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Der Israelit · 1866-08-22 · Heft 34 (22.8.1866) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 34 (22.8.1866)
Date
1866-08-22
Page
– (sequence 9)
Language
German
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VH. Jahrgang. Beilage zu Nr. 34 des Zsraelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. O München» im August. Erlauben Sie mir, Ihnen zur Steuer des Nothstondes im hl. L. einen Vorschlag zu machen. Von all' den unter den Zeitverhallnissen leidenden Gesellschaftsklassen sind die Familien noch am unglücklichsten, die verarmt sind, bis zu dem Grade der allerhärtesten Einschränkung, ohne daß sie sich selbst aufgeben und als Almosenempfänger Herausstellen dürfen. Hier gibt es, wie für alle Armen überhaupt, nur Ein Mittel — die Ermöglichung der Selbsthilfe: d. h. Volksküchen einzurichten, aus denen jede bedrängte Familie, ohne Scheu, gegen den billiesten, d. h. Sellstkosten- Prgis zugleich die nahrhafteste Kost entgegennehmen kann. Die Gründung solcher Anstalten in so traurigen Zeiten, wo das Vedürfniß ein Allgemeines ist, kann allerdings rur durch IhatkraUige Betherligung vieler tüchtiger Männer und flauen, durch die Vereinigung aller materiellen und geistigen Kräfte, dafür aber auch überall erreicht werden. In jedem Orte trete ein Evmite zusammen, und organisire dieses allein abhelfende Unternehmen derart, daß von denUnterstützungsgeldern, die gewöhnlich vcrtheilt werden, ohne jedoch mehr als einen geringen momentanen Nutzen zu haben, — durch neue Sammlungen hierzu verstärkt: — 1) Lokale zu Küchen, sarrmt Einrichtung derselben erworben werden, 2) Fleisch, Mehl, Gemüse u. s. w. angetanst und 3) die Speisen theils an bestimmte Wochenabonnenten, theils an Familien und Personen — die sich dieselben nach Hause holen lassen — theils an eine kleinere Anzahl, welche im Lokal selbst beköstigt werden kann, abgegeben werden. Jede Portion enthalte das Maß, daß zwei erwachsene Personen sich daran satt essen können. Immer aber ist feststehendes Prinzip, daß Niemand unentgeltlich gespeist, sondern ihm nur eine kräftige Nahrung um den Kosten preis der im Ganzen und Großen eingekauftev Lebensmittel überlasten wird; dagegen können Wohlhabendere Speisernarken ankaufen und an Bedürftige vertheilen. Der Einkauf im Ganzen, sowie die Massenfabrikation wird bei diesem Verkaufspreis die Volksküchen umsomehr ohne Verlust bestehen lassen, als Bauten, Miethe und Einrichtungen derselben durch die freiwilligen Gaben, Sammlungen, Stiftungen u.s.w. gedeckt werden, so daß nur der Sold des nöthigen Küchenpersonals, die Nahrungsmittel selbst, wie eimaige Reparaturen der Anstalten von dem Erlöse der verkauften Speisen gedeckt werden sollen. Kontrolle und Verwaltung geschieht von Seite des Comits's als Cenlralausschuß (beziehungsweise Lokalausschüffe). Solche Volksküchen sollen eins allgemein? gesellschaftliche Wohl that der freien Vereinigung werden, die jeder Bedrängte umsomehr annehmen kann, je weniger sie ihm als beschämendes Almosen entgegen tritt! Aus Rücksicht auf das Familienleben sollen vorläufige Speisesäle nicht eingerichtet werden. Gründen wir sie vorzugsweise für e Familie, die wohl noch eine Häuslichkeit besitzt, in der sich die Glieder innig versawmeln, aber kein Feuer um den häuslichen Heerd warm zu halten und kein Geld, um genügende Nahrung aus demselben zu bereiten. Die Volksküchen sollen, der Frau: Feuerung, Zeit und Krait er paren, die sie der Küche widmen müßte, und die sie nun bester für Mann und Kind verwenden kann. Noch mehr! durch das Abonnement auf den bistimmün Bedarf an Speisen hat jeder die Nahrungssorge seltener als sonst auf seinen Schultern. Kurz, sie ersparen jedem Einzelnen einen bedeutenden Betrag an Geld, welchen er beim Einkäufe für vnhältnißmäßig schlechtere Nahrungsmittel cusgeben muß So wirkt z. D. in Leipzig („Gartenlaube" 1866 Nr. 27) nne schon im Januar 1849 untndem Namen „Städtische Cpciseanstalt" gegründete Volksküche sehr segensreich Also dürfte auch im bl. Lande, wenn es am guten Wellen der die sich hierdurch diew Bezeichnung — Ernährer der Gemeinde — wirklich erwerben können, der wünschenswerthe Erfolg sicher nicht ausbleiben. — Hl München, 12. August. Herr Hofbarguier I. v. Hirsch hat für die Notbleidenden der Rhöngegknd die Summe von dreihundert Gulden gespendet. Würzbrrpg. Bei den Gefechten, die sich vom Taubergrund bis hierher zogen, wurde namentlich das Dorf Höchberg arg heimgesucht. Ein Besuch, den ich dieser Tage meinen sehr verehrten Lehrern, Herrn Rabbiner Ottensoster und Herrn Ralbmatskandidaten Ehrenreich abstattete, überzeugte mich von der Wahrheit der diesbezüglichen Zeitungsnachrichten. Nicht weniger als 25,000 Mann preußischer Truppen lagen drei Tage lang in und um Höchberg. Diese Truppen waren von den anhaltenden Strapätzen und Kämpfen so erschöpft und ausgehungert, daß selbst höhere Offenere in das Hans des Rabbincn kamen und mit den inständigsten Worten um ein Stückchen Brod baten, ohne daß derselbe diesem Verlangen nach-

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