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Der Israelit · 1866-08-29 · Heft 35 (29.8.1866) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 35 (29.8.1866)
Date
1866-08-29
Page
– (sequence 2)
Language
German
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564 Judenthum erhalten; nur durch Festhalten an dem für die Ewigkeit Offenbarten, nur durch stetes Neuerringen dessen, was wir längst besitze«, können wir unserer hohen Aufgabe genügen und Das erreichen, was wir auf Erden erreichen sollen. Die Gegenwart, die sich in Bezug auf jüdisches Leben in den mitteleuropäischen Ländern so traurig gestaltet hat, macht seit Jahrzehnte« de« öffentlichen Gottesdienst zum Gegenstände launenhafter Umgestaltung. Bald soll die Orgel, bald ein Weiberchor, bald die Hinausräumung des Gitters aus der Frauensynagoge das Judenlhum retten und dem modernen Bewußtsein wieder nahe bringen. Da dieses Bestreben schon seit Jahrzehnten anhält. so hat man bereits auf diesem Gebiete Erfahrungen gesammelt. Was haben nun diese Modificativnen, diese Umwandelungen des öffentlichen Gottesdienstes genützt? Haben sie irgendwo die abgefallenen Söhne und Töchter Juda's ihrem Gotte wieder genähert? Haben sie die Heilighaltung des Sabbats, die Beobachtung der Ehegesetze, die Befolgung der Speisegesetze bewirkt? Haben sie Einfluß geübt auf Handel und Wandel, haben sie Redlichkeit, Mäßigkeit, Tugend befördert, haben sie die Jugend, die unfern heiligen Religionsquellen, die der hebräischen Sprache entfremdete Jugend dem Judenthum und seinen Vorschriften erhalten? Ach, von allem dem ist nicht das Geringste zu bemerken. Aus all den Synagogen mit Orgelklang und Weibersang ist die Innigkeit des Gebetes geschwunden, in den Gemeinden hat sich der Abfall von Religion und Sitte von Tag zu Tag vermehrt — die synagogalen Prachtbauten stehen das ganze Jahr hindurch leer, an Sabbat- und Feiertagen sind die Geschäfte geöffnet, das Institut der ritualen Bäder ist kaum noch dem Namen nach bekannt, die Schechitah ist ohne Aufsicht und in den traurigsten Verfall gerathen, Tephillin und Zizioth sind aus den Häusern entschwunden, die Kinder werden mit Pomp consirmirt ohne ihre Pflichten als Juden zu kennen, und um sofort im geschäftlichen Leben die Grundgesetze des Judenthums zu entweihen..gehet hin in die Städte, deren Gemeinden ihren Gottesdienst reformirt haben, gehet hin nach Stuttgart, Mannheim, Coblenzrc. und überzeugt euch von der Wahrhüt des Gesagten! Ach, möite doch Israel Frieden schließen mit seinem Gotte! Es ist jetzt die Zeit der Gnade, die Vorbereitungszeit zu den erhabensten Tagen des Jahres!—- Nicht gilt es, den Gottesdienst herabzuziehen zu den Unwissenden, wir müssen vielmehr unsere Kinder zu demselben zu erheben bestrebt sein und der Jugend das Vsrständniß unserer hochheiligen Gebete ermöglichen, das vernachlässigte. Thorastudium wieder pflegen oder vielmehr neu erwecken — dann wird die jetzt erblühende Periode des Friedens eine wahrhaft segensvolle sein, dann rmrd Friede sein in den Gemeinden in den Familien und in den Herzen. P'OWO -,L-2O O'N.Nri dp nxa .-IO Wie lieblich wird dann erscheinen der Verkünder des Friedens! — Dir Lrschlüsse der Rabbiner-UMammlung zu Mihalowitz, X. beurtheilt von vr. Isrnel llilckesdeiwei^- (Fortsetzung.) Für die wahre Interpretation dieser Stelle halte ich aber eine andere, für welche ich erst einige talmudische und einige universalhistorische Daten vorausschicken muß. Obgleich der Wortlaut der betreffenden TOL'O in O2W besonders mit Zuziehung der Stelle das. 17 a. ^pa rc. zu sagen scheint, daß diese Bestimmungen alle an einem Tage getroffen worden sind, wie dies auch unsere Commentare annehmen, so kann 'vdir/i-,' dennoch dieses unmöglich angenommen haben. Ist es nämlich wahr, daß diese rv-i'U wenn auch nicht unter selbst doch wenigstens von der ersten Generation deren Schule hsrftammen, zumal Grätz l. l. erhärten will, daß p der einflußreiche Führer der O'r^ri war (also vor 70 nach d. d. g. Z.), so kann doch rna'Iari dp unmöglich so alt sein. Denn in Monitum 4 erwähnter Mischnah wird erzählt, daß dnpOL" '2-> dem pnpri '2-n auf dessen Frage über den Grund des Verbotes der deshalb eine ausweichende Antwort gab, weil das Verbot noch kein volles Jahr in Kraft war. Wir werden also in die Zeit des pnori' '2-, und r^'pp '2-) versetzt, weshalb wenigstens durch erwiesen (obgleich auch einen dem inli urpa entsprechenden Ausdruck hat), daß die Verordnungen dennoch wenigstens theilweise in die Hadrianische Zeit fallen. Befinden wir uns aber in der Hadrianischen Zeit, so können wir diese dunklen Worte lichtvoll erklären. Sehen wir uns nur den Literaturzustand der griechischen Sprache um diese Zeit etwas genauer an. Schlosser Theil IV. Seite 355 sagt über diese Hadrian. Zeit: Grübeln, Faseln und Schwärmen, Disputiren und Spielen mit Worten, sowie lächerliche Sucht durch sonderbare Behauptungen und durch gelehrte Entdeckungen, ohne Wahrheit oder ohne Wichtigkeit Aufsehen zu machen, wurde ein Hauptcharakterzug des wissenschaftlichen Treibens. Von ächter und freier Wissenschaft konnte kaum mehr die Rede sein., die neue Sophistik aber, die zu Hadrians Zeit in Schwung kam, drehte sich um leere Deklamationen. Die Sophisten suchten ihre Gedan-

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