Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 37 (12.9.1866)
- Date
- 1866-09-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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607 Leichensteinen, sie mögen in deutscher oder hebräischer Sprache aufgefaßt sein, die Vorderseite nie die christliche Jahreszahl enthalten dürfe, weßhalb sie denn gewöhnlich auf der Rückseite angebracht ist. Diese Anordnung ist nach einer vorgefallenen Streitigkeit auch durch ein Conclusum des Senats vom 20. Juni 1836 anerkannt; doch darf die Gemeinde in Contraventionsfällen die ordnungswidrigen Steine nicht eigenmächtig entfernen oder umsetzen lassen, sondern sie hat die Abhilfe beim Senat nachzusuchen. Pflanzungen an den Gräbern werden geduldet, doch sollen es keine duftende Blumen oder gar Fruchtbäume sein. Die Armen in Stadt und Vorstädten sind in sieben Districte getheilt, deren jeder einen Armenpfleger hat. Die Unterstützungen bestehen in Wochengeldern, momentanen Gaben, und Bewilligungen für verschämte Arme und Hauskranke. Die Wochengelder belaufen sich jährlich auf achtzehn bis zweiundzwanzigtausend Mark, und die Empfänger waren nach der 1848 aufgenommenen Uebersicht — siebenundsiebenzig Ehepaare, 123 Wittwen, 159 bei diesen lebende unmündige Kinder, vierundsechszig unverheirathete Personen, zusammen 527 Seelen auf 291 Abhörungsbogen. Von den Erwachsenen zählten achtzehn unter vierzig Jahre, neunundfünfzig von einundvierzig bis fünfzig, zweiundneunzig von fünfzig bis neunundfünfzkg, vierzig von sechszig bis vierundsechszig, vierundfünfzig von fünsundsechszig bis neunundsechszig, sechsundvierzig von siebenzig bis vierundsiebenzig, zweiunddreißig von fünfundsiebenzig bis neunundsiebenzig, siebenundzwanzig von achtzig und darüber. Diese Wochengelder werden auf den Bericht des Armenpflegerö in Sitzung des Collegiums bewilligt, und das Maximum beträgt vier Mark wöchentlich für eine Familie. Alle drei Jahre findet eine allgemeine Revision sämmtlicher Unterstützungen statt. Die Pfleger beziehen ihren Geldbedarf wöchentlich durch Anweisungen auf die Casse der Armenanstalt, welche sich ihrerseits wöchentlich von der Gemeindecasse deckt. In geeigneten Fällen werden neben oder statt der Unterstützung von der Armenanstalt Bürgschaften bei der Vorschußanstalt geleistet. Verschämten Armen darf jeder Pfleger vorläufig bis vier Mark in einer Woche oder fünfzehn Mark in einem Quartal zuwenden, hat dies aber in der nächsten Versammlung zu justificiren. Einmalige Unterstützungen bis zu dreißig Mark können durch die beiden Präsides und noch höhere durch den Gemeindevorstand bewilligt werden. Die Hauskrankenpflege (jährlich Mark 5000— 6000) wird durch zwei Aerzte und einen Wundarzt besorgt, welche unter Beistand des Armenpflegers Krankengeld, Medicamente, Hilfsmittel und nötigenfalls auch einen Krankenwärter verordnen. Bei langwierigen Avanpheiten erfolgt der Transport ins Krankenhaus der Gerstelnde; das Wochengeld wird der Familie, wenn sie dessen bedarf, fortwährend zugetheilt, für Geisteskranke zahlt die Gemeinde, da das israelitische Krankenhaus für dieselben keine Einrichtung besitzt, Kostgelder an das allgemeine Krankenhaus in St. Georg. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten nnd Correspyndenzen. Deutschland. Nus Unterfrauke«. Gewiß haben schon viele Leser des Israelit die Geschichte des Herostratus gehört, welcher die Brandfackel in eines der berühmtesten Bauwerke des Alterthums warf, um sich durch Zerstören den Ruhm zu sichern, den er durch Aufbauen nicht zu erringen vermochte. — Sie fragen, wie ich auf diese Geschichte komme. — Sie fällt mir manchmal unwillkürlich ein, wenn ich gewisse, sogenannte jüdische Zeitblätter in die Hand bekomme, die, weil sie weder Kraft noch Willen haben, etwas zum Heile des Judenthums zu schaffen, alle erdenklichen Anstrengungen machen, das bestehende oder werdende Gute zu zerstören. Gewiß ist die israelitische Lehrer-Bildungsanstalt zu Würzburg eine der erfreulichsten Erscheinungen der jüdischen Gegenwart, weßhalb dieselbe sich auch .-«"2 immer mehr der Anerkennung der hohen Behörden und des wahrhaft jüdischen Publikums zu erfreuen hat. Es gibt aber viele Leute, welche nicht nur Allem, was der Erhaltung unserer Religion förderlich ist, feindlich sind, sondern die auch die solchen Zwecken zugewandten Mittel lieber den von ihnen herausgegebenen Tendenzschriften zuführen möchten. Diesen Menschen ist das Würzburger Seminar ein Dorn im Auge; sie ahnen mit richtigem Instinkte, daß nichts geeigneter ist, ihre feindseligen Absichten auf das Judenthum zu vereisten, als eben diese Anstalt. Darum reißen fie von Zeit zu Zeit eine Gelegenheit vom Zaume, um gegen diese segenverheißende Anstalt anzukämpfen. Weil ihnen aber hierzu das Material gebricht, so nimmt man seine Zuflucht zur gröbsten Lüge und Entstellung. Ein eklatantes, aber für die Anstalt sehr glücklich gewähltes Beispiel solchen Gebahrens bietet „der israäiüsche Lehrer" in seiner Nummer vom 2. August. DaS Blättchen läßt sich von seinem Correspondenten eine Nummer der bayerischen Schulzeitung schicken, worin das Ergebniß der Prüfungen an den Schullehrer-Seminarien zu Altdorf und Würzburg pro LASS mitgetheilt wird. Dieser Mittheilung gemäß wurden am K. Seminar zu Würzburg auch fünf Israeliten geprüft, welche die vorletzte und letzte Note erhallen haben. DaS, meint der Correspondent