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Der Israelit · 1866-08-22 · Heft 34 (22.8.1866) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 34 (22.8.1866)
Date
1866-08-22
Page
– (sequence 10)
Language
German
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556 kommen konnte. — Das neuerkaufte Beth-Hammidraschhaus, das Herr Rabbiner Ottensosser bewohnt, mag es wohl gewesen sein, das durch feine Ansehnlichkeit die Aufmerksamkeit der hungrigen Truppen auf sich zog. In Folge dessen wurde dem Herrn Rabbinen ein sehr beträchtlicher Schaden zugefügt, der sich auf Hunderte beläuft. Der sämmtliche Wein, der sich in dem Keller befand, wurde sammt den Fässern fortgeschleppt. Mehr als für hundert Gulden Holz, theils den armen gehörig, ging dabei verloren. Fast alle Thüren des großen Hauses wurden ausgehängt und vor das Dorf geschleppt, um daraus Zelte zu bauen; letztere wurden jedoch wieder zurückgestellt. Dabei flogen die Geschosse von der Feste Marienberg so zahlreich in das Dorf, daß man von den Fenstern aus sehen konnte, wie preußische Reiter getroffen vom Pferde stürzten und manche Granate crepirte in den Straßen des armen Dorfes, ohne daß jedoch ein Menschenleben seitens der Einwohner zu bedauern wäre. — Die Felder der Umgegend tragen zum großen Theil mehr oder weniger die Spuren des Kampfes noch an sich. — Wahrhaft erhebend war es für mich, zu vernehmen, wie mein würdiger Lehrer, weniger den bedeutenden Verlust an seinem Vermögen bedauert, als es ihm leid thut, daß durch diese Kriegsschrecken das Studium der 12^ '-nni2, deren Anzahl sich im verflossenen Semester bis auf 25 vermehrt hatte, auf einige Zeit unterbrochen wurde. So duldet ein frommer, Gottergebener Mannn. In Würzburg traf ich zufällig einen Soldaten vom 53 preußischen Infanterieregiment, der Sie, geehrter Herr Redacteur, kennt und mich ersucht, Sie herzlich zu grüßen. Derselbe, Herr Meier aus Köln, erzählte mir daß bei seinem Regiment, welches fast sämmtiche Kämpfe der Mainarmee mitgemacht und dabei bedeutende Verluste erlitten hat, auch nicht ein einziger Israelit verletzt worden sei. Dagegen erzählte er mir, daß in seiner Vaterstadt 35 jüdische Familien die Trauerwochen abgehalten hätten. Gebe Gott, daß sich dergleichen Vorfälle in unserem theuren Vaterlande nicht wiederholen mögen. G. Brückenau. Die Nachkommen der tapferen Mackabäer leben noch und können ihren würdigen Ahnen heute noch ebenso würdig zur Seite gestellt werden. Mn seltenes Beispiel Mn Kaltblütigkeit und Unerschrockenheit will ich den Lesern des sehr geschätzten «Israelit" erzählen. Gleich nach dem sehr blutigen Kampfe in und um Kissingen kamen in unsere Gegend Aufrufe zur Unterstützung der Verwundeten, die in Bad-Brückenau liegen. Gleich darauf machte sich unser Gemeindeältester, Herr Oppenheimer, auf und nahm noch einen Glaubensgenossen mit, um den Unglücklichen trotz des schlechten Wetters Lebensmittel und sonstige Unterstützung zu bringen. Auch ich schloß mich der Reisegesellschaft an. Unter den Verwundeten trafen wir einen Glaubensgenossen, Herr Langbein aus Gütersloh. Derselbe erzählte mir, trotz seiner heftigen Schmerzen die Art und Weise, auf welche er verwundet wurde: „Ich wurde mit noch sechs andern Schützen commandirt, in ein naheliegendes Gehölz vorzudringen, um zu sehen, ob sich dort feindliche Truppen befänden. Die gespannte Zündnadel in der Hand empfahl ich mein Leben dem Allgütigen und rückte vor. Das erste Gehölz war leer. Kaum waren wir jedoch in ein anderes einige hundert Schritt weit gegangen, als die Kugeln uns um die Köpfe flogen. Ein jeder suchte sich so gut als möglich zu decken. Ich konnte nicht schnell genug einen dicken Baum finden und legte mich daher hinter eine mittelmäßige Buche. Kaum hatte ich mich hier niedergelegt, alseine Kugel vom Baume abprallte und mir in den linke» Arm schlug und im Knochen stecken blieb. So schnell hatte ich nicht danach gesehen, als eine zweite deu Absatz meines Stiefels fortriß und eine dritte in die Patrontasche drang, die neben mir am Gswchre lag. In weniger als zwei Minuten schlugen fünfzehn Schüsse theils in meine Kleider theils in die Erde neben mir. Ich sah nun, daß wenn dies so fort ginge, ich zu Brei geschossen würde. Weichen wollte und konnte ich nicht Da fällt mir ein, du ziehst einmal den Helm ab und stellst ihn neben dich. Ich zog ihn also ab und stellte ihn ungefähr IV2 Ellen von mir w?g. Das half. Sofort richteten die Feinde ihre Podewils auf den glänzenden Helm und zerschossen ihn zu Stücken. Ich dankte Gott, daß mein Kopf nicht darunter steckte und blieb ungefähr noch eine halbe Stunde liegen bis unsere Truppen nachrückten, worauf ich mich aufmachte und verbinden ließ." Soweit die Erzählung des braven Langbein. Schließlich bemerke ich noch, daß derselbe, so bald er konnte, in das naheliegende Zündersbach ging und dort bei der Thorarolle ^>21271 rw-w betete. Leider hat fich durch das frühe Ausgehen der Zustand des Verwundeten verschlimmert; jedoch hat derselbe das Fieber glücklich überstanden und sieht seiner baldigen Genesung entgegnen. Hazofeh. Aus Marburg, wird dem „Frankfurter Journal" geschrieben: Es schneidet Einem durchs Herz, wenn man in solcher Zeit wie der jetzigen die unausgesetzten Wühlereien der „Kreuzzeitung" gegen die Juden lesen muß. Sie scheint eine wahre Genugthuung darin zu finden, diese (mag die Sache, auf welche sie sich beruft, wahr oder unwahr sein) öffentlich an den Pranger zu stellen. Ist dies an und für fich eine nichtswürdige Handlung, so muß sie jetzt um so mehr jedes menschliche Gefühl empören, als in den jüngst geschlagenen Schlachten jüdische Jünglinge an der Seite ihrer christlichen Kriegskameraden mit derselben Todesverachtung und Hingebung, für das Vaterland gekämpft, geblutet und gesiegt haben. Md trotz Alle-

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