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Der Israelit · 1866-08-15 · Heft 33 (15.8.1866) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 33 (15.8.1866)
Date
1866-08-15
Page
– (sequence 12)
Language
German
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542 lich sind es die „Ehren" in den Synagogen, die immerwährend den Stoff zu neuem Hader bieten. In Alexiew verklagte ein Schneider den Vorsteher beim Gouverneur, weil jener ihn nicht als „Sechsten" ('w'L») zur Thora hatte rufen lassen; denn in den slawischen Ländern gilt es als besondere Ehre, als „Sechster" zur Thora gerufen zu werden. Der Gouverneur kam darauf in die Synagoge und befahl dem Vorsteher, diesen Schneider künftig nur als den Sechsten aufzurufen. — In Odoiew nabm ein derartiger Streit solche Dimensionen an, daß der Gouverneur, des steten Haders müde, drohte, sie alle aus der Stadt zu jagen, in der sie sich durch die Gnade des Kaisers kaum erst niedergelassen hatten. Als ich nach Odoiew kam, suchte ich Frieden zu stiften; allein mein Mühen war vergebens, da ich kein Mittel anzugeben wußte, wieso Jeder als der „Sechste" zur Thora gerufen werden kann. — Möchten doch weise Männer diese Thoren belehren, daß sie in Frieden miteinander leben, und sich nicht um derartiger Dinge willen bei den Behörden in Mißcredit bringen, zumal da ihr Aufenthalt in diesen Städten noch neu ist. Wahrlich, in dieser Weise ehrt man die Thora nicht, von der es heißt: „Denn alle ihre Wege sind Wege der Lieblichkeit und alle ihre Pfade — Frieden." (Hakarmel.) Feuilleton. Liddnsch Hallebanah. (Eine wahre Begebenheit.) Es war an einem heißen Sommertage. Lange schon hatte kein Regenguß Feld und Flur erquickt, und selbst die Bäume, welche sich in unabsehbarer Reihe an der Seite der staubigen Landstraße hinzogen, ließen trübe die Blätterkrone hängen, gleichsam sich sehnend nach dem befruchtenden Regen. Einsam zieht ein Wanderer die Straße; ihm beugt sich der Rücken unter der schweren Last seines Tragkorbes; und doch war dieser vor wenigen Tagen noch viel schwerer; denn heute ist Donnerstag, und Samuel wandert schon seit Sonntag von Dorf zu Dorf, von Hütte zu Hütte, bergauf bergab, überall ein gern gesehener Gast, der selbst den entferntesten Bewohnern des Gebirgs das bringt, deß sie so sehr bedürfen und das sie sich ohne den unverdrossenen Hausirer nur schwer beschaffen könnten. Daheim ist Samuel ein geachtetes Mitglied seiner Gemeinde; sein Haus steht den Armen offen, sein Weib läßt keinen Hungrigen ungesättigt fortgehen, fünf gute Kinder machen ihrem Lehrer durch Fleiß und Aufmerksamkeit Freude; aber Samuel muß sich plagen, gar sehr plagen; schon Sonntag früh verläßt er Weib und Kinder, um dm vollen Tragkorb weit, weit fort zu tragen und die Maaren zu verkaufen, die Hanna, sein Weib, aus der Stadt geholt hat. Das ist harte Arbeit; denn nicht allein das Wandern, das Tragen, das Handeln, das Reden macht Mühe und Last — es wohnen im Gebirg keine Glaubensgenossen; die ganze Woche hindurch lebt Samuel von kalten Speisen oder von Eiern, die er sich selber kocht in Gefäßen, die er in Verschluß hält bei seinen Kunden in den entfernten Gebirgsdörfern. Heute ist Donnerstag. Der Schweiß rinnt Samuel in Strömen von der Stirne; aber er zieht dahin geflügelten Schrittes; er will heute noch die Waldschenke erreichen, sein letztes Nachtquartier in dieser Woche; von da aus kann er morgen zeitig in die Heimath gelangen und dann noch mit Muße alle Vorbereitungen treffen zum heiligen Sabbattage. „Wie wird sich Hanna freuen," spricht er vor sich hin, „wenn ich ihr erzähle, wie sehr Gott meinen Fleiß gesegnet hat in dieser Woche; habe ich doch Ausstände eingenommen, die ich schon verloren glaubte, und habe ich doch auch mehr und besser verkauft denn je zuvor. Wenn Gott weiter so hilft, so werde ich bald das gar zu beschwerliche Geschäft aufgeben und mir eine leichtere Handthierung wählen können, bei der es vergönnt ist, mehr daheim zu sein bei Weib und Kindern. . . O, ihr meine guten Kinder, wie freut ihr euch stets des heimkehrenden Vaters! Ob wohl mein Jakob, mein Nettester, wieder tüchtige Fortschritte gemacht hat im „Lernen"? Doch ich selbst habe heute noch Nichts „gelernt;" wann ich in den Schatten des Waldes komme, dann will ich essen und trinken und auch ein wenig lernen." Bald ist der Wald erreicht; Samuel sucht sich ein kühles, schattiges Plätzchen in der Nähe eines murmelnden Baches, setzt seinen Tragkorb ab, wischt sich den Schweiß von der Stirne, nimmt ein Gefäß aus seinem Korbe, füllt es mit Wasser und wäscht sich die Hände; denn nimmt er Brod und den Ueberrest einer Wurst, die ihm Hanna mitgegeben als Zährung für die Woche, zieht ein Fläschchen hervor und ißt und trinkt und dankt dem Allgütigen für die genossene Speise. Dann holt er ein Büchlein herbei — eS ist ein Octavband, eine kleine Ausgabe des

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