Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1866-08-29 · Heft 35 (29.8.1866) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 35 (29.8.1866)
Date
1866-08-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2447245-2447274--04440-2459896
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

567 Len Synagoge recht spärlich vorhanden, und an Wochentagen finden sich fast nur und gedungenes darin. Diese Theilnahmlosigkeit so bald eintreten zu sehen, hätte man bei der am 15. September vor. Jahres feierlichen und wahrhaft glänzenden Einweihung nicht vermuthet, als vor einer dicht gedrängten, aus allen Confessionen bestehenden Menschenmasse unter zahlreicher Bctheiligung sämmtlicher Gerichts- und Magistrats-Behörden, der Geistlichkeit und sonstiger Honoratioren, Herr Or. Löwi die später dem Drucke übergebene Einweihungspredigt hielt, und die erhebenden Klänge von Musik und Gesang, sowie die herrliche Gasbeleuchtung von circa 300 Flammen die Begeisterung der Anwesenden hervorriefen. Doch, nicht der pompöse, erhabene Weiheakt, nicht der prächtige Tempel, nicht der schöne Chorgesang, nicht der klangvolle erhebende Vortrag des Cantors, nicht die Ausschmückung mit aller Pracht und Glorie mit aller Kunst und Schönheitsfülle, selbst nicht die beredte Predigt — kurz Alles, was die moderne Synagoge bietet — vermag den Zweck des Gotteshauses zu erreichen, sondern in der That wird ein Gotteötempel erst dann erhebend sein, wenn er besucht ist, wenn Männer, Frauen, Greise, Kinder seine Räume füllen, die Alle einstimmig und andächtig Ihre Gebete, zum Throne Gottes aufsteigen lassen, die Alle ihren Dank an seinen Altären niederlegen in Tagen der Freude, ihren Gram dort ausschütten in Stunden der Betrübnisi, bald den Gesang von ihren Lippen, bald die Thräne aus ihrem Auge stießen lassen, und sich in gottergebenem Gemüthe zur Andachtsstätte herangezogen fühlen: Der Eröffnung der längere Zeit geschlossenen Eisig-Schule durch Veranlassung des Herrn Jsaac David Heumann (Dachauer), eines Mannes, der durch seine innige ungeheuchelte Frömmigkeit, unerschütterliche Glaubenstreue,unbegrenzte Wohlthätigkeit und seine Gastfreundschaft überall die größte Achtung genießt, wurde in Ihrem geschätztem Blatte früher Erwähnung gethan. Möge der Allgütige diesen würdigen Mann unserer Gemeinde, für deren Wohl er Tag und Nacht rastlos arbeitet, noch viele Jahre erhalten! S. H. Preußen. Koblenz, 30. August. Es gereicht mir zum größten Vergnügen. Ihnen mittheilen zu können, daß .->"2 die in Ihrem geschätzten Blatte enthaltene Notiz, nach welcher in einer Stadt der Rheinprovinz in Folge des Kriegs 35 Familien in Trauer versetzt seien, sich als irrig herausstellt; ich bin in der Lage Ihnen versichern zu können, daß soweit bis jetzt bekannt, kein einziger 'Mti' gefallen ist; außerdem wäre dieses Verhättniß viel zu hoch gegriffen gewesen, da nach genauer Erkundigung in keiner Stadt der Rheinprovinz 35 jüdische Soldaten bei der Armee sind; es dienen aus Koblenz nur 2 Mann. Köln höchstens 20 Mann, Düsseldorf kein Mann, Aachen 4 Mann, Trier 5 Mann, Bonn 3 Mann. Hiervon ist mindestens die Hälfte Landwehr, welche fast gar nicht im Felde gewesen und nur zur Besetzung verwendet wurde. Österreichischer Kaiserstaat. Wies. Ein tragisch-komisches Intermezzo ereignete sich vorgestern auf der Wieden. Der in den Verlustlisten als todt angegebene Feuerwerker Friedrich Maier, verheirathet und Vater zweier Kinder, Sohn des auf der Wieden wohnhaften FleischselcherS gleichen Namens, trat gestern Abends 7 Uhr, als eben seine Eltern, sowie seine Frau und Kinder in tiefe Trauer gehüllt im Zimmer auf dem Fußboden saßen, zum nicht geringen Erstaunen derselben in die.Stube. Man erzählte dem Todgeglaubten, daß in einer der Verlustlisten genau sein Name, die Charge und das Regiment unter den Tobten angeführt stand. Maier erzählte nun, daß gleichfalls in seinem Regimente ein Feuerwerker mit gleichem Namen diente und bei Königgrätz den Heldentodt fand. Man kann sich die Freude der Familie vorstellen, welche nun ihren Theueren wieder in die Arme schließen konnte und sich von dessen Wohlsein selbst überzeugte. F. B. Wien. Dem hiesigen patriotischen Hilfsverein sind Nachrichten über das Schicksal der zu Josephstadt in Böhmen befindlichen Offeriere zugegangen. Unter diesen Militairs befinden sich folgende Glaubensgenossen: Hauptmann Moses Kalman n, vom 23. Infanterie-Regiment, den ein Fleischschuß durch die beiden rechtsseitigen Bauchdecken getroffen und dem ein anderer Schuß im Fußwurzelknochen sitzt. Unterarzt Nathan Halp an des 77. Inf. Regiment hat sich in Folge eines Sturzes eine Rückenmarkcrschütterung zu gezogen. Aus Oauner-dorf in Niederösterreich wird folgende nicht uninteressante Geschichte berichtet: Ein jüdischer Kaufmann kam dieser Tage mit einem Tambour der hier lagernden Preußen zusammen und erstaunte nicht wenig, als er auf dem Trommelfelle mit hebräischen Lettern folgenden Bibelvers in der Ursprache sah: „Auf, Ewiger, zerstreue die Feinde!" Der Kaufmann fragte den Tambour, wie seine Trommel zu diesem Spruche gekommen sei, worauf dieser erzählte: Vor der Schlacht bei Königgrätz sei ein Fell seiner Trommel geplatzt, weßhalb von seinen Commandanten in einem Orte Böhmens unter den Requisitionen auch ein Kalbsfell verlangt wurde. Es war indessen keines zu bekommen. Nach langem Hin- und Herrathen wurde der Tambour an einen Bibelschreiber ge-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.