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Der Israelit · 1866-09-05 · Heft 36 (5.9.1866) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 36 (5.9.1866)
Date
1866-09-05
Page
– (sequence 14)
Language
German
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SSL waren. Dies benutzten die Weisen. Sie schickten nach einem anderen Orte in der Nähe und ließen von dort eine Todtenbahre herbeibringen. Man nahm den Leichnam auf und trug ihn nach dem Grabe des Vaters. Ms man jedoch an den Eingang der Höhle kam, da lag eine Schlange geringt um dieselbe, den Schweif mit dem Munde haltend, und wollte Niemanden einlassen. „Schlange! Schlange!" sprachen die Weisen, »öffne den Mund und thue den Ring auf und laß den Sohn znm Vater ein!" — Die Schlange gehorchte und öffnete sich, und man brachte den Sohn zum Vater. — Die Frau aber lebte dem Andenken ihres Mannes bis zu ihrem Tode. — Wohl bewarb sich noch mancher hochachtbarer Mann um sie, aber sie wies sie alle zurück; selbst den so hochberühmten Schriftgelchrten Iehuda Hannasie, der durch seine hohe Stellung, seine Gelehrsamkeit, seinen Reichthum, sowie durch sein Ansehen bei dem römischen Kaiser alle Andere überragte, und dem sogar wegen seiner frcmmen Ergebung in herben Leiden der Beiname: „Der Heilige" beigelegt warb. — „Es ziemt sich nicht," sagte die treue Gattin, „heilige Geräthe zu entweihen, - und an den Nagel, an welchen der edle Herr seine Waffe gehängt, darf der niedere Hirt seine Tasche nicht hängen. — Ob Elasar mehr oder weniger gelehrt M Andere war, weiß ich nicht; aber Das weiß ich, daß in Büßfertigkeit und Opfersreudigkeit Keiner ihm gleich kommt." — Eine Episode ous dem jüdischen Gemrm-eleden Berlins im vorigen Jahrhundert. Berliner Blätter enthalten folgende Erzählung: Der jüdische Gottesdienst — da wo er noch aus religiösem Gefühlsdrange hervorging und die Beihäuser nicht bloße Prunkgcbäude, lediglich der Prahliucht und der Nachäffung dienten — charakterisierte sich stets durch seine Einfachheit, sowohl in der Form, als indem Wesen. Wo ein öffentlicher Gottesdienst gehalten wurde, fand er seinen Ausdruck in ernstem und inbrünstigem Gebete, welches theils von den versammelten Andächtigen bald laut, bald leise verrichtet, theils von d«m Chasan (Vorbeier» Cantor) allein vorgetragen und bei dem auch Abschnitte aus den heiligen Büchern abgelescn wurden. Als hervorragendster Träger der öffentlichen Andacht mußte nach dem jüdisch-religiösen Gesetze der Chasan ein höchst moralischer, frommer und golteLsürchtiger Mann sein und da ganz vorzüglich diese Eigenschaften berücksichtigt wurden, so war es nicht selten, daß man die technische Befähigung des Individuums für jenes Amt ganz übersah. Die frühere Bezeichnung des Chasan als Vorbetev durfte dann auch wohl weit richtiger sein, als die spätere Bezeichnung Cantor oder Vorsänger. Vor etwa 89 Jahren — wir können die Zeit Nicht so genau angeben — sollte hier ein zweiter Chasan angestellt werden. Dieser Umstand läßt: vermachen, daß die hiesige jüdische Gemeinde schon da? mals ganz umfangreich gewesen sein muß. — Eine solche Gemeinde — besonders als eine Berliner — konnte wohl beanspruchen, einen Mann an der Spitze des Gottesdienstes zu sehen, der mit tieferem Mischen Wissen auch einen schönen Vortrag und eine a»Könehme Aussprache verbinde, mindestens aber doch ei» äußeres persönliches Ansehen habe; allein die Wahl fiel ganz erbärmlich aus. Es war ein fremder Pole hierangekommen, ein Mann, den Niemand hier kanrtte, dessen Wissen sich nicht über die Mittelmäßigkeit erhob, dessen fremdländischer Dialekt das Ohr beleidigt^ der keinen schönen Vortrag hatte und eine abgelebte unbedeutende Figur bildete, und aus diesen Mann siel die Wahl. Wie so dieses kam, wissen wir nicht, könne» es auch nicht beurtheilen. Fern sei es von uns, de» Andenken der Männer zu nahe zu treten, denen damals die Gemeindeverwaltung onvertraut war, denn wie sonst die Nettesten und Vorsteher der Gemeinde zu allen Zeiten, waren auch sie nicht nur höchst achtbare, sondern auch gewissenhafte Männer, welche das religiöse Element der Gemeinde zu erhalten verstanden und die es auch niemals gewagt haben würden, an heilige Dinge Hand anzulegen, denn sie waren in jüdisch-religiöse» Sachen nicht nur keine Jgnoran t en, sondern sie besaßen auch zum größeren Theile liefejüdischeS Wissen. Sie mochten mm wohl geglaubt haben, daß, da es sich nur um einen Hilsschasan handle, dessen Funktionen nur selten in Anspruch genomme» werden, jene Persönlichkeit dazu wohl genüge. Der Gewählte selbst, der noch heute unter der Bezeichnung der „Rensebr-rger" traditionell im Munde mancher älterer Gemeindemitglieder hier lebt, wunderte sich nicht wenig über die auf ihn gefallene Wahl. da er seine eigene Unbefähigung sehr wohl kannte, und theilte das Geschehene als Kuriosum seiner in Polen lebenden Frau mit. Diese, noch weit mehr überrascht, schrieb an ihren Mann in den in jener Gegend und jener Zeit gebranchten Ausdrücken, ob er denn etwa wvscbnßßL (irrsimäp) geworden sei, daß er ihr eine solche wunderbare Mittheilung mache. Er aber antwortete ganz lakonisch: Liebe Frau, nicht ich, sondern die Berliner Gemeinde ist mese-dvKKs. Diese Episode ist allerdings aus dem vorigen Jahrhundert, «Mein man dürfte solche auch einmal in der G?KSNwart wiederholt sehen, allerdings in eine» ganz anderen aber in desto schärferem Ltchtv hervortretendem Bilde. W—m.

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