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Der Israelit · 1866-08-08 · Heft 32 (8.8.1866) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 32 (8.8.1866)
Date
1866-08-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
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525 und der Chasan fuhr fort, wie er angefangen. Aus einer hiesigen Zeitung erfährt man nun heute, daß der junge Mann gestern gepredigt. Er wird da den Rabbinern und Predigern Adler und Milziner an die Seite gestellt, — nicht verglichen — und wird erzählt, er habe seine „Airtrittspredigt" — gehalten, in der er übsr das Verhältniß zwischen der Gemeinde und ihrem Seelsorger (neue Ueberletzung von pn) gesprochen. Nun warum denn nicht? Dieselbe Ehre wird ja im selben Aussatze einem gewissen S.zu Theil, der, so viel ich weiß, als Chasan und Schochet in Europa — wenigstens in einem Oertchen — angestellt war, und jetzt als Rabbiner einer hiesigen Gemeinde zum Gelächter derer, die sein europäisches Wirken kennen, fungirt, der aber noch keinen „selbstständigen" religiösen Gedanken herzugeben im Stande ist. Am ersten Tage Pesach besuchte ich die Clintonschule, welche, wie alle hiesigen Synagogen an den O'Q' überfüllt ist. Den Gottesdienst leitet der Chasan der Gemeinde, Hoffmann, ein ganz vorzüglicher, echt polnischer pn. Einen Geistlichen hat diese Gemeinte nicht, wie die allerwenigsten Gemeinden hier. Zeichnete der pri H. sich durch sein muri vor dem Cbasan der French Schule aus io stand er aber im Anstande hinter diesem zurück. Ueberhaupk habe ich bisher nur zwei Chasonim hier getroffen, die vollkommen meinem Ideale vom Anstande eines Chamns entsprechen; der eine ist der zugleich tüchtige Sänger und richtig '-op lesende Chasan der „ JmannelGemeinde — des hiesigen Tempels —, und der andere ist der schon besprochene junge Mann, der sich nickt entblödet, Anspruch auf die Würde eines Geistlichen zu machen. Alle Anderen, die ich bisher Gelegenheit hatte zu hören, haben die sonderlichsten Manieren, machen allerlei Fachsen — öder wie man es sonst nennen will — mit dem Kopfe, den Händen, dem ganzen Körper. Bei Erwähnung der Forderung ein s Chasans, als Geistlicher angesehen zu sein, komme ich auf den Grund dieses Phänomens in den amerikanischen Gemeinden zu sprechen. Es wird hier in einem Athemzuge von Fortschritt und Fortschritt gesprochen, vergebens habe ich mich aber nach einem solchen im Allgemeinen hier umgesehen. Der amerikanische Jude steht sehr hinter dem europäischen zurück; die Leute wissen wohl, es gibt wohl irgend eine Stadt irgendwo, wie sie aber heißt, das wissen sie nicht Sie sehen den Fortschritt in prächtig gebauten Synagogen, in polizeilicher Ueberwachung der Ruhe beim Gottesdienste, im Verhindern des Herein- und Hinauslaufens aus der Synagoge, in lärmenden, von der Kanzel herabdonnern en Redner« — nicht Predigern — und Alles ist daher Humbug im jüdisch-religiösen Leben, wie in dem amerikanisch-socialen überhaupt. Daß die Aufgabe der israelitischen Synagoge die ist, die Wahrheiten der israel. Religion öffentlich kund zu machen, daß die Synagoge wie von Alkers her eine Stätte der Gotteslehre, eine Stätte heißinnigen Gebetes sein soll «ip' wo 2'Qp.i das wißen sie nicht oder wollen es nicht wissen. Entweder trifft man ein jedem ästhetischen Gefühle hohnsprechendes und in die Obren gellendes Chaos, oder man findet nur auf das Sinnliche Wirkende. So ist die hiesige böhmische Schule, wo ein von Christen und Juden zusammengesetzter Choralgesang von der Orgel begleitet wird, Zimmer übermllt, warum? — nun um zu hören wie der Vorsänger eine neue, dem Gottesdienste aufoctroyirte Opernnummer so schön singt oder wie die christl. Fräulein dies oder jenes Duett oder Solo vortragen. Die Synagoge, die cs wirklich zu Etwas hätte bringen können, wäre sie sortgefahren in dem Geleise, auf welches der selige, allgemein geachtete und kcnntnißreiche Adolph (Anschel) Sensheimer, seinerzeit der Einzige der Gemeinde, der Thalmudkenntniß in umfangreicher Bedeutung mit weltlichem Wissen vereinte, sie gebracht, — diese Synagoge ist jetzt, wie bemukt, eine der gesuchtesten, nicht des erhebenden, sondern des künstlerisch n Gottesdienstes halber. Leider ist der Verewigte, dem. die Gemeinde alles Gute zu verdank n hatte," wie sie das jetzige sogen. Schöne dem Herrn Ignatz Stein vielleicht verdanken muß, zu früh heimgegangen. um die Gemeinde vor Extremitäten bewahren zu können. Letztere sucht jetzt einen Redner, und wenn Einer aus Europa sich meldet, der hochgewachsen ist, schön wie Adonis, mit einer Stimme wie Mars, und einem duftigen Nedefluße wie Rosen und Vergnaneinnicht, dann ist die Maschine nach Wunsch. Bemerken aber will ich. daß er ein „Redner" sein muß ein „Prediger" in keinem Fall; ist er „Redner" und „Prediger"" zugleich, dann ist er zu fromm, ist er Prediger allein, ist er gewiß zu fromm; ist er ein „Böhme", darf er getrost hierher kommen zur Probe, ist er nicht ein solcher, dann komme er ja nicht her, bis er Alles contractmäßig vor seiner Ankunft geordnet hat. Diese Bemerkung führt mich auf einen anderen Punkt, der mich hier sehr befremdete, und der noch mehr unleidlich als thöricht ist: Das ist der unter den hiesigen Inden herrschende Nationalhaß.*) Der Pole kann den Deutschen, dieser wieder den Böhmen nicht vertragen und so weiter; und wenn nicht jene Goldworte ^>0 siw O'-ori in Israel anerkannt sind, wenn die hierhergekommenen Polen, Böhmen, Deutschen, Franzosen rc. rc. vergessen, daß sie jetzt alle amerikanische *) Um diese traurige Erfahrung zu machen, braucht man übrigens nicht nach New-Aork zu gehen. Während unseres Aufenthaltes zu Copenhagen konnten wir schon diese Wahrnehmung dortselbst machen. Doch sei dies nicht unbeschränkt zu verstehen, Lulla re-ssula sincr r xceptionc, nur muß ick besonders rühmend hervorheben, daß es auch dort Familien gibt, deren allerdings anzuerkennender Patriotismus sie doch nicht den jüdischen Bruder vergessen macht.

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