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Der Israelit · 1866-08-08 · Heft 32 (8.8.1866) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 32 (8.8.1866)
Date
1866-08-08
Page
– (sequence 9)
Language
German
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VII. Jahrgang. Beilage zn Nr. 32 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspvrrdenzen. Deutschland. CarlSruhe, 2. August. (Privatmittheilung.) Wie Sie bereits aus den Zeitungen ersehen haben werden, haben die jüngsten, großen, weltgeschichtlichen Ereignisse eine Neubildung des Großh. Ministeriums hervorgerufen. Zu den Rathen der Krone gehört jetzt auch ein Israelit; Herr Anwalt Ellstätter aus Mannheim ist in der. Eigenschaft eines Ministerin l r a t h s Vorsteher des Großh. Handelsministeriums geworden. Weikersheirn a. ö. T., 3. August. Am vorigen Montag wurde hier der im Gefechte bei Tauberbischofsheim schwerverwundete jüdische Soldat Bernhard Levi von dem benachbarten Laudenbach beerdigt, — Er starb im nahen Mergentheim, wohin er vom Schlachtfelde zur Verpflegung gebracht worden war, und hat nun die bei seinen Vätern begraben zu sein, da sein Geburtsort zum Kreise des hiesigen Friedhofs gehört. Das in Mergentheim liegende Militär begleitete des Waffenbruders Leiche mit allen üblichen Ehrenzeichen bis vor die Stadt hinaus und die Jehudim und Christen von hier w d den benachbarten Orten, darunter auch der katholische Geistliche vom Geburtsort, bildeten einen großen Zug bis zum ^'2. Nur unser hiesiger Rabbiner ging, obschon der Eönduct an dem Gasthvfe vorüberging, in dem er sich eben befand und das seltene Leichenbegängniß notorisch bekannt war, nicht mit der .-in>, weil, wie er behauptete, er nicht offieiell dazu bestellt worden sei. Eine Leichenrede wurde somit dem jungen Manne, der den Ehrentod für sein Vaterland starb, nicht gehalten. In Württemberg wird nämlich gegen eine Taxe von 2 fl. 42 kr., resp. 1 fl. 45 kr., nur dann ein vom Rabbiner oder Vorsänger gehalten, wenn dies verlangt worden ist. — Dagegen hat Einer dieser Beamten, am Rabbinatssitz der Geistliche, eine konfirmirte (!) Person ex oklleio zu begleiten und für die Todtengebete, ein kurzes deutsches Formular nebst O'vri iiL.-i, einen Gulden als Gebühr anzusprechen. Ueber Soldatenleichen besteht nun allerdings keine Vorschrift in der Synagogenordnung, allein selbst ein württemberger Rabbiner kann seine Pflichten hierüber im ."wn finden, wenn er sie erfüllen will. Diese Zurückgezogenheit (?) macht großes Aufsehen, und das christliche Publikum weiß es sich nicht zu erklären, warum der Rabbi den Krieger mied, zumal er ein Angehöriger! seines Sprengels war. Vielleicht fordert ihn seine vor- I gesetzte Behörde zur Verantwortung über sein räthsel-! Haftes Benehmen auf und schenkt dann auch dem Publikum so klaren Wein ein, wie der erwähnte Gasthof ihn bieten mag. — P r e u ß e u. Aus Netsfe wird dem „ Wiener Fr.-Bl." mitgetheilt, daß daselbst aus den gefangenen Ungarn eine „ungarische Legion" nnter der Anführung Klapka's gebildet wurde. 1500 Ungarn ließen sich zu diesem Zwecke anwcrben; die gefangenen israelitischen Ungarn, 60 an der Zahl, blieben sämmtlich ihrem dem Kaiser geleisteten Eide treu und verweigerten den Eintritt in die neu gebildete Legion; sie zogen das harte LooS der Gefangenschaft und die damit verknüpften Schanzarbeiten dem Eid- und Treubruche vor. Österreichischer Kaiserstaat. Wiev, den 26. Juli. In der Stadt Sternberg fand vor der Besetzung durch die Preußen ein großer Exceß statt. Derselbe wurde dadurch hervorgerufen, daß das Festungskommando vonOlmütz sich genöthigt sah, Requisitionen von Lebensmitteln vorzunehmen. Die Handelsleute, denen die Nachschaffung der fehlenden Materialien bei den so beschränkten Verkehrsmitteln ohnehin beschwert, bei dem Umstande jedoch, daß sie ohne Geld auch in den Nachbarstaaten keine Hilfe bekommen können, fast unmöglich ist, schlugen, wie man zu sagen pflegt, unter der Hand auf, und verlangten z. B. in derselben Stunde für em Pfund Salz 4—5 kr. mehr als sonst. Nun ging der Tumult unter der theilweise arbeitslosen Bevölkerung los. Immer mehr und mehr wuchs die Volksmenge. Obwohl der Bürgermeister sich alle erdenkliche Mühe gab, die Menge zu beruhigen, obwohl derselbe der aufgeregten Bevölkerung die beruhigende Nachricht brachte, daß nur das Entbehrlichste zur Verproviantirung der Festung Olmütz abgeliefert werden solle, war das Volk nicht zu beschwichtigen. Leider gab es unüberlegte Männer genug, welche statt beruhigend zu wirken, noch mehr dazu beitrugen, das ohnehin schon gereizte Volk noch mehr aufzustacheln. Tausende zogen vor das Amtsgebäude und begehrten vom Bezirksvorsteher, vom landesfürstlichen Kommissär u. s. f. die schriftliche Zusage, daß nichts aus der Stadt ohne ihren Willen fortgeführt werden dürfe. Die Behörde,

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