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Der Israelit · 1866-09-05 · Heft 36 (5.9.1866) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 36 (5.9.1866)
Date
1866-09-05
Page
– (sequence 11)
Language
German
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sss England. London. In der jüngsten Sitzung deS „Board os Guardians" wurde verlesen, daß die East Londonnnd Now-Rivev-Compagnie zu den 27 Standschlänchen die das „Board" in dem Judenqrralier Londons errichten wird, das Wasser für die Dauer der Eholerarpidemie unentgeltlich liefern werde. Es wurde ferner kundgegeben, daß mehrere öffentliche Gebäude und Privathäuser von dem „Board" erworben seien, in denen die Familienangehörigen Cholerakranker sich aufhalten können, bis ihre Häuf«? wieder bewohnbar sind. (I. Chr.) Abessynien. Gvrrdar, Dos Prager „Abendland" berichtet: «Der protestantische Missionär Stern bedient sich der schändlichsten Mittel zur Bekehrung der schwarzen Zu¬ oder Falascha's. Er sucht nämlich Haß und Zwietracht Mischen ihnen, und dem Stamme der Amaraö zg säen. Dadurch hofft er, wie er sich selbst ausdrückt, daß die Falascha's sich beugen werden, um nicht Unruhen und Trübseligkeiten ausgesctzt zu sein." Obwohl wir bis jetzt noch nicht in Erfohrnng 'gebracht haben, daß die „Liebe spendende" Mission wieder unter den armen Falascha's angelaugt, so zweifeln wir jedoch nicht im Geringsten, wenn dieses wirklich der Fall ist, an der besagten Handlungsweise des Herrn Stern. ES ist dieses nickt das erste Mal, daß er auf solche Weise die Menschheit ron der Wahrheit seiner Tcctrine zu „überzeugen" sucht Die englische Mission kann sich gratulircn denn sie 'hat in Herrn Stern ein Werkzeug gefunden, das um jeden Preis „Geschäfte" wacht. Wir lasen vor ungefähr zwei Zähren einen englischen Missionsbericht dcS erwähnten Seelenhändters. Damals hatte er eS auf die Zuden Acmens abgesehen. Hauptsächlich richtete er sein Augenwerk auf die Stadt Sanaah, in der vor noch nicht langer Zeit? 0,050 Juden wohnten. Er machte damals vielen Lärm von der freundlichen Ausnahme, die ihm von unfern gastfreundschaftlichen Brüdern zu Theil wurde, wie sie allabendlich Stunden lang mit ihm in Religionssachen discutirten und wie er viele für das Christenthum zugänglich gemacht habe. Herr Stern dachte wohl damls auch an den Ausspruch unserer Weisen i'ip denn er konnte wohl annehmen, daß ihm nicht so leicht einer in jeve wilden Berge, wo die sv'vi mixo wehen, uacksieigcn werde. Jedoch hat er sich hierin verrechnet. Rabbi Zakrb Saphir mochte dieselbe Tttir und ging selbst noch tiefer in das Land. Hören wir, was er von Herrn Stern, den er sehr treffend '-i'uro -rn»r ro nennt, erfahren hat: Hier (zu Sanaah) erzählte man mir, daß vor ungefähr Mi ZHrrweitt englischer Missionär, der ein getaufter Jude ist, hjorherkam. Auch er reiste über Chodeida, wohin er von rem englischen Gouvereur zu Aden empfohlen war. Der türkische Pasch« gab ihm ans Veranlassung des englischen Gouverneurs ein Empfehlungsschreiben an den König Mi al Mukrimi zu Giroach und den König zu Sanaah, zwischen welchen damals Friede war. Zuerst kam er in die Stadt Charas auf dem Berge Sasan mit einigen Kisten, die mit Londoner Bibeln und den Büchern des Neuen Testaments gefüllt waren. Als er ankam hielten ihn die Juden jür einen Glaubensgenossen, der hier seine Bücher verkaufen wollte und empfingen ihn mit großer Freundlichkeit und Liebe. Nachdem er ihnen seine Bibeln vcrtheilt nnd sich mit ihnen in Discussioncn eingelassen hatte, erkannten sie, daß er einem anderen Glauben angehöre, (das Christenthum ist im Innern Arabiens völlig ungekannt), entfernten sich von ihm und verbrannten sämmtliche Bücher, die er ihnen gegeben. Von hier aus wendete er sich nach der Hauptstadt Sanaah, wohin ihn ein theuer erkauftes Geleit des Königs brachte. Sein Ruf war ihm jedoch schon vorausgegangeu, so daß er in der ganzen Judenstadt kein Quartier bekam. Er miethete sich darauf ein Logis in der Arabcrstadt und kam täglich zu den Juden, um seine Bibeln zu verteilen und überhaupt Proselyten zu macken. DieRobbinen verboten endlich, ihm Bücher abuzkaufen oder mit ihm zu reden. Als er sah, daß er hier, wo ein jeder Maurer und Schuhmacher den L2"i2^> besser inne hat, als er seine Bibel, nichts auLrichtcn konnte, verleumdete er die Juden bei dem König indem er vorgab, er wollte Israel Heil bringen und man verstoße und verachte ihn. Der König der jede Gelegenheit benutzt, von den Juden Geld zu erpressen, ließ die Rabbinen und Nest im vor sich kommen und wachte ihnen Vorwürfe darüber, daß sie dem wohlwollenden Manne kein Gehör schenken. Als sie dem König erwiederten, Stern sei gar nicht ihr Glaubensgcucssc, sagte er, Stern Hecke Zeugnisse mit vsn Aden und Chodeida gebrockt, daß er nur das Wohl der Juden suche. Die Folge war, daß die Gemeinde eine große Geldsumme als Strafe entrichten mußte. — Als ich später nach Aden kam, sagte man mir, daß Stern hier geprahlt und auch durch den Druck bekannt gemacht habe, von den Wchlthaten, die er Eanaahs Juden erwiesen. Daß cs ihm Gott vergelte." Ja, wenn alle unsere Glaubensgenossen so mit der Thora vertraut wären wie unsere Brüder in Arabien dann dürfte die Mission ihre nach. Millionen zählenden Ausgaben noch verdoppeln und verdreifachen, ohne ihren Zweck erreichen zu können. Wie traurig stehts aber um die unwissenden Falascha'S, denen jeder Halt und Stützpunkt gegen die unaufhörlichen Angriffe der Missionäre fehlt! Werden auch die sich auf die Dauer halten können? —

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