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Der Israelit · 1866-08-15 · Heft 33 (15.8.1866) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 33 (15.8.1866)
Date
1866-08-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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532 Deßhalb bemüht sich Salomo an vielen Orten den Trägen zu wecken, um ihn durch Vergleiche und Gleichnisse Erkenntniß zu lehren; denn das Gleichniß erleichtert gar sehr die Erlernung sittlicher Lehren. Der Mensch in seiner Vollkommenheit besitzt alle Eigenschaften aller lebenden Wesen, bei denen sich dieselben in anderer Weise äußern; daher deuten auch stets die Weisen und die Propheten auf das Thun und Treiben der Thiere hin, um den Menschen dadurch anzueifern und zu beschämen. Es liegt in der menschlichen Natur, nach allem Guten und Schönen und Angenehmen zu gelüsten. Während nun der Fleißige das, was er wünscht, zu erwerben sich bemüht, läßt es der Träge beim bloßen Wünschen bewenden; er wird dadurch unglücklich, wie ja der Weise sagt: „Das Gelüsten des Trägen wird ihn tödten." Der Träge steht daher der Ameise nach, die mit emsigem Fleiße das, was sie im Winter braucht und noch mehr, zur rechten Zeit sammelt und aufbewahrt. Daher sagt der Weise, um den Trägen zu beschämen und zu erwecken: „Gche zur Ameise, Träger, siehe ihre Wege und werde weise". Merke wohl, mein Sohn, der Weise sagt „ihre Wege", in der Mehrzahl; denn die Ameise geht nicht allein wie die andern lebenden Geschöpfe vorwärts, sie geht auch rückwärts; wann nämlich die Last, die sie im Munde trägt, sie am Vorwärtsgehen hindert, dann schleppt sie dieselbe rückwärtsgehend nach ihrem Hause. Also können auch dem Menschen Verhältnisse Vorkommen, die ihn nöthigen, scheinbar rückwärts zu gehen; du bist zum Beispiel auf dem besten Wege, ein reicher Mann zu werden; es tritt aber eine Hungersnoth ein, und wenn du deinen Mitmenschen helfen willst, dann mußt du den Ertrag deines Fleißes in den jüngsten Jahren opfern; o, dann schreite muthig rückwärts! Und wie die Ameise ununterbrochen emsig Alles sammelt, so lerne auch du Alles, was du nur lernen kannst, und thue eifrig alles Gute, wozu sich dir Gelegenheit bietet. Und wie die Ameise die naßgewordene Frucht in die Sonne trägt, um sie trocknen zu lassen, so suche auch du Alles wieder gut zu machen, was du verfehlt hast rwer was ohne dein Verschulden dir zu verderben droht." Die drei Ausdrücke ^121 -,210 pLp in den angeführten Sprüchen bilden dann die Anknüpfung an den in Rede stehenden Wochenabschnitt, in welchem die Einsetzung von wivwi 2'2siw und des verordnet wird. Während nämlich die Ameise, wie alle übrigen lebenden Geschöpfe, der Vernunft entbehrt, ist der Mensch ein vernunftbegabtes Wesen, was sich namentlich in seinen geselligen und staatlichen Einrichtungen offenbart. — Es ist die Herausgabe des vorliegenden Werkes eine wirkliche Bereicherung unserer heiligen Literatur; der sittliche Ernst des Verfassers, seine tiefen in schriftlicher und mündlicher Lehre wurzelnden Gedanken werden nicht verfehlen, den Leser im Wissen zu vervollkommenen und im Handeln zu bessern — das öchste, was nur irgend angestrebt werden kann. Die prache ist manchmal etwas dunkel, was natürlich in der Tiefe der Forschungen seinen Grund hat. In der Vorrede nimmt der Verfasser das Studium der profanen Wissenschaften in Schutz und erzählt, daß auch ihm das Studium dieser Wissenschaften von Seiten mancher Zeitgenossen Vorwürfe zugezogen habe. Unter der Leitung seines Schwiegervaters hatte er den Moreh Nebuchim in der (arabischen) Ursprache gelesen, und diese Lectüre ist es, die ihn zum Abfassen seines Werkes angeregt hat. — * 2) p'ini 2^1^71 nsinri 2'upw nnp.i, Anmerkungen und Verbesserungen zu den im vorigen Jahrgange edirten Rechtsgutachten der Geonim und zum Diwan des Rabbi Jehuda Hallewi. Die Anmerkungen zu dem ersten Werke sind von R. Salomon Bober aus Lemberg und von R. Salomon Chajim Halberstamm aus Bielitz; der Verfasser der Anmerkungen zum Diwan ist Herr Moses Reichersohn aus Wilna. Wir müssen gestehen, daß uns derlei Veröffentlichungen nicht zweckentsprechend erscheinen; es ist natürlich, daß sich um große Werke wieder eine Literatur entspinnt; doch diese gehört mehr in Zeitschriften. Vielleicht schreibt Jemand Anmerkungen zu den Anmerkungen, und dann würde bald der ganze Verein von der -Literatur in Anspruch genommen werden — das sicherste Mittel, ihn im Laufe der Zeit unmöglich zu machen. » * -r- 3) und 4) enthalten die Fortsetzungen des im vorigen Jahre begonnenen großen Werkes priL» ins. Der Buchstabe -r ist noch nicht vollendet; er war bis n veröffentlicht und reicht nunmehr bis Dagegen ist der Buchstabe 2 ganz edirt, wie im vorigen Jahre der Buchstabe 1 ausgegeben wurde. Diese große Realencyclopädie des Talmuds ist nämlich zur Hälfte noch Manuscript; daher edirt der Verein die bisher noch ungedruckte Hälfte in größeren Partien, während er die schon gedruckte erste Hälfte langsam nachliefert. * 5) i'LO es ist dieses die Reisebeschreibung des von uns schon mehrfach erwähnten R. Jakob Saphir; da wir die Absicht haben, Auszüge daraus in deutscher Sprache in diesen Blättern zu veröffentlichen, so wollen wir heute auf dm Inhalt nicht näher eingehen, sondern wollen nur das wundervolle Hebräisch, das Herr Saphir schreibt, gebührend anerkennen.

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