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Der Israelit · 1866-08-29 · Heft 35 (29.8.1866) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 35 (29.8.1866)
Date
1866-08-29
Page
– (sequence 7)
Language
German
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569 Und noch denselben Tag machte sich die Königin an die Arbeit und war so fleißig daran, daß sie Niemand unterbrechen durfte und ihr in Wirklichkeit keine Zeit zum Zanken blieb. — Als der Purpur endlich fertig war, brachte sie denselben mit stolzem Bewußtsein dem König. — „Wehe! Wehe!" rief der König, als er den Mantel sah. — „Wehe! rufst Du!" sagte die Königin überrascht und fast bestürzt: „gefällt Dir der Purpur nicht?"— „O, meine Gemahlin!" antwortete der König rvehmüthig, „der Purpur ist sehr schön; aber ich rufe dennoch: Wehe! darüber, daß er fertig ist, weil Du jetzt wieder zu Zank und Hader Muße hast." — Die Königin empfand tief beschämt die Wahrheit dieser Worte und suchte von nun an selbst Beschäftigung, und so gelang es ihr bald, ihrer Zanksucht völlig Herr zu werden. — Jus dem Reisemerke -es Rabbi Jakob Saphir. (Fortsetzung) Die Stadt Giro ah auf dem Berge Safan steht unter der Herrschaft des Ali al Mukrimi, der weder durch HeeresmaN, noch durch persönliche Strenge sich in Respect versetzt, sondern durch seine Persönlichkeit sich Achtung verschafft, denn er gilt bei den Muhamedanern für einen heiligen Zauberer. Die Muhamedanerstadt ist groß und stark befestigt. Di- Juden wohnen wie gewöhnlich am Berqesabhange. Ihre Häuser sind an der der Stadt gegenüberliegenden Bergesseite gleichsam in den Berg hinein gebaut. Der Hof des oberen Hauses bildet das Dach des unteren; jedoch sind dieselben nicht regelmäßig erbaut, sondern liegen zerstreut umher. Die Wände dieser Häuser sind aus den Steinen des Berges, die durch Speis und Lehm zusamm^ngehalten werden, erbaut. Die Dächer hingegen sind leicht und aus Rohr- und Holzstangen, die mit Decken belegt sind, errichtet. Die Eingänge dieser Häuser sind so niedrig, daß sie gewöhnlich nur bis an d?e Schulter reichen; die Fenster haben nur die Höhe einer halben Elle, sie sind aus Furcht vor Dieben und Räubern so gebaut.' In dieser Stadt leben ungefähr 50 jüdische Familien. Die kleine Synagoge, die sich im Hofe des angesehenen Rabbi Jechijah al Umisi befindet, faßt nicht die Anzahl der Andächtigen aus der Stadt und der Fremde, die oft, wenn ihnen Gefahr droht, hierher flüchten und freundlich ausgenommen werden. So der fromme Rabbi Chijah, der selbst mit seinem Vater Rabbi Joseph sel. Andenkens dem Schwerte der Verfolgung zu Sanaah entflohen und sich hier niedergelassen hat. Nunmehr ist er, der einstige Flüchtling, derjenige, deffeir Haus allen Armen und Bedrängten die freundlichste Zufluchtsstätte bietet, dessen edles Herz unermüdlich im Wohlthun ist. So ist er und ebenso seine Frau und seine würdigen Söhne. Im ganzen Lande genießt er, selbst bei Nichtjuden, den Ruf eines Biedermanns. Er besitzt Aecker, Kaffeeplantagen und ein ausgebreitetes Geschäft in Kleidern und Gewürzen, mit denen er und seine beiden Söhne Moses und Joseph wöchentlich drei- oder viermal zu Markt ziehen. Der brave kleine «Moses dagegen studirt fleißig zu Hause und nimmt am Geschäft noch keinen Antheil. Wenn auch dieser Mann vermögend, sogar reich ist, so merkt man dies doch nicht in seiner äußeren Erscheinung, denn er vermeidet, wie alle unsere dortigen Glaubensgenossen, die Vermögen besitzen, jeden Aufwand, um vor den Begierden und Gelüsten der Bevölkerung sowohl, als auch der Negierung sicher zu sein. — Bei den dortigen Verhältnissen, wo die Lebensmittel so billig und das Geld so selten ist, gehört übrigens Derjenige, der nur den Werth von 1000 Thalern nach unserem Gelds besitzt, schon zu den Reichen. Diese kleine Judenstadt hat jedoch einen großen Mann, der hier Rabbiner ist und wie in ganz Arabien den Titel Maari führt. Derselbe ist Richter. Prediger, Schlächter, Vorsänger und Synagogendiener. Bon all diesen Aemtern erhält derselbe jedoch nicht so viel Gehalt, daß er sich damit allein ernähren konnte. Um sich seinen Lebensunterhalt zu verschaffen, muß er noch tüchtig arbeiten. Dieser Mari heißt Joseph, Sohn des Said; derselbe ist in allen Zweigen der Wissenschaft bewandert und dabei sehr fromm und got!esfürchtig. Außerordentlich ist seine Belesenheit in der Bibel und ihren Commentarien. Den Talmud, die maimonidischen Werke und die übrigen Scholasten kennt er lo genau, wie nur ein Rabbiner in Europa. In der Kabbalawiffenschaft ist er sehr zu Hauie. Den Sohar. die Schriften des Art kennt er so genau, daß man ihm nur einen Gegenstand zu nennen braucht und er sogeich die Stelle nach dem Blatte und der Seite wo sie steht, bezeichnet. Auch hat er mehrere kabbalistische Werke verfaßt und versteht die praktische Anwendung der Kabbala. Wie vielleicht Keiner in unserer Zeit, ist er in der Astronomie und Astrologie zu Hause. In der Medizin hat er so große Kenntnisse, daß selbst Fürsten bei ihm um Nath nachsuchen und sein Ruf das ganze Land durchdringt. Auch schreibt er ein klassiches Arabisch. Größer jedoch als seine ungeheure Gelehrsamkeit ist seine Bescheidenheit und Freundlichkeit gegen Jedermann. Sein Umgang ist äußerst angenehm; seine Worte enthalten nichts als Weisheit und Gelehrsamkeit. Er ist ungefähr vierzig Jahre alt und führt sich ganz nach der Landessitte, so daß ihn ein Fremder eher für einen Bauern oder Schäfer ansieht als für einen Gelehrten. Sein

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