Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 35 (29.8.1866)
- Date
- 1866-08-29
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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570 Geschäft, durch das er sich hauptsächlich ernährt, ist — Las Schmiedehandwerk. Er verfertigt Waffen, Pflugschaaren, Sägen, Hämmer, Aexte, Schaufeln, rc. über Haupt alle Ackergeräthe, denn in diesem Lande gibt es keine Fabriken. Neben seinem Hause befindet sich die Werkstätte höhlenartig in den Berg gehauen. Dort arbeitet er mit Hammer und Ambos. Sein alter Vater, Rabbi Said und sein jüngerer Bruder, die ebenfalls Gelehrte sind, helfen ihm bei dieser Arbeit. Er, der Rabbiner sitzt auf einem Stein und hält das glühende Eisen mit der Zange, sein Vater zieht den Blasbalg, der aus einem Ziegenfell verfertigt ist, sein jüngerer Bruder handhabt den Hammer, der gewuchtig auf den Ambos niederfällt. Bei dieser anstrengenden Arbeit fand ich die drei seltenen Männer öfters von den tiefsten wissenschaftlichen Fragen conyersiren. — Hier in der Schmiedewerkstätte versieht Maari Joseph seine Rabbinatsgeschäfte, er richtet und schlichtet hier, und besorgt die Gemeindeangelegenheiten. Gegen Abend nimmt der Rabbiner seine transportablen Werkzeuge und trägt sie in einem Korbe in sein naheliegendes Haus, weil sie in der Werkstätte nicht sicher find. Darauf verrichtet er das Mincha- und Maribgebet in der Synagoge und hält einen religiösen Vortrag, wie dies dort Sitte ist. Die Nacht benutzt er zum großen Th eil für sein Privatstudium. Der Fleiß dieses seltenen Mannes ist vom Allgütigen schon hienieden belohnt worden. Er besitzt ein zweistöckiges Haus, dessen Zimmer sehr elegant eingerichtet sind, eine reichhaltige und äußerst werthvolle Bibliothek. Sein Speicher ist gefüllt mit Lebensmitteln aller Art als: Waizen, Gerste, Spelt (von dem hier zu Lande ein sehr schönes Brod gebacken wird), Reis, lange und runde Bohnen, welche sämmtlich zur Brodbereitung verwandt werden, Rosinen, Wein, Honig, schimna, Kaffee, Nüsse, Mandeln rc. Er hat drei Frauen, aber nur wenige Kinder. Nur von feiner dritten Frau hat er einen Sohn, Namens Joseph Jechijah nach dem Namen seines Vaters. Hier ist nämlich die Sitte, daß wenn einer bei seinen Lebzeiten viele Kinder verlor, er einen der Lebenden nach seinem, des Vaters Namen, benennt. Diese Frauen verrichten alle Hausarbeit, sie kochen, backen, holen Holz herbei, tragen das Wasser aus der Ebene oder von den niederen Bergen herauf, waschen, putzen, bessern öfters die Wände des Hauses aus und ziehen zuweilen sogar neue Balken ein. All s dieses thun sie in frommer Häuslichkeit und keuschem Sinne. Auf diese wendete ich das Schriftwort an: „Schön ist Religiosität, wenn sie mit Häuslichkeit verbunden ist. Heil ihnen in dieser und in der künftigen Welt! Eines Tages kam ich Morgens früh in die Werkstätte des Rabbiners. Sein Vater und sein Bruder waren noch nicht da, denn sie wohnen weit weg in einem Dorfe. Ein muhamedanischer Bauer stand bei ihm und - drängte darauf, daß feine Pflugschaar fertig werde, denn er wollte sofort in's Feld fahren. Der Rabbi rief daher zwei seiner Frauen, ihm zu helfen. Eine derselben zog den Vlasbalg und eine andere unterhielt das Feuer, dabei hatte sie ein kleines Kind auf dem Arm, er selbst schmiedete das Eisen. Als ich kam und ihm guten Morgen bot, erwiederte er, mit der freundlichsten Miene von der Welt. Nachdem ich mir den ungewöhnlichen Anblick eine Weile vergönnt hatte, bot ich mich an, ihm zu helfen. In seiner scherzenden Weise erwiederte er: „Wenn mir mein gelehrter Herr nur folgen wollte, so könnte er sich bei mir als Gehülfen vermiethen und seine Reisen im Stiche lassen." Wehmüthig erwiederte ich ihm, wie angenehm es mir wäre, wenn ich dies könnte, wie wehe es mir thut von Frau und Kindern entfernt in fremden Ländern umherzuirren. — Unter den anderen Männern dieser Gemeinde ist ebenfalls wegen seiner Gelehrsamkeit und Frömmigkeit zu nennen: Rabbi Solimann al Ta'i'si, der zum Gemeindevorstand gehört. Derselbe trägt allabendlich nach dem Maaribgebet die Werke des Maimonides (Rambam) vor, wie dieses in jener Provinz Sitte ist. Rabbi Solimann ist Goldschmied und ernährt sich anständig von seinem Handwerk. Auch Rabbi Abraham Adni, ein reicher und angesehener Kaufmann verdient ernährt zu werden. Diese kleine Gemeinde zählt unter ihren Mitgliedern fast nur gelehrte Männer, die sämmtlich wohlhabend sind. Den Sabbat verbrachte ich hier sehr angenehm, denn unsere Glaubensgenossen beobachten ihn sehr streng und feiern ihn mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln, wie wir dieses später bei Sanaah näher erörtern werden. Diese guten Leute beehrten mich, am Sabbat das Vorbeteramt zu versehen. Obschon ich nicht ihre Lesearten und Melodien kannte, gesteht ihnen dennoch mein Gebet, weil sie wußten, daß ich aus der heiligen Stadt Jerusalem war. — Sechs Tage verbrachte ich höchst angenehm bei unseren schlichten und anspruchslosen Brüdern auf diesem Berge, noch heute erinnere ich mich gern dieser schönen Tage. Auf diesem Berge befinden sich noch fünf andere Ortschaften, in denen Juden wohnen. Ich kam jedoch nicht zu ihnen, weil mir dieses fortwährende Bergsteigen auf so schlechten Wegen zu beschwerlich fiel. Hier miethete ich mir einen gelehrten gottesfürchtigen Jüngling zum Wegweiser, idaß er mit mir in die Städte reise, wo Juden wohnen. Hierzu eine Beilage. Verantwortliche Redaktion: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. — Dampf-Schnellpressendruck von I. Gottsleben in Mainz.