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Der Israelit · 1866-09-12 · Heft 37 (12.9.1866) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 37 (12.9.1866)
Date
1866-09-12
Page
– (sequence 9)
Language
German
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VII. Jahrgang. Beilage zu Nr. 37 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Preußen. Berlin, den 3. Sept. Die neue Synagoge wird Mittwoch, den 5. d. M., Vorm. I N/, Uhr eingeweiht werden. Seine Majestät, der König, hat die Betheiligung an der Einweihungsfeier abgelehnt; der Ministerpräsident, Herr Graf von Bis mark, hat zu erscheinen verheißen. Eine Zeit lang war die Rede davon, daß für die Einweihungsfeier ein auswärtiger Prediger berufen werden sollte, da man sich der geringen Befähigung des neuerwählten hiesigen, einem so großen und gewählten Publikum gegenüber schäme; allein man scheint wieder davon abgekommen zu sein. Die „Vossische Zeitung" vom 1. Sept. enthält folgendes „Eingesandt": „An löbl.Vorstand und Repräsentanten der hiesigen jüdischen Gemeinde. Die jüngsten Gemeindewahlen haben gegen uns entschieden. — Von gegnerischer Seite wurde oft hervorgehoben, daß unsere Behauptungen Verleumdungen seien; es solle gegen Niemanden Gewissenszwang geübt werden, u. s. w., ü. s. w. Wohlan! Die Zeit zum Beweisen »st da. Den Siegern mag der Löwenantheil bleiben. Mögen sie die neue Synagoge, die fast eine Million kostet, nebst dem gewählten Prediger für sich behalten imd sich nach Belieben einrichten. Die alte Synagoge hingegen wollen sie uns unangetastet lassen, und Falls darin ein Prediger wirken soll, so erbitten wir einen solchen, der unfern Ueberzeugungen Rechnung trägt. Sollen wir, um nicht wieder verletzende Worte von der Kanzel zu vernehmen, während der Predigt das Gotteshaus verlassen? Noch kann eine Spaltung der Gemeinde vermieden werden." Berlin, 5. September. Soeben komme ich aus der neuen Synagoge — sie ist eingeweiht. Die isr. Gemeinde zu Berlin hat mit ihrer gr oßen Vergangenheit gebrochen; sie nimmt von dem Alten Nichts mit hinüber in das neue Gebäude; unser ehrwürdiger Rabbiner Herr Elchanan Rosenstein und unser gottesfürchtiger, weltberühmter Cantor Herr Lichtenstein '"w haben es abgelehnt, der Einweihung des neuen Orgelhauses anzuwohnen und werden keinerlei Functionen in demselben übernehmen. Dafür hat das neue, prachtvolle Gebäude, das mehr als 600,000 Dhaler gekostet hat, seinen Hauptschmuck in einem alten Neuzeitler gefunden — um Herrn vr. Joseph Aub wird kein Mensch es beneiden. Es war ein gewaltiges Gepränge entwickelt worden; das große Haus war gefüllt bis ans den letzten Platz; es wimmelte förmlich von vornehmen Herren und Damen sowohl jüdischer als chr istlicher Confessio»; ich will Ihnen nur einige Namen nennen. Da zog vor Allem Seine Excelleuz, der Herr Graf von Bismark, unser Premierminister, dessen Name wohl, wie kein anderer, in aller Welt Munde lebt, die Blicke auf sich; dann der alte volksthümliche Feldmarschall Gras von Wrangel, Fürst Boguslaus von Radziwill, der Gouverneur von Berlin Graf Waldersee, der Commandant von Berlin General von AlvenSleben, der Finanzminister Freiherr von derHeidt, der Cultusminister von Mühl er, der Minister des Innern Graf Enlenburg, der Polizeipräsident von Bernuth und viele andere hohe Würdenträger, die sämmtlich in großer Gala-Uniform der Feier anwohnten; nur der alte Vater Wrangel erschien in der Fewuniform, die er während des jüngsten Krieges getragen hatte. Außerdem waren der Ob erb Ärgernis ist er von Berlin, die Mitglieder des Magistrats und der Stadtverordneten erschienen, die särnmtl ch ihre großen goldenen Amtsketten umgelegt hatten. Von Abgeordneten bemerkte man von Blankenburg, von Vaerst, Stavenhagen, Neichenheim und andere. Von der Feier ist nicht viel zu erzählen; die schon oft beschriebenen Synagogenweihen gleichen einander vollständig; nur sei bemerkt, daß And statt der vorgeschriebenen Berachah 2'v2.-n die nichtvorgeschr:ebene sprach; wahrscheinlich aus Unwissenheit, denn, wenn das eine Reform sein sollte, so wäre es doch zu lächerlich. Die Gesänge waren vom Chordirig nten, dem Königlichen Musikdirektor Lewaudowski meisterhaft componirt. — Was eigentlich den CulminationSpunkt der Feier bilden sollte — die Predigt, so ist nach den trefflichen Berichten, welche die jüngsten Nummern des „Israelit' über diesen Prediger gebracht, wenig hinzuzufügeu. Selbst Diejenigen, welche Aub gewählt haben, batten ihre Erwartungen so niedrig gespannt, daß sie sich noch in der zwölften Stunde mit dem Gedanken trugen, vr. Geiger von Frankfurt a. M. zur Vornahme der Einweihungsfeier kommen zu lasten, was jedoch am Widerftarde der Repräsentanten scheiterte; daß aber diese Festpredigt so nichtssagend, langweilig und eintönig ausfallen würde, daß der Prediger in so ausgedehntem Maaße zum Gähnen anregen würde — das hatte Niemand erwartet. Kern Wort, das zu Herzen gedrungen wäre, außer der

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