Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 33 (15.8.1866)
- Date
- 1866-08-15
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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„„du wirst doch nie mehr die Riemen anlegen, wirst me mehr dein Kauderwelsch beten; du mußt sterben."" Da wirft sich Samuel vor ihnen nieder und bittet und fleht. „Nehmt Alles hin," ruft er, „was ich in saurem Schweiße erworben, nur machet mein Weib nicht zur Wiltwe, raubt meinen Kindern nicht ihren Ernährer! Was nützt euch mein Tod?" „„Dein Tod,"" spricht höhnend einer der Räuber, „„dein Tod nützt uns nicht, aber dein Lebe» könnte uns schaden! du würdest uns verrathen — wir aber wollen dein Gut in Ruhe verzehren!"" „O, ich will euch schwören die heiligsten Eide, daß nie ein Wort des Verrathes über meine Lippen kommen soll; ich will sagen, ich habe mein Geld und meine Maaren verspielt! „„Daß wir Narren wären und deinen Schwüren glaubten! wenn dein Mund stumm ist, verräth er gewiß nichts!"" O, habt Erbarmen mit meinem Weibe, mit meinen Kindern!" „„Was kümmert uns dein Weib, was deine Kinder — mag die Judenbrut flennen!"" „So denket an Gott, den Allmächtigen, der die blutige Mordlhat rächen wird!" „„Gott kümmert sich viel darum, ob ein lumpiger Jude mehr oder weniger in der Welt ist."" Noch lange bat und flehte Samuel vergeblich; da erhob er seinen Blick zum Himmel, von dem die Mondsichel ihr mildes Licht herniedersandte; plötzlich erinnert er sich, daß es Zeit sei, den Mond zu heiligen. „Soll ich denn jetzt sterben," spricht er zu den Räubern, „so vergönnt mir, noch einmal zu beten und die Heiligung des Mondes zu sprechen." „„Nichts da,"" ruft einer der Räuber, „„wir haben schon zu viel Zeit mit dir verbracht."" „„Laßt ihn,"" spricht ein anderer Räuber, „„ich habe schon oft gehört, daß die Juden den Mond anbeten; laßt uns den Firlefanz mit ansehen. Es ist weit und breit kein Mensch in der Nähe — wir haben nichts zu eilen."" Der andere Räuber gibt nach und läßt Samuel los, und dieser betet mit inbrünstiger Andacht: „Lobet Gott, lobet den Ewigen vom Himmel, lobet Ihn in dm Höhen; lobet Ihn all Seine Engel, lobet Ihn Sonne und Mond, lobet Ihn alle Lichtgestirne; lobet Ihn der Himmel Himmel und die Gewässer, die oberhalb des Himmels; sie werden loben i den Namen des Ewigen, denn Er befahl und sie wurden erschaffen; und Er stellte sie fest für alle Ewigkeiten, ein Gesetz gab Er und wird es nicht überschreiten. „Gelobt seist Du, Ewiger, unser Gott, König der Welt, der durch Sein Wort erschaffen hat das Firmament und durch den Hauch Seines Mundes all sein Heer. Gesetz und Zeit gab Er ihnen, daß sie nicht verändern ihren Lauf; freudig und fröhlich, zu erfüllen den Willen ihres Schöpfers, der da in Wahrheit wirkt und dessen Werk Wahrheit, und zum Monde sprach Er, daß er sich erneue,, eine Krone der Pracht den vom Mutterleibe a« von Ihm Behutheten (Israel), die sich dereinst erneuen werden wie der Mond, zu preisen ihren Bildner ob des Namens der Herrlichkeit Seines Reiches; gelobt seist Du, Ewiger, der Du die Monden erneuest. (Zum Monde) „Gelobt sei dein Bildner, gelobt dein Bereiter, gelobt dein Eigenthümer, gelobt dein Schöpfer! Nachdem Samuel die letzten Worte dreimal gesprochen, sprang er empor, dem Monde entgegen und rief: „So wie ich emporspringe und dich nicht berühren kann, so mögen alle meine Feinde mich nicht berühren zum Bösen!" Als die Räuber ihn so springen sahen und dabei schreien hörten, und das dreimal nach einander, da lachten sie unmäßig; aber Samuel ließ sich nicht irre machen und fuhr fort: „Es falle auf sie (die Feinde) Angst und Furcht, durch die Größe Deines Armes mögen sie verstummen, wie ein Stein!" Unterdeß waren die Wolken vom westlichen Horizont herausgezogen; schon eine Zeit lang konnte man das dumpfe Grollen des heranziehenden Gewitters vernehmen; jetzt war auch der Mond verschwunden und der ganze Himmel bedeckt; ein furchtbarer Sturm durchzog heulend den Wald; aber lauter noch als das Rollen des Donners und das Getöse des daherbrausenden Sturmes rief Samuel: „Wie ein Stein mögen sie verstummen durch Deines Armes Größe, und Furcht, Angst möge auf 6e fallen!" Da ward plötzlich das tiefe Dunkel durch einen grellen Blitz beleuchtet, dem alsogleich furchtbarer Donner folgte; Samuel sprach nichts mehr, er sank ohnmächtig zu Boden, und auf ihn herab rieselte der heftigste Regenguß. Wie lange Samuel so da gelegen, konnte er später nicht angeben; als er wieder zu sich kam, regnete es noch heftig; lange konnte er sich nicht besinnen, was mit ihm vorgegangen; als er sich aber der jüngsterlebten Schreckensscenen erinnerte, da sah er sich nicht nach den Räubern, nicht nach seinem Korbe, nicht nach seinem Gelbe um, sondern lief eilends davon, der Waldscheuke zu. Als er dieselbe erreichte, lag Allein tiefem Schlafe. Er weckte die Bewohner, und konnte, als diese öffneten, lange nicht sprechen. Erst, als man ihn zu Bette gebracht und warmes Getränk für ihn bereitet hatte, gewann er die Sprache wieder und erzählte Alles, was ihm begegnet war. Unterdeß war es Tag geworden; der Wirth und seine Knechte bewaffneten sich und zogen « den Wald;