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Der Israelit · 1866-08-08 · Heft 32 (8.8.1866) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 32 (8.8.1866)
Date
1866-08-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
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524 Wie man hört, wird Herr Seminarlehrer Stern Ln Würzburg, wahrscheinlich in Folge der Kriegsereignisse, seine segensreiche Wirksamkeit an dieser Anstalt aufgeben und wieder in den württembergischen Schulstand, wofür er sich das Recht Vorbehalten hat, eintreten. Der Stand und das Land würden dadurch eines ihrer strebsamsten Mitglieder und Diener wieder gewinnen. Es soll ihm nämlich auf seine Bitte die jetzt vacante Schul- und Vorsängerstelle in Archshofen, einer religiösen und wohlhabenden Gemeinde im Tauberthale, übertragen werden. Wir gratuliren der Gemeinde und dem Lehrer dazu, wenn sich das Gerücht bestätigen sollte. In Heilbronn soll, wie man hört, die Veränderung der bisherigen Leichenordnung, wonach bisher am Scheidcorte, wo.die Mehrzahl der Begleiter den Leichenzug verläßt, während nur etliche Verwandte bis aus den entfernten Friedhof mitgehen, Gebet und Leichenrede gehalten worden sind, große Aufregung machen. Die lokalen Blätter haben die Sache bereits vcntilirt und eine Beschwerde gegen die Neuerung soll v'ele Unterschriften erhalten haben. Ja, bei der jüngsten Beerdigung soll sogar trotz der mißliebigen, vom Rabbinen provocnten Anordnung, dennoch ^L.-i O'rrci an dem Scheidcorte gebet-tt worden sein, .-od.'r -ip-p a.-UO. — Auch die Nabbinats frage, die in dieser Gemeinde so viel Zwiespalt erzeugt, ist noch immer nicht ln finitiv erledigt und die hiesige polnische Krisis ist nicht geeignet, große Finanzoperationen zu unternehmen, weil die Zunahme der Gemeinde gehemmt und der Wohlstand des Einzelnen großen Gefahren ausgesetzt rst. S. Feuilleton. Jüdische Zustände in New-Dork. Lübeck, L'-irr 5626. Bei den politischen sowohl als auch religiösen Wirren in unserem Vaterlande, in Europa überhaupt, ist es wohlthuend, den Bl'ck all diesen unglücklichen und schwer betrübenden Coujunctnren zu entziehen und ihn dahin schweifen zu lasten, wo man dnrch erfreulichere Erscheinungen wenigstens auf einige Zeit all die Leiden nnd den Kummer vergessen kann, den verkehrter Menschenwitz und Materialismus über die Menschheit zu Hause heraufbeschworen. Ungefähr mit solchen Gedanken begrüßten wir eine durch Vermittelung eines unserer Freunde uns übermachte Beschreibung der verschiedenen jüdischen Gemeinden New-Uorks und deren Institutionen und glaubte uns in unserer Hoffnung, etwas Erfreulicheres über das Judenthum in der neuen Welt zu lesen, als wir es von dem europäischen zu lesen gewohnt sind, umsoweniger getäuscht zu sehen, als erst die neuesten Nummern oes „Israelit" so erhebende Züge von treuer Anhänglichkeit an den väterlichen Glauben unserer Brüder in Amerika, überhaupt und in New-Aork insbesondere zu erzählen wußten und unser Gewährsmann auch in dieser Hinsicht unser vollkommenes Vertrau u verdient. Wie sehr .wir uns aber dennoch irrten und nach beendigtem Durchlesen dieser Schilderung uns doch wieder unser europäisches JudenLhum, bei all seinen Mängeln und Schwächen, lobten, möge der geneigte Leser selbst beurtheilen, da wir cs uns nicht versagen konnten, die gemachten Erfahrungen unseres Freundes zu New Jork unseren Lesern mit der Versicherung milzutheilen, daß die Meinungsäußerung desselben eine rem objective ist. und, wenn auch als individuelle, so doch nicht als subjective Ansicht aufgefaßt zu werden verdient, zumal unser New Porter Berichterstatter so unparteiisch schildert und düs LNPQ sowenig zu berücksichtigen scheint. Wir lasten bier seinen Bericht fast wörtlich folgen, .uv nuu. New-Dort, im April. Freitag Abend besuchte ich die „French Syna oge" um den neuen, von den Mrtgliedern der Gemeinde bis zum Himmel erhobenen nn zu hören. Wie schon unlängst nntgelßeüt, ist dieser ein ganz junger Mann, kaum, 20 Jahre alt, welcher soeben erst angesangen bat in Noten Unterricht zu nehmen bei dem hiesigen Schauspieler und Opernsänger in der böhmischen Schule, weicher ebensowenig wie sein Schüler sni in der eigentlichen Bedeutung dieses Wortes ist, denn keiner von Beiden kann correct Hebräisch lesen. Der junge Chasan hat eine kräftige Stimme, die aber höchst roh nnd ungeschliffen ist, welches sich besonders herausstellt, sobald er anfängt, einen anzubringen; man ist alsdann versucht zu glauben, es sitze ihm Etwas im Halse. Ein komischer Fall störte die Andacht, indem er, als er die Worte iv'v rQL? auszrttprechen beendet, dadurch unterbrochen wurde, daß alle Gaslichter ausgingen nn Der Schammes kam jetzt heran, lief hin und her, verschwand aber endlich, um alles Prometheus, Schwefelhölzchen bringend, wieder zu erscheinen. Auf den Almemor setzte er ein brennendes Taglicht, und allerlei Versuche wurden gemacht!, um die Gaslichter wieder in ibren „Status yuo auts" zu versetzen, aber vergeblich. Endlich kam man zur Ewsicht, man habe vergessen, den Gasometer in Ordnung zu bringen. Der mußte also wieder fort, und nach Verlauf von 20—25 Minuten, zu welcher Zeit es aber schon Mr? war, — da spät angefangen worden — fing man, d. h. die frommen Männer, der Präsident und Vicepräsident der Gemeinde, der Schammes und noch einige andere Mitglieder, an, alle Lichter wieder anzuzünden,

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