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Der Israelit · 1866-09-05 · Heft 36 (5.9.1866) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 36 (5.9.1866)
Date
1866-09-05
Page
– (sequence 13)
Language
German
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LSI zwei Monate hindurch der Sonne aus; dennoch nahm es keinen üblen Geruch an, und abermals suchte er sich dadurch mit den Worten der Schrift zu beruhigen, sprechend:*) „Ja, auch mein Fleisch wird sicher ruhen! * Und dennoch fand er seine völlige Rühe nicht wieder; dennoch quälte ihn immer der Gedanke, er möchte unter den Vielen, die er dem Gerichte überliefert, auch einmal einen Unschuldigen überantwortet haben, und er beschloß, zur Buße seinen Leib noch strenger zu kasteien und so zugleich die Möglichkeit zu erhalten, sich seines Amtes enthoben zu sehen. — Des Abends mußte man ihm sechzig Pflaster unterbreiten, und deS Morgens zog man unter ihm sechzig Schalen geronnenen Blutes hervor. Dann richtete seine Frau sechzigerlei Schüßeln zu aus Feigen bereitet, er ward verbunden, aß und war wieder genesen. Seine Frau ließ ihn jedoch nicht in den Lehrsaal gehen, ans Besorgniß, er könnte sich im Gedränge verletzen So lebte Elasar eine längere Zeit, und von seiner Büßfertigkeit und Opferfähigkeit sprach man in weiter Ferne. Kam der Abend, so rief er den Schmerzen zu: „Brüder und Freunde, kommt heran!" — Sobald es Morgen ward, sprach er: „Nun gehet wieder, damit Ihr mich in der Forschung im göttlichen Worte nicht störet."— Eines Tages hörte seine Frau ihn so sprechen. Da rief sie aufgebracht: „Du rufst die Schmerzen selber her ei! So wirst Du das Gut deines Vaters bald in Pflastern, Binden und Feigengerichten aufgebracht haben!" und zur Stunde verließ sie ihn und kehrte in das Haus ihres Vaters zurück. — Aber da geschah es schon den andern Tag, daß von sechzig Schiffen sechzig Abgesandte kamen, jeder von einem Sklaven begleitet, der einen Beutel voll Gold trug, um eS Elasar zum Geschenk zu bringen. Sie waren sämmtlich während eines heftigen Sturmes auf dem Meere dem Untergangs nahe und hatten in ihrer Noth zu Gott gerufen, ihnen um des frommen bußfertigen Elasar willen beizustehen, und nun kamen sie, weil Gott ihr Flehen erhört, ihrem Retter ihren Dank zu zollen. Sogleich ließ er sich seine Binden und Feigengerichte wieder bereiten, wie bisher und genas wieder. Eines Tages mochte die Frau doch wissen, wie es ihrem Manne gehe, und sie sagte zur Tochter: „Gehe, siehe zu, was Dein Vater macht, ob er noch krank ist?" — Als die Tochter nun zum Vater kam, sagte dieser: „Sage deiner Mlltter, unser Reichthnm sei größer, als der ihre. Von der Lehre Gottes gilt in Wahrheit das Wort der Schrift:" 5) „Sie ist wie ein Kauffahrtheischiff, was Nahrung aus der Ferne bringt." — Und er erzählte der Tochter, welchen Reichthum ihm Gott bescheert habe. Die Frau kehrte wieder zu ihrem Manne zurück, und als er sich bald w'edsr völlig genesen fühlte, besuchte er auch den Lehrsaal wieder, widmete sich ganz 4) Ps. 16. 9. — 5) Spr. Sal. 31, 14. dem Lehrfachc und zeichnete sich durch seine Gelehrsam-' keit noch lange aus. — Als aber Elasar fühlte, daß sein Ende nahe sei, sprach er zu seiner Frau: „Ich weiß, daß die Schriftgelehrten miv noch zürnen, weil ich Polizeibeamter gewesen und wohl Manchen, der ihnen verwandt war, sestgenommen; sie möchten daher, wenn ich sterbe, mit meinem Leichname nicht wie sich's geziemt verfahren. Darum lege mich, wenn ich gestorben, auf den Boden unseres Hauses sage Niemandem davon, und sei meinethalber ohne Sorge und fürchte nichts." — Hier nun — so erzählte spater die eigene Frau Elasars an die Mlltter des Jochanan, von welcher es wiederum Samuel bar Nachmeni gehört hat — hier, auf dem Söller seines Hauses, lag Elasar zwischen achtzehn und zweiund zwanzig Jahren unbegraben und doch ohne zu verwesen. — Wenn die Frau auf den Boden ging, so sah sie nach dem Haare auf seinem Haupte, und riß sie eines aus, so zeigte sich Blut; so frisch erhielt sich der Körper. — Eines Tages sah sie einen Wurm aus dem Ohre kommen und ward deßhalb besorgt, der Leichnam möchte nun in Verwesung übergehen. Aber in der Nacht erschien ihr Elasar im Traume und sprach: „Laß Dich das nicht kümmern! Dieser Schimpf ist nur eine Strafe, weil ich eines Tages zugegen gewesen, als man eines braven, achtbaren Lehrers des göttlichen Wortes gespottet und Dem nicht wehrte, obschon ich die Macht dazu hatte." — Der Leichnam lag ungestört weiter ans dem Söller, und zwar nicht ohne Verbindung mit dem Leben. Denn, geschah es, daß Leute aus der Nähe und Ferne eine Streitsache miteinander hatten , so traten die beiden Gegner, im Glauben, daß Elasar nur krank darnieder liege, vor die Thüre des Söllers, jeder brachte seine Gründe vor, und dann gab eine Stimme aus dem Söller Bescheid, wer Necht und wer Unrecht habe, und die Leute gehorchten willig dem Bescheide. — Eines Tages jedoch gerieth die Frau Elasar's mit einer Nachbarin in Zank. Da rief diese boshaft: „Mögest Du, wie Dein Mann, nicht zu Grabe kommen!" — Als die Schriftgelehrten das hörten, sagten sie : „Jetzt darf es nicht länger so bleiben, da es kund geworden, daß der Fromme längst todt ist und nicht mehr krank darnied erliegt. — Auch soll der Vater selbst, Simon ben Jochai, sich ihnen im Traume gezeigt und gesprochen haben: „Ich habe noch eilte Taube unter Euch, und Ihr wollt sie nicht zu mir bringen!" — Die Weisen gingen, um endlich dem schon so lange Hingeschiedenen die letzten Ehren zu erzeigen und ihn zu Grab zu bringen. — Aber die Bewohner eines nahen Dorfes wollten es nicht zugeben, weil in der ganzen Zeit, wo, wie sie sagten, der fromme Mann auf dem Boden schlief, die Umgegend von wilden Thieren verschont geblieben war. — Da nahte ein hoher Feiertag heran, so daß die Leute des Dorfes sehr beschäftigt

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