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Der Israelit · 1866-08-08 · Heft 32 (8.8.1866) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 32 (8.8.1866)
Date
1866-08-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
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520 licher Verein zu Berlin es zu weiter Nichts als zum Entwürfe von Statuten gebracht hat, ist Herr Hirsch Kalischer zu Thorn derjenige, welcher mit unerschütterlicher Ausdauer an dem Plane festhält und in frommer Energie an der Ausführung desselben nicht verzweifelt. Jetzt nun tritt Herr Henry Dunant zu Paris mit einem weitumfassenden Plane auf, innerhalb dessen die Colonosirung Palästina's durch jüdische Ackerbauer nur ein Zweig oes großen Baumes, nur ein Mittel zur Erlangung anderer Zwecke sein soll. Das Project des Herrn Dunant wendet sich nicht vorzugsweise an die Rilolhätigkeit, im Gegentheil, es stellt Gewinn in Aussicht, es will nicht eure Gesellschaft zur Aus' leerung des Geldbeutels der Bewohner dös Occidents gründen, es verspricht vielmehr denselben durch Ausbeutung bis jetzt noch ur,erschlossener Quellen im Oriente zu füllen. Ob nun dem so sein nnrd, ob eine derartige Gesellschaft überhaupt Aussicht auf Erfolg hat, ob im Orient derartige F lder, die nur der Cultivirung harren, wirklich brach liegen und ob eine solche Cultivirung für die Unternehmer von Nutzen fein wird — das Alles zu beurtheilen sind wir nicht im Stande. Wenn wirklich große Financiers sich an dieser Angelegenheit betheiligen wollen, so werden diese sicherlich durch geeignete Fachmänner vorher untersuchen lassen, ob sie ihre Capitalien riskiren oder aut anlcgen. Für uns liegt in dem ganzen Projekte nur ein Punkt zur besonderen Würdigung vor; Herr Dunant sagt nämlich: „Für die seWiederer Hebung des Orients wird in Folge des Erwachens des religiösen Gefühls das Dahinströmen der Israeliten eine große Beihilfe sein, deren schätzen swerthe Eigenschaften Palästina nur zu großem Vortheile gereichen können. Nachdem die Gesellschaft in Konstant in opel und in anderen Städten des türkischen Reichs Handelscomptoire errichtet haben wird, wird sie in Jaffa einen Hafen und von da einen Schienenweg nach Jerusalem erbauen. Die auf der Route dieser Eisenbahn liegenden Ländereien würden von der Türkei der Gesellschaft abgetreten werden, welche sie an israelitische Familien verkaufen könnte. Diese würden die Colonien zur höchsten Vlüthe entfalten durch die Unterstützung und die Händearbeit derjenigen ihrer Glaubensgenossen, deren Liebe für das alte Vaterland noch ebenso glühend wie ehedem geblieben ist. Specialcomitv's würden auf ihre Kosten Israeliten aus Marocko, Polen, der Moldau, der Wal ach ei, dem Orient, aus Afrika rc. herbeisenden." Hieraus ergeben sich für uns zwei Fragen: 1) Gibt es in den genannten Ländern Juden, die sich dazu eignen, als Colonisten nach Palästina auszuwandern und die die sich dazu bietende Gelegenheit freudig ergreifen werden? 2) Können, dürfen, sollen wir durch Bildung von Comite's rc. uns an diesem Projecte betheiligen? Die erste Frage glauben wir unbedingt bejahen zu können; wir glauben mit Bestimmtheit zu wissen, daß sich namentlich in den Ländern, in welchen unsere Glaubensgenossen noch in unwürdiger Ausnahmsstellung verharren, Hunderttausende finden, die freudig dem Lande der Väter zuwallen würden, um dort den Boden zu bebauen, den einst die Rinder Saul's und Elischa's umpflügten, auf dem die Töchter Schilds und Jerusalem's die Erntefeste feierten, wo David dw Heerdön weidete und Boas seine Schnitter beaufsichtigte. Die andere Frage ist schwerer zu beantworten. Freilich ist die Colonisirung des heiligen Landes durch Israeliten im höchsten Grade wünschenswerth. Aus Bibel, Talmud und unserer ganzen religiosgesetzlichen Literatur geht unzweideutig hervor, daß das Wohnen im heiligen Lande selbst zur Zeit der nationalen Unsilbstsiändigkmt und des Fehlens der national-religiösen Institutionen durchaus verdiennlich ist. Die Anhänglichkeit für das Land unserer Väter zeigte sich stets durch das Einwanderrr in dasselbe am Deutlichsten, selbst unter Verhältnissen, da nur Noth und Mend dadurch erkauft wurden; um wie viel mehr wäre eine zahlreiche Einwanderung wünschenswerth unter Verhältnissen, da Glück und Wohlstand geboten würden k Auch für die jetzigen Bewohner Palästinas würde eine ganz neue, glücklichere Aera erstehen, und dem Nothsranoe, dem unsere Almosen nicht zu steuern vermochten, würde durch das Aufblühen von Ackerbau, Handel und Industrie mit einem Mate ein Ende gemacht werden.Allein es ist doch auch gar Manches zu bedenken, wovon unsere Zustimmung abhängig gemacht werden müßte. An das heilige Land knüpfen sich viele Religionsgesetze, deren Ausübung außerhalb desselben nicht geboten ist; ferner kömmt die Ackerbauwirthschaft vielfach mit den Sabbatgesetzen und noch manchen anderen religiösen Verordnungen in Conflict. Wir müßten daher unsere Betheiligung von Garantien abhängig machen, die uns für die genaue Befolgung des jüdischen Neligionsgesetzes gegeben würden. Wir wollen dem-Voranstehenden noch die Bemerkung anknüpfen, daß Herr Henri Dunant evangelischer Christ ist; nicht etwa deßhalb, weil uns dieser Umstand Mißtrauen gegen ihn einflößte, sondern um anzudcuten, daß derselbe wohl von den Schwierigkeiten jüdischen Ackerbaues im heiligen Lande keine Vorstellung hat. t,

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