Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 31 (1.8.1866)
- Date
- 1866-08-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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511 Wir haben jedesmal unsere Behauptungen nvdn ivmn besiegelt und werden auch jetzt das np'? 5DN zur Geltung bringen. David S. Weiskopf, Distrikts - Rebbiner, . Schüler des sel. A. Bing, vormal. Oberrabbiners zu Würzburg. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, den 25. Juli. (Tel. der „Allg. Ztg.") Der hiesigen Judengemeinde (sio!) ist die Ausrüstung von vier Bataillonen auferlegt. (S. die Beilage.) Wien, den 23. Juli. Hiesige Blätter melden, die Preußen hätten der israel. Gemeinde zu Nikolsburg eine Contribution von 20,000 fl. auferlegt; dieselbe sei jedoch nicht bezahlt worden. (S. die Berlage.) Wien. Das hohe Kriegsministerium hat mit Erlaß vom 16. d. M. Nr. 4731, den als Rabbiner diplomirten dermaligen Erziehungs - Institutsdirektor Josef Szanto, über Vorschlag der israelitischen Kultusgemeinde in Wien, zum israelitischen Feldprediger bei der operirenden Armee auf Kriegsdauer ernannt und hat derselbe heute Mittag beim k. k. Platzkommando, unter Jntervenirung eines Stabsoffiziers und des ersten Predigers Dr. Jellinek, die rom Letzteren verfaßte Eidesformel, welche mit den Worten: „Ich schwöre bei Adonai Zebaot" beginnnt und mit den Worten „So wahr mir Gott helfe" schließt, abgelegt. Derselbe begibt sich sogleich in's Hauptquartier. (Kamerad.) Aus Prag wird dem „Wiener FB." geschrieben, daß preußische Offiziere unter andern Merkwürdigkeiten auch die Altneu-Synagoge besuchten; da ihnen jedoch das uralte Gebaute wenig Geschmack abzugewinnen vermochte, so richteten sie wiederholt an den Synagogendiener die Frage. „Wo haben Sie ihre Schätze? " — Dieser öffnete schweigend die heilige Lade und wies auf die Thorarollen. — Du Haft Recht, würdiger Mann, das sind unsere Schätze; möchten doch alle unsere Glaubensgenossen von der Ueberzeugung durchdrungen sein, daß wir keinen kostbareren, keinen theurern, keinen wertvolleren Schatz besitzen als die Lehre unseres Gottes! — Der Vorsteher der isr. Cnltusgemeinde zu Prag, Herr Ernst Wehli, ist gestorben. Frankreich. Paris. Wir berichteten vor einiger Zeit von dem wundervollen Thenach, welches der berühmte Reisende R. Jakob Saphir aus Arabien mitgebracht und das die Kaiserin angekauft hat. Ihre Majestät halt dasselbe nunmehr der kaiserlichen Bibliothek zum Geschenk gemacht; es ist dort öffentlich ausgestellt und wird allgemein bewundert. Dieser Tage ist ein neuer Katalog der kaiserlichen Bibliothek zu Paris erschienen; der Redacteur des „Libanon" verspricht, den jüdischen Theil desselben in seiner Zeitschrift zu veröffentlichen. Donaufürstenlhümer. Bukarest, den 1. Juli. Meine Feder sträubt sich, die Schilderung der Schreckensscenen niederzuschreiben, die wir soeben erlebt haben. Vor einigen Tagen war der berühmte Herr Adolph Crämieux aus Paris hier, und seinem Einflüsse war es namentlich zuzuschreiben, daß der Artikel VI. der Verfassung die politischen und bürgerlichen Rechte unabhängig von dem Glaubensbekenntnisse erklärt. ' Gestern, Samstag am 17- Tage des Monats Tamus, an demselben Tage, da der Feind die heilige Stadt vor nunmehr bald zwei Jahrtausenden eroberte, rotteten sich circa 5000 Menschen zusammen, um einen Druck auf die Nationalversammlung auszuüben und die Annahme des obenerwähnten Artikel VI zu Hintertreiben; sie fingen damit an, einige Juden zu mißhandeln. Dann Muteten sie die Glocken, so daß der süße Pöbel von allen Enden herbeiströmte. Mit Aexten und andern Waffen versehen, zogen sie in die Judengaffe. mißhandelten die Juden, deren sie habhaft werden konnten, bis die neuerbaute, noch nicht ganz vollendete Synagoge ihre Aufmerksamkeit auf sich zog. Diese Synagoge, welche der ganzen Stadt zur Zierde gereichte, war ein wundervolles Gebäude; wie Vandalen sielen die Elenden darüber her, schlugen die Fenster ein, hieben die Säulen um, zerstörten die Gitter und Zierrathe; einer von ihnen stieg auf's Dach und zertrümmerte unter den Jubelrufen der entmenschten Horde die beiden Bundestafeln, auf denen die zehn Gebote standen. Die Taseln sielen unter seinen Axtschlägen und zerschellten auf dem Straßenpflaster. Allein kaum war dieses geschehen, als auch der Zerstörer, da er vom Dache herniederklettern wollte, einen'Fehltritt that und derart herunterfiel, daß aus seinem zerschmetterten Schädel das Hirn weithin über die Straße spritzte. Allein die Wuth des Pöbels wurde hierdurch nur auf's Neue angefacht; sie gingen von da in die nächste Synagoge, zerrissen die heiligen Gesetzrollen und traten sie mit Füßen. Unterdeß war das Militär und die Nationalgarde entboten, allein diese letztere half dem Pöbel nur an seinem Zerstörungswerk. Nunmehr wurden bereits vorher gedruckte Zettel von der Regierung ausgegeben, daß der Artikel VI aus der Befassung ausgemerzt, daß die Juden außerhalb des Gesetzes stehend, wohl Pflichten, aber keine Rechte haben sollen. Man sieht, das Ganze ist ein abgekartetes Spiel! Nachdem dieses geschehen, verlief sich die Menge; allein noch immer sind wir unseres Lebens nicht sicher, und ich selbst habe einen Geistlichen an die Thüre eines Juden schreiben sehen : „Binnen zwei Tagen werdet ihr Alle getödtet werden."