte die Auszahlung auf Grund des AmortisationSscheines und verlangte den Nachweis des Besitzes. Während nun Luditzky und Podlibsky in Folge dieses neuen Hindernisses durch den Advokaten Dr. Müller gege« die Salm'sche Kaffe einen Civilprozeß anhängig machen wollten, meldete sich der Preßburger Verein und Luditzky und Podlibsky, die bereits von der Theilung der Summen geträumt hatten, wurden verhaftet und des Betruges angeklagt. Heute standen beide vor Gericht. Nach Abhörung der Generalien folgt das Verhör des Wenzel Luditzky, während Franz Podlibsky einstweilen abgeführt wird. Präs.: Es liegt gegen Sie die Anschuldigung vor, daß Sie das Loos nie besessen, und daß Sie durch Ihre Umtriebe den wahren Besitzer um 40,000 fl. bringen wollten. Ich frage Sie noch einmal, haben Sie das Loos besessen. Ang. Luditzky: Ich kann es mit Bestimmtheit sagen, denn im Jahr 1862 habe ich's gekauft von einem vazirettden Forstmanns. Präs.: Welche Nummer hat's gehabt? Luditzky: (ohne sich zu besinnen) 63,849. Präs.: Woher wissen Sie das? — Lud.: Ich habe mir*s in meinem Notitzbnche angemerkt. Präs.: Was haben Sie für das Loos bezahlt? — Lud.: 28 Gulden. Präs.: Wußten Sie gewiß, daß es die Nummer 63,849 hatte? Lud.: Ich habe es bisher immer behauptet und bin auch jetzt noch dieser Ansicht. Präs.: O nein, in der Voruntersuchung, als Ihnen vorgehalten wurde, daß der Verein „JHoras- Cheffed" in Preßbnrg Dieses Loos seit dem Jahre 1858 ununterbrochen besitze, erklärten Sie: „ES kann sein, daß ich mich in der Nummer geirrt habe." — Lud.: Nein, ich war in diesem Punkte ganz sicher. Präs.: Waren Sie immer sicher? — Ludw.rJa. Präs.: Aus einem Briefe, den Podlibsky an Sie am 4. Mai 1865 schrieb, geht hervor, daß Sie Ihrer Sache nicht sicher waren. In diesem Briefe heißt es: „ ... Es wäre sehr unklug, wenn Du das in Verlust gerathene Loos nicht amortisiren ließest. Du sagst, daß Du Dich auf die Nummer nicht zu erinnern weißt. Ich weiß es aber gewiß, denn ich habe es mir damals in Petrowitz sehr genau aufgemerkt. Wenn Du willst, werde ich Dir die «öthigen Behelfe einschicken, jedoch nur nnter der Bedingung, daß Du meiner gedenkst. Dein Freund Podlibsky." — Lud.: Damals war die Nummer meinem Gedächtnisse entschwunden, weil ich im Notizbuche nicht nachgeschaut hatte. Präs.: Worauf bezieht sich der Name des Ortes Petrowitz? — Lud.: In Petrowitz war es, wo ich Podlibsky das Loos zum Verkaufe übergab. Präs.: Also Podlibsky hat das Loos gesehen? — Lud.: Er hat es sogar acht Tage lang bei sich gehabt und da er es nicht an den Mann brachte, mir es wieder zurückgestellt. Präs.: Ich sehe nicht ein, was der Verkauf eines Looses für Schwierigkeiten bereiten sollte, der erstbeste Wechsler kauft ja das Loos nach dem jeweiligen Course. — Lud.: Das weiß ich nicht. Präs.: Das merkwürdigste bei diesem Loose ist, daß sie dasselbe, nachdem Ihnen der Verlust schon bekannt war, an die Frau Zellinek und an Podlibsky um 33 fl. verkauften und sich mittelst Vertrag vom 2. Mai 1164 den dritten Theil des allfäüigen Gewinnstes zusichern ließen. Wie konnte es der Frau Jellinek und Podlibsky einfallen, eine solche Bedingung mit dm Kauf zu nehmen, umsomehr, als sie um 28 fl. ein Originallos in jeder Wechselstube kaufen konnten? — Lud.: Ich kann nichts Anderes sagen. Präs.: Mir scheint, daß es Ihnen nur um die Erlangung des Geldes zu thun war, um die Kosten für die Amortisirung zu bestreiten? — Lud. Das nicht ich habe Geld gehabt. Präs.: Sie haben das verlorene Loos in die „Prager Zeitung" einschalten lassen, dabei ereignete sich aber der sonderbare Zufall, daß Sie viel später die Nummer in 63.849 umwandelten und die alte Nummer wiederrusen ließen? — Lud : Es war ein Druckfehler unterlaufen. (Heiterkeit) Präs.: Damals konnten Sie wohl schon aus den Zeitungen wissen, daß das Loos gezogen worden, den Haupttreffer gemacht und bisher nicht eingelöst worden sei. — Lud.: Ich habe nie Zeitungen gelesen. (Heiterkeit) Präs.: Sie behaupten also, das Loos besessen zu haben, während aus den Erhebungen das Gegentheil hervorgeht? — Lud.: Ich kann nichts Anderes sagen. Präs.: Es scheint, daß Sie nicht der Einzige waren, der auf die Idee gekommen ist, den Besitz dieses LooseS und dessen Verlust zu behaupten, denn eS haben bei dem Wechsler Lämel in Prag eine Menge anderer Personen angefragt ob das Loos schon eingelöst sei. — Lud.: das weiß ich nicht.

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