Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 36 (5.9.1866)
- Date
- 1866-09-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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584 Wen» es gvt geht, und die alten Leute leben noch 10 Jahre beifarnnun, so werden sie bei ihrer diomautnen Hrchzeit zum drittenmale kopulirt. Was sagen Sie , Herr Redakteur, zu einer solchen nicht allein völlig ungerechtfertigten, sondern sogar sündhaften ND-Q) Nachahmung christlicher Sitten? (Wir hoffen, daß sich die Sache nicht so verhalten möge! Red.) NNI'X Lippe Detmolb Es wird gewiß für Ne geehrten Leser Ihres geschätzten Blattes nicht rminteressant sein, auch einmal etwas Näheres über die jüdischen Verhältnisse des Fürstenthums Lippe-Detmold zu erfahren, das doch, wie bckarnt, zu den romantischsten und historisch merkwürdigsten Ländern Deutschlands gehört (wer denkt hierbei nicht an den Teutoburger Wald, an Herrmann den Deutschen und an Karl den Großen? —), und über das meines Wissens »och niemals eine Corre^pondenz in Ihrem geschätzten Blatte — das cs sich zur Lebensaufgabe gemacht, die Mischen Interessen zu vertreten, und womöglich, die gesammte deutsche Judenheit zu einem literarischen Ganzen zu verbinden — erschienen. Es sei mir daher vergönnt, einen kleinen Bericht über dieses Ländchen zu entwerfen. Im Lippischen Lande, welches von der Provinz Wefiphahlen eingeschlossen, etwa 2t lH Meilen groß und 110,000 Einwohner zählt, existiren etwa 130— 150 jüdische Familien, die in den Synogogcngemeinden: Detmold, Horn, Lemgo, Lage, Cchötmar-Uflcn, Hohenhausen, Oerlinghausen, Schwalenberg, Alverdissen-Barntrup und Blomberg-Cappel zerstreut leben. Die jüdischen Bewohner dieser Gemeinden beschäftigen sich größtenteils mit dem Handel, während man Professionisten seltener antrifft. Es existirt zwar im Lande eine Unterstützungscaffe für arme Handmerker, oder solche, die es werden wollen; sie wird jedoch nur wenig in Anspruch genommen. — Hinsichtlich der Emaucipation der Juden ist auch hier noch viel, viel zu thun, wenn euch einige Juden als Aerzte, Anwälte rc. im Lande fungiren. Die Regierung zeigt zwar auch hier den besten Willen, aber der Particularis'mus und Pietismus der Landstände ist ein Hemmschuh zur völligen Emancipation. Ob es wohl in Deutschland besser wird? Wir wollen das Beste hoffen! Hinsichtlich der Religiöfität sind obige Gemeinden von einander verschieden. In einigen derselben finden wir noch wahre Religiöfität, Festhalten an unserer > angestammten Religion, während dagegen andere ebenj falls schon vom Zahne der Reform und des Jndifferen-! tisrnus benagt find. Die «leisten genannten Gemeinden haben ihren! Lehrer, der im Vergleich zu anderen größeren deutschen! Staaten noch ziemlich gut gestellt ist. Die Gemeinden! des Landes bieten Alles auf, einen seminaristisch ge-! bildeten Lehrer zu erhalten und wissen auch, daß die guten Lehrer rar und gesucht find. Die meisten Lehrer ziehen Hannover und Preußen vor anderen klemm Staaten vor. Doch — uki Kens, iiri palria! Das Minimum der meisten Strlleu ist 180—200 fl. Fixum nebst freier Wohnung und Heizung, während das Maximum sich auf 300 fl. nebst freier Wohnung und Heizung beläuft. Die Anstellung des Lehrers geschieht zuerst, nach Ablegung einer Prüfung, auf mehrere Jahre provisorisch, wird und kann aber definitiv werden, wenn der Lehrer während des Provisoriums sich nichts zu Schulden kommen ließ. Die Synagogal-Verhältnisse sind durch ein Statut und 1. Synagogenordnung, vom Landrabbiner vr. Fahrenbach entworfen, und von der Regierung genehmigt, geregelt. Ich werde, wenn Sie, geehrter Herr Redakteur mir die Spalten Ihres geschätzten Blattes öffnen wollen*), in einem nächsten Berichte Einiges aus dieser Synagogenordnung den geehrten Lesern Ihres Blattes mitzutheilen mir die Freiheit nehmen, weil ich glaube, daß solches zweckmäßig sei, um zu sehen, was an solchen Statuten zu loben und zu tadeln ist. Joseph Oppenheim, Lehrer. Hamburg, den 19. August. Das Knaben-Waisen-Jnstitut der deutsch-israelitischen Gemeinde beging am verflossenen Donnerstag die Doppelfeier seines hundertjährigen Bestehens und des Lösten Jahrestags seit der Erwerbung und Einrichtung des in der Marktstraße innegehabten Grundstücks. Selbstverständlich wurde auch den zur Zeit im Institut befindlichen Zöglingen dieser Tag zu einem besonderen Freudentage. Dieselben wurden festlich bewirthet und waren später bei der Ausführung mehrerer Gesänge thätig, welche bei dem am Abend in der Capelle des Waisenhauses stattfindenden Festgottesdienste unter Leitung des Vorsängers Herrn Wertheimer vorgetragen wurden. — Nach dem Gesänge hielt vr. H. B. Levy, Präses des Waisenhausvorstandes, eine kurze Anrede, in welcher die Erweisung von Liebeswerken als die höchste der durch die israelitische Religion gebotenen Pflichten hervvrgehoben wurde. Der gottesdienstlichen Feier folgte ein Festmahl, zu welchem außer den im Eomits befindlichen Mitgliedern der Waisenhaus-Verwaltung auch die früheren Vorsteher des Instituts, unter diesen die Herren Dr. Isler, Isaak Jessel und L. Oppenheimer als Ehrengäste hinzugezogen waren. Eine Reihe geistvoller, theilweise durch den Hinweis aus die bereits verewigten Gründer und Förderer des Waisenhauses ergreifender Reden und Toaste verschönerte das Fest und erhob die Stimmung der Teilnehmer. *) Sehr gern! — Red.