Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 35 (29.8.1866)
- Date
- 1866-08-29
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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566 wiese«, da dieser stets Pergament vorräthig haben müsse. In der That wurde dieser gerade angetroffen, als er auf einem Pergamente Verse aufzeichnete. Der Tambourmacht nicht viel Federlesens und forderte kategorisch von dem friedlichen Manne das Material zu der Trommel, welches natürlich sofort abgeliefert wurde. Als er die fremdartigen Zeichen auf dem Pergament erblickte, konnte er sich nicht enthalten, den Schreiber um die Erklärung derselben anzugehen. Dieser zögerte nicht, ihm zu sagen, daß die Worte den Anfang eines Gebetes bedeuteten, was er — für den Sieg der österreichischen Waffen niedergeschrieben. „Det macht nichts," meinte der Tambour nach kurzem Besinnen, „wir requiriren det Gebet für die preußischen Waffen."^ Triest. Am 45. August sollte in Triest ein Israelit, 20 Jahre alt, wegen Besitzes unerlaubter Waste (er trug nämlich einen Degcnstock) standrechtlich erschossen werden; schon waren die Gewehre «ruf ihn gerichtet, als statt des Kommandowortes „Feuer", ,,Gnade" gerufen wurde. Eine aus den angesehensten israelitischen Herren Triest's zusammengesetzte Deputation hatte sich beim Militärstationskommandanten Herrn Contreadmiral Ritter v. Pölzl für den jugendlichen Verurteilten verwendet und ist dieser mit. einem Jahr Kerker davongekommen. Auch diese Strafe wurde am allerh. Geburtsfeste nachgesehen. Prag. Herr Med. vr. L. Straßer in Comotau der sich durch eine lange Reihe von Jahren eines allgemein guten Rufes erfreuet und ein Schwiegersohn unseres verehrten emeretirten Präses der israel. CultuSgemcinde-Repräsentanz Hr. Ernst Wehli ist, wurde von der dortigen Berghauptmannschaft zum Bezirksarzt über 80 Bergknappen ernannt. (Abendland). Feuilleton. Jose den Halephtha und das lebensmüde Mntterherz. *) Von VenUIs». Ein steinaltes Mütterchen, besten wankende Füße den gekrümmten und verfallenen Körper kaum mehr zu tragen vermochten, kam, auf einen Stock gestützt, zu Jofe ben Halephtha, dem wegen seiner Gelehrsamkeit, Thätigkeit — denn er war zugleich Kürschner '—Bescheidenheit und Duldsamkeit berühmten Bruder 1) Rach Jalküt Mischle 8. S. 135, col. c. — des Simon ben Halephtha, und Sprach: „Meister! ich bin gar z« alt, so daß das Leben mir nur noch ein Leben von Schmutz und Last ist; ich habe keinen Geschmack mehr von Speise, noch Trank, nnd möchte gar zu gern aus dieser Welt scheiden." — Jose schwieg einen Augenblick, dann sprach er: „Sprich, was warst Du bisher gewohnt zu thun, dem Dn besonders Dein so langes Leben zu verdanken hast?" — „Ich pflegte bisher," antwortete dos Mütterchen, „alltäglich den Frühgottesdienst zu besuchen, war stets unter den Ersten, und versäumte ihn nie, mochte auch eine noch so liebe Sache mich abhalten wollen." — „Nun," sagte der Weise, „unterlaß es einmal drei Tage hintereinander, den Frühgottesdienst zu besuchen." - Das Mütterchen that so, und am dritten Tage erkrankte es und starb. — Wohl sagte auch Salomo: i) „Heil dem Menschen, der mir gehorcht, tagtäglich zu meinen Pforten eilt, an den Pfosten meiner Thüre wartet! Denn wer mich findet, findet das Leben, empfängt Wohlgefallen von Gott." — Der König und seine zänkische Königin. Von VenÄIa» Ein König hatte eine so zanksüchtige Königin, daß ihr Niemand etwas recht machen konnte, und daß daher den ganzen Tag Zank und Streit im königlichen Palaste herrschte. Der arme König, der sich nach Ruhe und Frieden sehnte, wußte sich nicht zu Helsen. Er ließ daher einen seiner ältesten Räthe kommen, zu dessen Weisheit er besonderes Vertrauen Hütte, und bat ihn um seinen Rath. — „Siehe zu, gnädiger Herr!" sagte der Mann „daß die Königin auf irgend einer Weise Beschäftigung findet, und Du wirst Ruhe erhalten. Nur der Müßiggang läßt sie so ununterbrochen ihrer Neigung folgen." — Der König besann sich eine Weile, dann ging er zur Königin und sprach: „Meine Gemahlin, ich wünschte einen schönen, goldgestickten Purpurmantel zu besitzen; doch umsonst habe ich es bis jetzt mit meinen Leuten versucht. Keiner unter all den Arbeitern für meinen Hof kann mich befriedigen. Ich weiß aber, daß Du sehr geschickt in der Nadel bist, o möchtest Du mir meinen Wunsch erfüllen!"— „Es soll geschehen, mein König!" antwortete sogleich die Königin; ich will einmal den Taugenichtsen zeigen, was schön arbeiten heißt." — 1) Spr. Sal. 8, 34. 35. — 2) Nach Tamid b. raab, par. 12 S. 186, s. — Auch Simchath hannephefch S. 35, b. —