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Der Israelit · 1866-08-15 · Heft 33 (15.8.1866) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 33 (15.8.1866)
Date
1866-08-15
Page
– (sequence 13)
Language
German
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54S großen babylonischen Talmuds. Die großen Folianten kann man nicht mitnehmen auf die beschwerliche Reise; dieserwegen haben fürsorgliche Buchhändler kleine Ausgaben veranstaltet, auf daß man erfülle das Gebot: „Und du sollst reden von ihnen (den Lehren der Thora) wann du zu Hause sitzest und wann du auf dem Wege wandelst, wann du dich niederlegst und wann du aufstehest." Deßhalb führt auch Samuel stets einen Tractat des Talmuds mit sich; er ist daheim Mitglied des Talmudvereins, und die Maßechta, die sie zu Hause mit Muße studiren, dieselbe durchforscht Samuel einsam im Schatten des Waldes, oder, wann die Abende länger sind, in der geräuschvollen Wirthsstube einer Bauernschenke. Diesmal ist es der Tractat Gittin, in dem er eifrig forscht. O, du mein heilig Volk, wer gleicht dir auf Erden? Da sitzt tief im Walde der Hausirer, der noch vor wenigen Stunden die Schönheit seiner Bänder der eitlen Bäuerin angepriesen und von der Dauerhaftigkeit seines Zwilligs den Pflugknecht zu überzeugen sich bemühte, und forscht in ernstester Werse in den heiligen Quellen unserer Religion in der Sprache, die einst an Babels Strömen ertönte! Siehe, eben jetzt beschäftigt ihn ein Fall, in welchem der Spanier Rabbi Joseph Migaasch, der berühmte Schüler des noch berühmteren Rabbi Jizchak Faßi einen ganz andern Weg geht als die übrigen Gesetzeslehrer alle; jetzt fällt Samuel eine Stelle auf in Rabbi Schelomoh Jizchaki's (Rasches) Erklärung; sollte vielleicht dieser große Lehrer aus Troyes in Frankreich mit dem auffallenden Ausdruck andeuten wollen, daß der Entscheid sei, wie Maimonides, der Leibarzt des Sultans von Egypten, es angibt? Aber in den Toßaphot faßt N. Elieser aus Metz die ganze Sachlage anders auf! Und jetzt sieht Samuel nach in dem beigedruckten Commentar des Rabbi Samuel Jdeles (Mehorscho) aus Ostrowo in Polen — so ziehen an seinem Geiste die geistigen Heroen unseres Volkes aus allen Zeiten und Ländern vorüber! Welch eine Gesellschaft für den einsamen Hausirer am Waldrain! Siehe, jetzt leuchtet sein Antlitz, er hat die schwierige Stelle verstanden, er erinnert sich der Lösung, die ihm sein Lehrer mitgetheilt auf der großen Hochschule zu Fürth; denn Samuel hatte in feiner Jugend diese berühmte Hochschule besucht, und nur die Noth und das Elend der alten Aeltern hatten ihn heimkehren lassen und ihm den Tragkorb auf den Rücken gezwungen. Jetzt ruhen die Eltern schon lange im Grabe; aber nun muß er Weib und Kinder ernähren — allein die Thora weicht deßhalb nicht aus seinem Munde und aus seinem Herzen. Steh auf, Samuel, schon dehnen sich riesig die Schatten der Bäume; du mußt eilen, willst du noch vor Nacht die Waldschenke erreichen! Seufzend schließt Samuel sein Buch, küßt es und birgt es am Boden seines KorbeS; aber ehe er die Schritte weiter lenkt, verrichtet er das Minchahgebet — der Mond leuchtet ja heute Abend, und es schadet nichts, wenn auch die Nacht hereinbricht; Samuel findet schon beim Mondschein den wohlbekannten Weg. Jetzt verschwindet der Sonnenstrahl; ein leichter Lufthauch verscheucht die drückende Schwüle; im Westen thürmen sich Wolken; wird endlich der Regen kommen, nach dem jede Creatur sich seit lange sehnt? „Wir werden wohl heute Abend noch ein Gewitter bekommen," spricht Samuel vor sich hin; „ich muß mich beeilen, will ich noch trocken die Waldschenke erreichen. Doch nein, es verzieht sich wohl wieder wie so oft in den letzten Wochen; denn dort im Osten tritt silbern die Mondsichel hervor. Ist es nicht schon Zeit, die Heiligung des Mondes zu sprechen? Ganz recht, heute ist der siebente Tag nach dem Neumonde — wann ich die Schenke erreicht haben werde, will ich das Abendgebet verrichten und den Mond heiligen." Der Mond gleicht in vielen Stücken dem jüdischen Volke. Der Sonne, der großen, gewaltigen, blendenden Beherrscherin des Tages gleichen die großen, herrschenden Völker der Erde, Israel gleicht dem kleinen Monde; es ist ja das kleinste unter den Völkern; der Mond wechselt, auch Israels Geschick hat oft genug gewechselt; aber so oft der Mond auch abnimmt, er erneut sich wieder — also erneut und verjüngt sich auch Israel stets; und jedesmal, wann der Mond sich erneut hat und noch im Zunehmen ist, da preisen Israels Söhne den Schöpfer und Regierer und Erhalter des Weltalls, der Seine Allmacht stets in der regelmäßigen Wiederkehr der Mondphasen zeigt — und das ist die Heiligung des Mondes, Kiddusch Hallebanah. Unterdeß schreitet Samuel rüstig vorwärts; der Mond steht schon hoch am Himmel, und noch ist die Waldschenke nicht erreicht. Da treten drei dunkle Gestalten aus dem Dickicht hervor und versperren ihm den Weg. „Halt Jude", ruft die eine, „auf dich haben wir lange gewartet!' — „Halt, halt Jude!" rufen auch die beiden'.Andern. Samuel bleibt erschrocken stehen; er kennt die Männer; es sind drei lüderliche Burschen, denen man nichts Gutes zutraut. „Was wollt ihr von mir?" fragt er zitternd. „„Was wir wollen? Dein Geld wollen wir, Manschet, dein Geld und deine Waare!"" „Nehmt, nehmt l" ruft Samuel bebend, und zieht den schweren Beutel tiefaufseufzend aus seiner Tasche hervor, ihn den Räubern hinreichend. Gierig erfassen die Strolche den Beutel; unterdeß hat Samuel den Korb abgesetzt, und ist im Begriff, Talith und Thephillin und Gebetbuch und Gemara herauszunehmen. „„Laß' nur darin!"" ruft einer der Räuber,

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