Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 32 (8.8.1866)
- Date
- 1866-08-08
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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528 die ungeheure Aufregung sehend und das Schlimmste fürchtend, gab deshalb nach. Das einmal entfesselte Element war jedoch nicht zu bändigen. Der Kommissär mußte verkleidet flüchten, die Volksmenge, welcher sich bald der gemeinste Pöbel anschloß, stürmte die Häuser der Juden, berauschte sich dort und trieb es nun noch ärger als zuvor. Obwohl sich der Bezirksvorfteher und der Bürgermeister, sowie mehrere der intelligentesten Herren aus dem Bürgerstande alle erdenkliche Mühe gaben, den Aufruhr zu beschwichtigen, so war doch Alles vergebens. Im Bräuhause, in der Wohnung des Armenvaters und in mehreren andern, besonders aber bei den Israeliten Keßler und Herrlich, wurden die gräulichsten Excesse verübt, und hier waren es eben die oben genannten Herren besonders, welche verhinderten, daß ein Menschenleben verloren ging. Die Bürgerschaft scch nun wohl ein, daß sie energisch einschreiten müsse, um das Aergfte zu verhüten. Gegen Abend organisirte sich eine Sicher tswache aus 0 Bürgern und den thätigen Turnern, welche, nachdem sie einige der Hauptexcedenten verhaftet hatte, die Ruhe wieder hsrstellte. Abends fuhren der Herr Bezirksvo sicher und der Bürgermeister nach Olmütz zum Festungskommandanten, woselbst sie über die Vorgänge Bericht erstatteten. Mieu, 3. August. Der zam Prediger im israelitischen Tempel der Lcopoltstadt ernannte Vr. Moriz Güdemann, bis jetzt Rabbiner und Prediger in Magdeburg, ist vorgestern ron dort hier eingetroffen und hat derselbe bereits seine neue Stellung angeln ten. Samstag wird er seine Antrittspredigt im Leopoldstädtec Tempel halten. F- - B- Aus E'zeruvwitz wird folgender Vorfall dem „Wiener Fremdcnblatt" berichtet: Seit Monaten schon hält der Tod bei uns eine reiche Ernte. Typhusepidemie, Hunger und Elend, und in neuester Zeit die Brechruhr liefern ihm täglich namhafte Opfer, und weder die Leiden der vielen Unglücklichen, noch die Thränen der vielen Verwaisten genügten ihm bisher zur Sühne. Aus diesem Grunde hat Herr Rabbi Horowitz beschlossen den Tod vom hiesigen Platze, wenn auch nicht ganz, so doch aus dem Bereiche der Judengemeinde zu vertreiben. Ein armes Pärchen, Bräutigam und Braut, denen ein Heiratskapital und die Ausstattung zugesichert wurde, ward nach vielem Suchen erblich aufgefunden und erklärte sich zur Todessühne bereit Gestern, 12 d. M., Nachmittags hat die interessante Fsierlichkert stattgefunden. Rabbi und Brautpaar, unter Begleitung einer unabsehbaren Menschenmenge, begaben sich zuerst, in die alte große Synagoge der Judenstadt, wo eine Art Einsegnung vorgenommeu wurde, hierauf ging es dem jüdischen Friedhofe zu, dessen Thor geöffnet stand, und hier, über den Gräbern, wurden Braut und Bräutigam nach dem altüblichen Ceremoniell getraut. Lustig spielte die zur Hochzeit gekommene Musik; Jauchzen und Gelächter erschollen hundertfach zwischen den Grabsteinen, wo Speisen und Getränke herumgereicht wurden; im fröhlichen Reigen drehten sich die Paare nach dem Takte der Fiedeln und Cimbeln; und Gäste und Zuschauer wohnten bis zum Schluffe, gefeffellt durch den seltsamen Gegensatz des Bildes, dem Feste bei, das bis zum Eintreten der Abenddämmerung währte, und Jedem, der demselben beiwohnte, gewiß zeitlebens unvergeßlich bleiben wird. (Wir erinnern an einen ähnlichen Vorfall in Jerusalem im vorigen Jahre, der jedoch einen traurigen Ausgang hatte, da sich der Bräutigam später in der Mikwah zu ertränken versuchte.) Italien. Der berühmte italienische Staatsmann, Herr von Artom, Attache bei der ital. Gesandtschaft zu Paris, wurde mit einer besonderen Mission vom Kaiser Napoleon an den König Victor Emanuel betraut und hat sich in Folge dessen in das italienische Hauptquartier begeben; wie der „Univ. Jsr." berichtet, vergißt Herr Artom niemals der Pflichten, die er als Jude gegen seinen Gott zu erfüllen hat. Im italienischen Heere befinden sich viele israelitische Osficiere: i Oberst, Herr Guastalla, mehrere Capitane und zahlreiche Osficiere und Unterofficiere. In der Schlacht bei Custozza hat sich ein junger israel. Cavallerie - Osficier, Herr Dsangeli, besonders ausgezeichnet; da er sich zu weit vorgewagt hatte, wurde er von 5 österreichischen Husaren umringt, von denen er 3 tödteie: wiewohl sein Pferd unter ihm fiel und er selbst am Kopfe verwundet wurde, entging er doch durch seinen Muth und seine Tapferkeit der Gefangenschaft. Frankreich. Nizza. Herr Abraham Colombo, Präsident des Handelsgerichts von Nizza, Ritter der Ehrenlegion, Präsident des isr. Consustoriums, palte unlängst an einer katholischen Provision theilgenommen. Im Univers Jsraelite deshalb getadelt, schreibt er zu seiner Verteidigung daß er schon seit vielen Jahren an der großen Proccssion theilnehme, und daß ihm niemals der Rabbiner von Nizza darob einen Vorwurf gemacht habe. Sicherlich trifft den Nabbinen der größere Vorwurf, da es immerhin se:n kann, daß Herr Colombo ein war; man sicht, wohin die vielgerühmte Toleranz der modernen Rabbinen führt. — Wahrscheinlich wird Herr Toneles-Handel in Wien